Minipop Icons für Baku: Die Stars des Eurovision Song Contest als Trickfiguren


Ben Morris
, britischer Grafikdesigner, gestaltete in diesem Jahr zur großen Freude der ESC-Fans von Blue (Nackt im Bild) und allen anderen Teilnehmern des Eurovision Song Contest Minipop Icons. Welche Resonanz sein Projekt erzielte, was die EBU zu alldem sagt und ob es für 2012 ein offizielles Merchandising der liebevoll gezeichneten ESC-Stars geben wird, fragte PRINZ-Blogger OLiver den Grafiker.

PRINZ Blog: Ben, Du hast von allen ESC-Interpreten des Jahres 2011 Minipop Icons gezeichnet und sie im Web veröffentlicht, dazu haben wir Dich im Vorfeld des ESC befragt. Mit etwas Abstand, aus heutiger Sicht, wie waren die Reaktionen?

Ben Morris: Die haben mich begeistert! Das Interesse an der Facebook-Seite der Minipop Icons, das im Februar noch kaum messbar war, ist im April unmittelbar vor dem ESC auf 350.000 Zugriffe von 23.000 Besuchern geradezu explodiert. Ich konnte es nicht fassen. Ich habe zu den Icons auch einige Twibbons (ein digitaler Aufkleber für Twitter-Profile) gestaltet und Duncan James von Blue hat das Blue-Twibbon zwei Monate bis zum ESC-Finale auf seinem Twitter-Account benutzt. Das hat mir sehr geschmeichelt. Dann kamen einige Anfragen von Magazinen, zum Beispiel von GT, einem etablierten schwulen Hochglanzmagazin. GT hat die Icons in einem ESC-Special prominent abgedruckt, ebenso wie das TV Digital Magazin in Deutschland. Letztere haben mich aber nicht um Erlaubnis gefragt und die Icons einfach von meiner Facebook-Seite kopiert. Ein Follower bei Twitter hat mich darauf aufmerksam gemacht, nach einer Beschwerde habe ich dann auch ein Honorar erhalten.

PRINZBlog: Wie fanden die Interpreten ihre Icons?  Welche erregte die meiste Aufmerksamkeit?

Ben Morris: Viele meiner Freunde mit einer Presse-Akkreditierung haben T-Shirts mit den Icons im Pressezentrum getragen und einigen der Interpreten ein T-Shirt mit ihrer Icon als Geschenk überreicht. Sie haben mir von großartigen Reaktionen berichtet, Evelina aus Litauen etwa war sehr berührt. Anscheinend hatte sie die Presse vor ihrem fantastischen Auftritt im ersten Semifinale glatt ignoriert, als meine Freundin Elaine ihr dann das T-Shirt schenkte, war sie hocherfreut. Ein anderer Freund hat Blue einige Sticker mit den Icons überreicht und sie waren auch ziemlich angetan. Sie haben ihr Minipop-Icon-Shirt in der Pressekonferenz in die Kamera gehalten, was auf BBC3 gezeigt wurde.

Das Beste war jedoch, als das italienische Team ein Minipop-Shirt von Raphael Gualazzi vor Millionen von Zuschauern während des ESC-Finales in die Kamera hielt, als sie 12 Punkte aus San Marino erhielten. Tolle Fotos wurden auch gemacht, als Alexey aus Russland in seiner Pressekonferenz sein David-Bowie-T-Shirt auszog und das Minipop-T-Shirt anzog. Ich kann mich über mangelnde Aufmerksamkeit wirklich nicht beklagen! Einer der absoluten Höhepunkte meiner Karriere als Illustrator.

PRINZBlog: Welche Minipop Icon mochtest Du selbst am liebsten? Und welche war am schwierigsten zu zeichnen?

Ben Morris: I habe einige Favoriten, zu denen Deutschland (Lena), Dänemark (A friend of London), Großbritannien (Blue) und Irland (Jedward) zählen. Lenas Damen-Bobteam hat etliche Lacher bekommen. Die schwierigsten Icons waren jene, die aus sechsköpfigen Gruppen bestanden, ihre Fertigstellung hat praktisch ewig gedauert. Belgien, Island und Georgien waren somit am anstrengendsten zu zeichnen, daher habe ich mir damit auch bis zum Schluss der Vorentscheidungssaison Zeit gelassen…

PRINZBlog: Was sagt die European Broadcasting Union (EBU) als Veranstalter des ESC zu Deinen Aktivitäten?

Ben Morris: Nicht viel! Eigentlich hätte ich in Düsseldorf einen Vertreter von Badge, der offiziellen Merchandising Firma für ESC-Produkte und auch ein Mitglied des Eurovisions-Komitees treffen sollen. Aber je näher das Finale rückte, desto mehr haben sie anscheinend das Interesse verloren, sie haben mir nicht mehr auf meine Kontaktanfragen geantwortet. Das habe ich dann so verstanden, dass sie die Icons nicht in das Programm aufnehmen wollen, sie werden also in Baku keinen offiziellen Status haben.

PRINZBlog: In Baku? Das heißt, Du machst trotz des Desinteresses der EBU weiter mit dem Projekt, wegen der Fans?

Ben Morris: Ja, die ESC-Fans sind unglaublich enthusiastisch und ich hoffe, dass ich mit dem internationalen Fanclub-Netzwerk OGAE zusammenarbeiten kann. Die Mitglieder von OGAE United Kingdom werden in Baku die einzigen sein, die T-Shirts mit der Minipop Icon des britischen Interpreten bestellen dürfen. Ich hoffe, dass ich ähnliche Deals auch mit anderen OGAE Clubs in Europa für ihre jeweiligen Icons abschließen kann. Falls mich jemand von OGAE Germany diesbezüglich kontaktieren möchte, würde ich mich darüber sehr freuen.

PRINZBlog: Hatte die öffentliche Reaktion auf die Minipop Icons Einfluss auf Dein Berufsleben als freier Grafiker? Hast Du spezielle Aufträge erhalten?

Morris: Das war tatsächlich der Fall. Dadurch habe ich beispielsweise den Auftrag erhalten, das neue Albumcover von Love City Groove zu gestalten, die 1995 Großbritannien im ESC vertreten haben. Derzeit warte ich gespannt darauf, ob ihr japanisches Label meine Entwürfe angenommen hat. Ich plane übrigens mit der Zeit eine eigene Galerie von Eurovisions-Gewinnern der Vergangenheit zu gestalten. Einige davon kann man als Hochglanz-Drucke aus meinem Online-Printshop erwerben (oben: Carola, unten: die vier Siegerinnen aus dem Jahr 1969)

PRINZBlog: Hast Du schon mit den Minipop Icons des nächsten Jahres angefangen? Mit Ivi Adamou steht ja bereits eine Sängerin für Zypern fest.

Morris: Mit Ivi’s Icon habe ich noch nicht angefangen, aber das kommt bald. Zunächst zeichne ich jedoch alle britischen Eurovisions-Gewinner für ein karitatives Projekt, das für die Leukämie-Forschung Geld sammelt.

PRINZBlog: Du warst vor Ort in Düsseldorf. Wie hast Du den ESC erlebt? Was hat Dich am meisten beeindruckt?

Morris: Ich hatte eine fantastische Zeit! Von den vier Eurovision Song Contests, die ich besucht hahe, war Düsseldorf mein absoluter Favorit. Ich habe eine halbe Woche in Düsseldorf und eine halbe Woche in Köln verbracht. Meine persönliches Highlight war einige der Interpreten zu treffen, insbesondere Blue anläßlich der Party von OGAE United Kingdom. Ich fand es auch schön, in der brütenden Hitze entlang des Rheins zu wandeln.

PRINZBlog: Gibt es noch etwas, was Du den Fans des ESC mitteilen möchtest?

Ben Morris: Ich möchte allen Eurovision Fans danken, die die Icons per Facebook als Follower begleitet haben und so nette Dinge gesagt haben. Ich hoffe, ihnen wird auch meine neue Icons-Kollektion für 2012 gefallen. Ich habe eine neue Facebook-Seite eingerichtet und plane auch, nach Baku zu reisen, das hoffentlich so aufregend wie Düsseldorf werden wird. Ansonsten würde ich mich über einen baldigen britischen ESC-Sieg freuen, weil ich für diesen Fall schon einen besonderen Plan für die Minipop Icons in der Schublade habe…


Wie ein Minipop Icon entsteht: Ben Morris zeichnet Blue