1. Probe Montenegro: Rambo A. und die Ironie des trojanischen Esels

Erste Probe: Mit reichlich Verspaetung betrat Rambo Amadeus die Buehne in der Crystal Hall. Aufgrund der Verzoegrung etwas zaeh und mit technischen Problemen, ansonsten aber schon recht stimmig, erschallte Euro Neuro als erster Song auf der ESC-Buehne. In der Pressekonferenz erklaerte Rambo dann, dass es ihm viel mehr um philosophische als politische Fragen geht.

Statt um 11 Uhr Ortszeit wurde der erste Ton erst um halb eins gesungen, sieht man mal vor der kurzen Einspielung von Heintjes Mama-Song ab, mit dem die Brainpool-Regie die deutschen (zahlreich herumlaufenden) Mitarbeiter der Produktion erfreute.

Das Buehnenbild fuer Montenegro besteht aus wilden Wechseln von Lettern, Zahlen, dem Schnee einer Bildstoerung und eher grellen Farben. Blickfang ist ein riesiger holzfarbener Esel, an dessen Donkey Dong ein Mitarbeiter ein weisses Handtuch gehaengt hatte (ob das Zufall ist oder noch eine weitere Rolle spielen wird, wurde nicht klar). Der erste Runthrough war lediglich ein Soundcheck, nachdem Rambo Amadeus mit knurriger Stimme die deutsche Produktionsleitung informierte, dass sein Titel aufgrund der verschiedenen Stimmlagen zweier voellig verschiedener Einstellungen bedarf. „My voice has to be louder“ und das Tape sollte um 3 Dezibel leiser abgespielt werden. Dann wurde geklaert, dass er bereits 5 Sekunden in Stille BEVOR das Backing Tape startet anfangen moechte zu laufen (und zwar der Probe nach wie ein Neandertaler).

Ausserdem gibt es drei Taenzer, die zu akrobatischen Einlagen faehig sind und Salti schlagen. Die erste Probe wirkte wohl auch aufgrund der Verspaetung und weil sich ohnehin alles noch einspielen muss, reichlich improvisiert.

Dennoch erklaerte Rambo Amadeus in der nachfolgenden Pressekonferenz, die von etwa 50 Journalisten recht gut besucht war (der Raum bietet Raum fuer ca 300), dass er genau weiss, was er will und wohl noch etwas Geduld haben muss, bei der naechste Probe wuerden wir sehen, was er meinte. Der ESC sei eben kein Contest fuer Improvisationen, die er ansonsten auf den kleinen Buehnen sehr schaetzt. „Ich moechte mich selbst ueberraschen und zufriedenstellen und frage mich erst dann, ob es beim Publikum ankommt.“

Die richtige Haltung fuer eine Stehtoilette (die uns in Baku bislang noch nicht begegnet sind)

Baku gefaellt ihm demnach gut, alles ist gross mit Ausnahme seiner Garderobe. Ansonsten ist er ist froh, dass die Air Condition arbeitet. Als passioniertem Segler sei ihm aufgefallen, dass es hier recht wenig Boote auf dem Kaspischen Meer gebe.

Der Esel (ein Fanjournalist fragte tatsaechlich nach dem trojanischen Pferd) sei ein „trojanischer Esel“, von dem man in der Geschichte noch nicht viel gehoert haette, dem man aber eine Chance geben muesse. Rambo spricht recht gutes Englisch, allerdings sehr langsam, was einen etwas zaehen (und leicht verkaterten) Eindruck hinterlaesst. Und manchmal ist der Sinn auch nicht ganz leicht zu verstehen.

Zum Song: Euro Neuro duerfe man nicht notwendigerweise als Allegorie auf die europaeische Waheung und deren Probleme verstehen. Er will als Kuenstler Fragen stellen – und zwar eher philosophische als politische – und Dilemmas des kleinen Mannes aufzeigen. Es gehe darum, sich zu fragen, was wir alle tun muessen, um eine bessere Zukunft zu erreichen.

Die Ironie und der Fun des Videos laesst sich nicht auf die ESC-Buehne bringen, das hatte die montenegrinische Delegation aber auch nicht vor. Hier geht es nun um eine neue Praesentation, die ironisch und gleichzeitig „camp“ sein soll und mit Klischees spielen wird und nicht darum, das Video zu imitieren.

Er erinnerte an die griechische Sagengestalt Europa, die auf einem Bullen ritt und fragte: Ist dieser Bulle heute denn noch stark genug, um uns alle zusammenzubringen? Rambo, der die Probe im Outfit eines ausgeruhten Stadtstreichers bestritt, hinterliess trotz der technischen Probleme einen sehr entspannten Eindruck, ihn bringt wohl nichts so schnell aus der Ruhe. Ein wenig Kritik (ausser an der Groesse der Garderobe) in Richtung Aserbaidschan gab es auch: Hier gebe es wohl so viel Oel, dass man sich um erneuerbare Energien nicht kuemmere. Eine Bemerkung, die von ansonsten um Worte nie verlegen scheinenden aserbaidschanischen Moderator der Pressekonferenz nicht aufgegriffen wurde.

Rambo mit einem begeisterten Fan beim Presse-Fotoshooting

Das Probenvideo von der EBU-Website eurovision.tv: