NDR ESC Roadshow macht Station beim ECG in Köln

2013 war NDR Unterhaltungschef Thomas Schreiber erstmals zu Gast beim ECG im Kölner Gloria. In 2017 hat er den neuen HoD Germany Christoph Pellander mitgebracht und seine Teilnahme am Clubtreffen als Abschluss in die NDR-eigene „Wir erklären Euch das neue deutsche Vorentscheid-Konzept“-Roadshow für Fans integriert. Anknüpfend an unsere Roadshow-Reportagen könnt Ihr hier die wesentlichen Neuigkeiten aus Köln nachlesen.

Der PRINZ ESC Blog hat die NDR Roadshow intensiv begleitet, daher konzentrieren wir diesen „Bericht aus Köln“ auf Besonderheiten und Neuigkeiten.

Wer neu in das Thema einsteigt und einen vollständigen Überblick über alle Infos, die der NDR bislang preisgegeben hat, erhalten möchte, dem empfehlen wir (vorher) zur Lektüre in dieser Reihenfolge:

PRINZ-Blog-Interview zum deutschen Vorentscheid 2018 mit Thomas Schreiber

NDR-Roadshow in Frankfurt: Die Neue Nationale Aufgabe – Reportage von BennyBenny

NDR-Roadshow in Berlin: Aufbruchstimmung über den Dächern der Hauptstadt – Reportage von Salman

NDR-Roadshow in Hamburg: Der lange Weg zu fünf Finalisten – Reportage von Peter

Pünktlich um 16.15 Uhr, direkt nach der ECG-Mitgliederversammlung, begann der NDR VE Gig mit einer MAZ, in der der mehrstufige Auswahlprozess der (voraussichtlich) fünf VE TV Finalisten unter Einbindung eines 100-köpfigen „Eurovision-Panels“ (das ist das ehemalige Europa-Panel) und einer etwa 20-köpfigen internationalen Fachjury noch einmal step by step didaktisch ausgefeilt erläutert wurde.

Anders als bei den Roadshow-Terminen startete nach der MAZ sofort die Fragerunde. Zu Beginn der einstündigen Session waren etwa 80 Fans im Saal, gegen Ende etwa doppelt so viel.

Die Eurovision-Panel-Mitgliederinnen und -Mitglieder (darunter viele PRINZ Blog Leser) sind nunmehr vollständig rekrutiert und werden vom NDR-Dienstleister Simon Kucher und Partner in der letzten Novemberwoche in vier deutschen Städten (Bonn, Hamburg, Köln, München) zusammengerufen, um aus exakt 211 (von einer Musikexperten-Jury) vorselektierten Vorschlägen (etwa einminütige Videoclips) 20 Vor-Finalisten auszusuchen, die dann in ein mehrtägiges ESC „Bootcamp“, was jetzt offiziell „Traningslager“ heißt, eingeladen werden.

Die Auswahl der fünf Finalisten für die Show soll auch noch vor Weihnachten abgeschlossen werden, auch hierzu ist das rein deutsch besetzte Eurovision-Panel (ohne Angabe von konkreten Terminen) bereits eingeladen. Wer tagesaktuell der bisherigen Diskussion der Panelisten untereinander folgen möchte, dem sei die Kommentarspalte unter diesem Roadshow-Beitrag empfohlen.

Das Portfolio der 211 Vorschläge für das Eurovisionspanel ist bunt gemischt, es sind einige („wenige“ – Originalton Thomas Schreiber) prominente Namen darunter (auch Ralph Siegel ist mit einem Titel dabei) und dem Gremium werden auch Interpreten vorgeschlagen, die sich nicht selbst beworben haben. Es gibt sogar Künstler, die noch gar nicht wissen, dass Sie in den 211 Vorschlägen inkludiert sind. Für den Fall, dass diese ausgewählt werden, dann aber gar nicht antreten wollen, würden entsprechend 16, 17, 18 etc. statt 20 Acts in das Trainingslager einziehen.

Der 4. Dezember 2017 ist der Stichtag, an dem SKP die 20 Bootcamp-Aspiranten dem NDR vorstellt. Bewerber, die polarisieren, haben größere Chancen als andere mit durchschnittlich guten Bewertungen ohne positive Ausschläge nach oben.

An den Bootcamp-Tagen sollen für jeden Finalshow-Bewerber dann „Setcards“ (Steckbriefe) und etwa dreiminütige „vergleichbare“ Videos produziert werden, ein Producer, aber auch ein Vocalcoach und ein Choreograph/eine Choregraphin (Nikeata Thompson????) werden den Produktionsprozess begleiten. Das Trainingslager wird – so war es herauszuhören – voraussichtlich in Köln stattfinden und etwa fünf Tage dauern.

Zum Voting-Zuge kommt nach dieser Phase, wenn die Clips vorliegen (wie berichtet), erstmals die internationale Jury, die zu drei Vierteln bereits besetzt ist. Christoph Pellander berichtet von 15 Zusagen von 20 internationalen Juroren, die angeschrieben wurden (btw, eine sensationelle Response-Quote). Aus Deutschland ist darüber hinaus voraussichtlich auch ein ehemaliges männliches Jurymitglied dabei.

Das Eurovision-Panel und die internationale Jury entscheiden 50:50 über die Liveshow-Interpreten. Thomas Schreiber wollte sich auf die Anzahl von fünf noch nicht abschließend festlegen, es könnten auch sechs werden.

Mit der größten Intensität und Leidenschaft kam aus dem Fan-Forum zu diesem Themenkomplex mehrfach die Frage, ob der Prozess nicht (zu) stark auf die Interpretenauswahl fokussiert, wiewohl doch der Song das entscheidende Momentum ist?

In dieser Antwort auf diese Frage waren die meisten neuen Informationen enthalten. Denn es wird eine „Publishing Task Force“ geben, die von Lars Ingversen, Managing Director von California Sunset Records (mehr Infos hier), gebrieft wird. Er wird einerseits für die Vergleichbarkeit der 20 Bewerberclips Sorge tragen und andererseits den Prozess mit den beteiligten Musikverlegern steuern, die da sind:

Benjamin Budde,  Geschäftsführer und A&R Chef bei Budde Music

Benny ist ein erfolgreicher Berliner „Jungunternehmer“ in zweiter Generation (auch) mit Eye Candy Qualitäten – er ist unter anderem Mastermind des Erfolgs von Alvaro Soler, sein Vater hat Alphaville „big in Japan“ und auch sonst auf der ganzen Welt gemacht.

Sina Warschaffe, Head of A&R BMG Rights Management

In einer Presseinfo lobt BMG Sina für ihre Arbeit mit Künstler wie Dat Adam, Niila, Teesy, Pohlmann, Adesse, Jonas Monar und mit Autoren wie Crada (Bibi Bourelly, Drake), Alex Freund (Silly), Joe Walter (Felix Jaehn, Yvonne Catterfeld), Sera Finale (Udo Lindenberg, Sido), Beatgees (Tim Bendzko, Namika), Fabian Römer (Namika) und Jasmin Shakeri (Andreas Bourani), die sie für BMG unter Vertrag nahm.

Alexander Schedler, Head A&R, Schedler Musikverlag

Alex ist ebenfalls Juniorchef in einem Familienunternehmen – einem mit Hauptsitz in Österreich. Schedler Music vertritt unter anderem Künstler wie Glasperlenspiel, Wincent Weiss, Silbermond, Beatrice Egli, voxxclub und – Achtung ESC Alarm! – Francine Jordi, aber auch eine große Bandbreite von Songwritern, darunter – nochmal ESC plus Eye Candy Alarm! – Lukas Plöchl.

Maximilian Paproth, Head of A&R bei Sony ATV

Max hat witzigerweise seine beruflichen Roots ebenfalls bei Bennys Vater Rolf Budde, wo er bereits den Tätigkeitsschwerpunkt A&R hatte. Seine Aufnahme in die A-List der Branche gelang ihm (seit) 2013 bei SONY, ihm werden unter anderem. maßgebliche Anteile an der Erfolgsgeschichte von „Milky Chance“ zugeschrieben.

Die beteiligten Musikverleger stehen für eine große Bandbreite und Kreativität und für Credibility genauso wie für Fingerspitzengefühl für moderne Trends und sie sollen – beginnend mit dem Trainingslager „integraler Bestandteil des Verfahrens“ (Thomas Schreiber) werden, vor allem aber ihr Gespür entfalten, wenn es darum geht, für die fünf bis sechs Finalisten den jeweils passenden Song für die Liveshow zu finden. Wobei unverändert gilt, dass unter den 211 Vor-Vor-Finalisten auch etliche mit eigenen Songwriter-Qualitäten sind und es vorstellbar ist, dass Finalisten mit eigenen Kompositionen ins Rennen gehen.

Im Vorentscheid wird jeder der Acts mit EINEM Song antreten und Thomas Schreiber hat sich auch festgelegt, dass es EINE (und nicht mehrere) Shows in der ARD Primetime geben wird, aller Voraussicht nach Ende Februar 2018. Weitere Infos zur Liveshow soll es geben, wenn das Produzententeam feststeht, was laut eurovision.de „in Kürze“ der Fall ist. Die Show wird in Köln oder Berlin stattfinden, „weil das die beiden Orte sind, wo die notwendigen Fernsehstudios mit entsprechender Ausstattung vorhanden sind,“ wie Thomas Schreiber den PRINZ Bloggern vor Ort erläuterte.

Braucht der NDR nicht große Namen für die Einschaltquote, haben wir außerdem gefragt. Thomas Schreiber: „Für das Zuschauerinteresse über den Kreis der Hardcore Fans hinaus brauche ich erstmal eine grundsätzliche Begeisterung für den ESC.“

Der Vollständigkeit halber sei ergänzend berichtet, dass weitere Themen der ECG Fragestunde die steigende Ticketpreise bei gleichzeitig rückläufiger Priorisierung der Nachfrage der Fanclubs durch die EBU waren sowie die Frage, was (an Promotion in ganz Europa und vor Ort in Lissabon) notwendig ist, WENN der deutsche Song für Portugal 2018 gefunden ist.

Zur Ticketkontingentierung wußte ECG Präsident Michael Sonneck zu berichten, dass es für Lissabon 5.000 Anfragen von den Fanclubs gab. Die Veranstalter überlassen  OGAE International aber nur 1.500 Ticketpakete (für sechs Shows), zusätzlich erhält der portugiesische Fanclub 200 weitere. Das heißt für die europäische OGAE Gesamtnachfrage stehen nur 1.500 Ticketbundles zur Verfügung, weshalb nicht einmal ein Drittel der Nachfrage bedient werden kann. Die meisten Fanclubs wie auch der ECG verlosen die Fanpackage-Kaufoptionen (nicht öffentlicht).

ECG-Chef Michael Sonneck (Mitte) zwischen Christoph Pellander und Thomas Schreiber.

Zur Frage der Popularisierung des deutschen Songs 2018 in Deutschland und im Ausland schickte Thomas Schreiber voraus, dass sämtliche Maßnahmen zum gewählten Künstler passen müssen, aber dass man aber „mit Sicherheit“ plane, Promotermine wahrzunehmen und auch Aktivitäten im Ausland, die darüber hinaus gehen, entfachen wolle. Christoph Pellander ergänzte dazu, wie wichtig die Tage vor dem Finale vor Ort in Lissabon selbst seinen. „Die ESC Mühle muss jeden Tag gefüttert werden. Wir müssen Geschichten rund um unsere Künstler bauen und die positive Energie nach draußen tragen.“

Abschließen möchten wir mit dem größten Lacher der Fragestunde, als Thomas Schreiber zu großen Namen, die in Bezug auf eine ESC Teilnahme immer wieder spekulativ im Gespräch sind, sagte: „Bitte glauben Sie mir: Rammstein und Helene Fischer stehen nicht zur Verfügung.“

Die Gaststars des ECG-Clubtreffens 2017: Sunstroke Project, Anne Marie David, Brendan Murray, Nicole und Norma John.

Weitere Reportagen zum ESC Clubtreffen folgen, unter anderem ein Konzertbericht von Salman, ein Interview mit Nicole von Marc und ein Partybilderbuch von Peter. Als kleine „Sneak Preview“ gibt es hier schon einmal das All Artists Bühnenabschlussbild.