1. Probe Slowakei: Muskelschlümpfe im Blitzgewitter

Putzig bemützt absolvierten die Slowaken um Miroslav Šmajda alias Max Jason Mai ihre Probe. Der Hardrocksong hat als einzige seiner Art ein Alleinstellungsmerkmal im Contest. Die Präsentation ist allerdings bislang reichlich uninspiriert. Dennoch könnte sich die Slowakei erstmals im Finale wiederfinden.

Anfangs schonte sich der ansprechend gebaute 23-jährige stimmlich noch etwas. Doch bei den letzten Durchläufen packte Max alias Miroslav aus, was er zu bieten hat – stimmlich gesehen.

Gemeinsam mit drei Gitarristen, von denen einer auch die Aufgabe eines Backgroundsängers übernimmt, und einem Schlagzeuger steht der slowakische Castingstar auf der Bühne. Dominant zwischen acht Verstärkern, die sogar das russische Heimtierkrematorium (pardon, den Brotbackofen) grössenmässig in den Schatten stellen.

Auf Rauch und Pyroeffekte, die sich bei „Don´t Close Your Eyes“ dringend angeboten hätten, verzichteten die Slowaken. Der Hintergrund besteht nach eingangs erhellenden Lichtblitzen aus einem Metallgerippe, das in rot und schwarz-weiss grell erleuchtet wird und am Ende lautlos in sich zusammenbricht. Max Jason läuft zwischen linkem und rechtem Bühnenende hin und her und entert am Ende einen Catwalk, auf dem er dann eine (derzeit noch eher gelangweilte) Schlusspose einnimmt.

Mir kam heute alles etwas hingerotzt und unmotiviert vor. Am TV-Schirm kann das, was mich in der Halle nicht besonders beeindruckt hat, indes durchaus besser rüberkommen. Die Kameraschnitte saßen heute noch nicht richtig, es gab viele lange Shots von der Decke oder der Seite auf Max.

Schon klar, dass zu Hardrockern keine ausgefeilten Choreographien passen, es muss möglichst authentisch, also dreckig, spontan und schweisstreibend sein – doch soviel Ausstrahlung sprich Präsenz besitzt der Nachwuchs-Jon-Bon-Jovi aus Kosice nicht. Es würde vermutlich schon etwas helfen, wenn er die Stummfilm-Diva-Sonnenbrille (offensichtlich eine Porsche-Carrera, die ihm zu gross ist, wie mir unser Sonnenbrillenexperte Peter zuraunte) abnehmen würde und seine prächtigen Farrah-Fawcett-Haare nicht verstecken wuerde. Hier zur Info ein kleiner Haar-Posen-Vergleich und ein Hinweis auf unseren Artikel über  berühmte(re) Doppelgänger der ESC-„Stars“.

Dennoch, das in der Balladenwolke des zweiten Semifinales krass andersartige Lied dürfte für viele Zuseher einen Erinnerungswert besitzen. Fragt sich nur welchen. Die Finalqualifikation wird entscheidend davon abhängen, die Zielgruppe – eben (Hard)-rockfans, die womöglich den ESC gar nicht anschauen, zum Anrufen zu bewegen. Diese Musikfans finden jedoch eventuell schon bei der mazedonischen Rockröhre Kaliopi (bessere Stimme, interessantere Komposition, mehr Ausstrahlung) ein Angebot.

Die Pressekonferenz, die extrem schwach besucht war, bestritt Max von zwei langmähnigen Grazien eingerahmt – der Head of Delegation und seiner persönlichen Designerin. Neben dem Statement „I love sunglasses“ und dem Bekenntnis ausserdem Kontraste zu mögen (deswegen versteckt er seine Augen, obwohl der Titel „Don’t Close Your Eyes“ heisst), präsentierten die Slowaken stolz eine Nahezu-Weltneuheit.

Nämlich eine digitale Signatur, eine Postkarte mit Maxens kaum bekleideten Traumbody, die zum Leben erwacht, wenn man ein I-Phone daran hält. Soll heissen, auf dem I-Phone startet dann plötzlich ein dreidimensionaler Videoclip des muskulösen Beaus, der von uns den Titel „ESC Bulge of the year“ verliehen bekommen würde, wenn, ja wenn, es da nicht den ständig freudig erregten Otti aus Estland geben würde (Bericht folgt in Kuerze).

Ausserdem trägt Max ein Amulett, das die Symbole der weiblichen und männlichen Kraft vereint und echtes Blut (!) von Max enthält. Das soll ihm helfen, ins Finale einzuziehen. Falls es nicht klappt, kann er ja weiterhin Blut spenden – auch eine sehr sinnvolle Tätigkeit.