Melodifestivalen 2012 (2): Das erwartet uns

Ein 17-jähriger Jungspund, alte Mello-Hasen wie Andreas Lundstedt (Foto, Quelle: SVT) und ein „bunter Hund“: Die zweite Runde des Melodifestivalen 2012 in Göteborg hat viel zu bieten. Werfen wir einen Blick drauf!

Schweden ist erfolgreich in die Melodifestivalen-Saison 2012 gestartet. Die ersten Finalisten stehen schon fest, und die Auftakt-Runde brachte bereits eine widersprüchliche Erkenntnis: Seinen Musikstil überraschend zu ändern, wird vom Publikum nicht unbedingt goutiert (The Moniker) – seinem Stil treu zu bleiben, aber auch nicht zwangsläufig (Afro-Dite).

Ob die Enttäuschungen des vergangenen Wochenendes inzwischen überwunden sind, wissen wir nicht. Dagegen wissen wir, dass es auch am kommenden Samstag nach eineinhalb Stunden Mello-Show wieder ein paar enttäuschte Gesichter geben wird. Schauen wir mal, wer sich dem Voting des Publikums stellen wird.

1. Der Junior darf die zweite Vorrunde eröffnen: Ulrik Munther ist süße 17, hat aber schon viel Bühnenerfahrung. Vor drei Jahren gewann er das Lilla Melodifestivalen, also die Kinderausgabe des Mello, und anschließend auch den Skandinavien-Wettbewerb MGP Nordic mit „En vanlig dag“. Seitdem war er immer wieder im schwedischen Fernsehen zu sehen, etwa vorigen Sommer bei „Allsång på Skansen“:


Ulrik Munther: Boys Don’t Cry

Sein Debütalbum, das im Herbst 2011 erschien, erreichte Platz 1 der schwedischen Albumcharts. Aufmerksamkeit erzeugte dabei auch sein Cover von Lady Gagas „Born This Way“. Darum darf man gespannt sein auf Ulriks Melodifestivalen-Beitrag „Soldiers“, den er mit seinem Team selbst geschrieben hat. Das Lied dreht sich laut Ulrik um „Krieg in einer Beziehung“ und was macht macht, damit diese überlebt. Darum soll „Soldiers“ auch ein Poprock-Stück „mit Militär-Feeling“ sein.

2. Susie Päivärinta (eine Hälfte des „Show Me Heaven“-Duos Lili & Susie) hat zusammen mit Mårten und Lina Eriksson das Stück „Baby Doll“ geschrieben, das mit Startnummer 2 von den Top Cats präsentiert wird. Dahinter verbirgt sich eine Rockabilly-Band aus der Region Värmland. Die Gruppe existiert schon seit einigen Jahren, der Durchbruch kam aber erst 2010, als sie in der TV-Show „Talang“ (entspricht unserem „Supertalent“ auf RTL) mitmachte. 2011 erschien dann das Album „Heartache“.


Top Cats im Halbfinale von „Talang“

Gegelte Tollen also beim Mello: Auch „Baby Doll“ wird Rockabilly sein – die Top Cats (fünf Mitt-/Endzwanziger) haben den Musikstil schon in Kindertagen entdeckt, durch die Schallplatten ihrer Eltern, und seither keine andere Musikrichtung gespielt. „Wir hoffen, dass mehr unsere fantastische Musik entdecken“, sagt die Band.

3. Im Jahr 2007 hatte sie eine der schönsten Melodifestivalen-Balladen im Angebot („För att du finns“), jetzt kehrt sie zurück: Sonja Aldén unternimmt den dritten Anlauf beim Mello (2006 floppte ihr Schwedenschlager „Etymon“, den sie als Sonya präsentierte).


Sonja Aldén: För att du finns

Sie war aber seit 2007 nicht untätig, sondern veröffentlichte zwei Alben, zuletzt 2008 „Under mitt tak“, und tourte mit Shirley Clamp und Sanna Nielsen (mit denen sie auch zwei Weihnachts-CDs aufnahm). Außerdem schreibt Sonja Aldén für andere Künstler. Jetzt hat sie wieder für sich komponiert – zusammen mit Bobby Ljunggren (u.a. „Evighet“ für Carola und „Empty Room“ für Sanna Nielsen) und Peter Boström schrieb die 34-Jährige „I din himmel“ (In deinem Himmel). Wir dürfen uns auf eine Powerballade freuen.

4. Andreas Lundstedt zählt zu den alten Hasen des Melodifestivalens. 2012 ist bereits seine achte Teilnahme: Drei Mal nahm er solo teil (1996, 1997, 2007); vier Mal als Mitglied der Band Alcazar (2003, 2005, 2009, 2010). Seit ihrem letzten Auftritt beim Stockholm Pride im August 2011 macht die Band Pause, und Andreas geht wieder auf Solopfaden. Der 39-Jährige nennt es „ein neues Kapitel in meinem Leben“.


Andreas Lundstedt (beim Melodifestivalen 1997): Jag saknar dig, jag saknar dig

Zugleich kehrt er zu seiner Muttersprache zurück, in der er zuletzt 1997 beim Mello gesungen hatte. „Aldrig aldrig“ (Nie nie) heißt sein Beitrag für 2012, ein „Poplied über das Vermissen und darüber, jemanden zu lieben, den man gleichzeitig hasst“, erzählt Lundstedt. „Ich glaube, dass viele sich in dem Text wiedererkennen können.“ Geschrieben ist es von den Mello-Neulingen Maria Marcus und Randy Goodrum sowie Niclas Lundin („Hur kan jag tro på kärlek“, 2010, und „Enemy“, 2011).

5. Vier Mädels sorgten bei Mello-Fans im Jahr 2010 für Furore: Timoteij. Zwar gewann ihr „Kom“ nicht das Festival, eroberte aber viele Fanherzen – und am Ende siegte das Lied beim Second Chance Contest der europäischen Eurovision-Fanclubs (OGAE). Zwei Jahre danach singt die Shampoo-Girls wieder da!


Timoteij: Het

Erneut singen die vier auf Schwedisch, allerdings stammt ihr diesjähriger Beitrag „Stormande hav“ (Stürmische See) von anderen Autoren als „Kom“. Das Lied wurde von einem Komponisten-Quartett geschrieben, das schon ein paar Mello-Teilnahmen vorweisen kann (u.a. „This Is My Life“ von Anna Bergendahl, „Genom eld och vatten“, „Higher“ und „Ödet var min väg“). „Das Lied ist wirklich schwungvoll mit viel Energie, richtig timoteijig“, sagt Bandmitglied Bodil.

6. Nach Timoteij folgt ein neues Gesicht beim Melodifestivalen. David Lindgren ist in Schweden bisher vor allem als Musicalsänger bekannt geworden, der 29-Jährige war unter anderem in Malmö und Stockholm im „High School Musical“ und in „Hairspray“ zu sehen.


David Lindgren in der Musikquiz-Show „Så ska det låta“, 2009

Tony Nilsson und Fernando Fuentes schrieben für David das Lied „Shout It Out“ – Lindgren beschreibt das Lied als fröhlichen Uptempo-Housepop. Im vergangenen Jahr waren Nilsson/Fuentes bereits im Melodifestivalen dabei – von ihnen kam „Like Suicide“, gesungen von Christian Walz. Nilsson hatte davor bereits u.a. an „Love In Stereo“ von Ola, Velvets „The Queen“ und „You’re Out Of My Life“ von Darin mitgeschrieben.

7. Mimi Oh (nicht zu verwechseln mit Minnie-Oh, die vor ein paar Wochen beim norwegischen Melodi Grand Prix angetreten war) ist eine junge Stockholmerin, noch ein frisches Gesicht in der schwedischen Musikszene. Vergangenes Jahr erst erschien ihre erste EP „1986“ mit 80’s-haften Popsongs auf Schwedisch. Diesem Stil bleibt Mimmi Olsen, wie sie richtig heißt, nun auch für ihr Mello-Debüt namens „Det går för långsamt“ (Das geht zu langsam) treu.


Mimi Oh: Säkerhetsnål

Die 25-jährige Stockholmerin erzählt: „Ich bin von den 80er Jahren so inspiriert, weil es mich da noch nicht gab. Ich habe so ein romantisiertes Bild, dass es damals so farbenfroh war, eine glamouröse Ära mit sehr guter Musik.“ Was die 80er-Musik betrifft, wird mancher, der dabei war, ein etwas anderes Urteil abgeben – aber im Trend liegt Mimi auf jeden Fall. „Det går för långsamt“ wurde geschrieben von Niclas Lundin und Anton Malmberg Hård af Segerstad. Beide haben voriges Jahr für Sara Lumholdt das Stück „Enemy“ geschrieben.

8. Zum Abschluss der 2. Runde darf Thomas Di Leva auf die Bühne. Er ist in Schweden bekannt wie ein bunter Hund – nicht zuletzt dank seiner exzentrisch-farbigen Kleidern, die ihn immer etwas hare-krischna-mäßig aussehen lassen. Im Lauf seiner seit drei Jahrzehnten laufenden Karriere war schon längst zu erwarten, dass der Tausendsassa irgendwann beim Melodifestivalen auftauchen würde. Der Alternativkünstler hatte Anfragen des schwedischen Fernsehens aber bisher stets abgelehnt – doch 2012 wagt er es endlich, mit 48 Jahren.


Thomas Di Leva: Ingen kan köpa livet

Di Leva sieht das Melodifestivalen als „Forum für die Präsentation von Ideen“ und dort möchte er eine „wichtige Botschaft“ vermitteln, wie er sagt. Sein selbst geschriebenes Lied „Ge aldrig upp“ (Gib nie auf) dreht sich darum, dass man das Beste aus seinem Leben machen sollte. „Man darf nie das aufgeben, woran man glaubt, sondern muss versuchen, seinen Herzenstraum zu leben – denn das Leben ist so unglaublich fantastisch, es ist ein Wunder, dass wir hier sind“, sagt Di Leva.