NDR-Roadshow: Aufbruchstimmung über den Dächern von Berlin

Gestern Abend fand in Berlin der dritte Termin der NDR-Roadshow zur deutschen Vorentscheidung 2018 statt. Dabei wurde in sehr angenehmer Atmosphäre das neue Konzept vorgestellt und einiges aus dem Nähkästchen der neueren deutschen ESC Geschichte geplaudert. Es wurde wiedermal deutlich, dass der NDR die Aufgabe einen erfolgreichen Beitrag für 2018 zu finden sehr ernst nimmt, aber auch noch jede Menge Fragen offen sind.

Ca. 40-50 Besucher hatten sich in der rbb Dachlounge über den Dächern von Berlin eingefunden, um mehr über den deutschen Vorentscheid 2018 zu erfahren. Darunter waren auch viele Personen, die in der sehr aktiven Berliner ESC-Fanszene bisher nicht bekannt sind. Die Location war vom NDR perfekt ausgesucht. Das angenehme Ambiente lockerte die Atmosphäre auf und erlaubte einen regen Austausch.

Zu Beginn wurde wie in München und in Frankfurt das Grundkonzept von Thomas Schreiber, Christoph Pellander (neuer Head of Delegation) und Daniel Korany (Simon- Kucher & Partners) vorgestellt. Darüber haben wir schon ausführlich berichtet. Auch merkte man, dass sich der NDR mit dem Feedback der bisherigen Termine intensiv auseinandersetzt. Herr Schreiber räumte ein, dass der Begriff „Europa-Panel“ vielleicht nicht ganz optimal gewählt ist, da es nur deutsche Zuschauer enthält und eine andere Bezeichnung wie „Eurovision-Panel“ eventuell eindeutiger wäre. Auch ist die endgültige Zahl von 5 Teilnehmern bei der VE-Show noch nicht in Stein gemeißelt. Sollte es letztendlich mehr Sinn machen den einen oder anderen Teilnehmer mehr teilnehmen zu lassen ist man dafür noch offen. Über Termin und Ort der Show gibt es immernoch keine genaueren Informationen. Es wird aber wie in Frankfurt schon verkündet sehr viel bei der Vorentscheidung schon auf Lissabon abgestimmt sein (Bühne, Beleuchtung etc).

Richtig interessant wurde es, als Herr Schreiber beim Beantworten der Zuschauerfragen etwas aus dem Nähkästchen plauderte. Er erzählte, dass er dieses Jahr für Levina gerne einen anderen Song (Stil Lana del Rey) in die deutsche VE mit reingenommen hätte, aber dann vom Team überstimmt wurde und man sich letztendlich für „Perfect Life“ und „Wildfire“ entschieden hat. Nachdem „Perfect Life“ gewonnen hat wurde alles mögliche versucht das Lied noch zu optimieren und einen Höhepunkt einzubauen, doch leider haben die Komponisten nicht zugestimmt. Zudem wurde als Bühnenbackground ein edles Silber versprochen und am Schluss kam es eher grau rüber. Mit Levina hat der NDR aber trotzdem nach wie vor Kontakt und hält sie für eine ausgezeichnete Künstlerin.

Der Kritik, dass der Song vom Künstler selbst kommen sollte, konnte Herr Schreiber nicht ganz zustimmen. Auch der im Publikum anwesende Musikverleger Lars Ingwersen bestätigte, dass Songwriter oft die Gabe haben einen „Maßanzug“ für den Künstler entsprechend ihrer Fähigkeiten anzufertigen. Schließlich schreiben in der Regel auch Weltstars ihre Songs meistens nicht selbst.

Herr Schreiber bedauerte wiederum, dass man das Konzept des „Bundesvision Song Contests“ vom Rechteinhaber nicht als deutsche Vorentscheidung erwerben konnte. Auch gab es schon Anstrengungen mit „Dein Song“ vom Kika zu kooperieren, um eine erstmalige Teilnahme von Deutschland beim Junior Eurovision zu ermöglichen. Bisher kam man aber hier nicht zu einer Einigung.

Man wird nach wie vor versuchen auch bekannte Künstler für den deutschen Vorentscheid 2018 zu gewinnen. Gerade wenn sie beim „Europa/Eurovision-Panel“ gut abschneiden sollten könnte dies ein zusätzliches Argument sein sie zu überzeugen. Aber selbst wenn es „nur“ Newcomer sein sollten kann man damit eine hochqualitative Show mit großem Zuschauerinteresse schaffen. Dies bestätigte auch Herr Kurany von Simon-Kucher & Partners.

Insgesamt muss man sagen, dass der NDR sich viele Gedanken macht und die Aufgabe sehr ernst nimmt. Auch die Roadshow Initiative ist sehr positiv zu werten, denn gerade durch den Austausch kann das Konzept weiter ausgereift und Inspirationen der ESC Fans aufgenommen werden. Knackpunkt wird aber letztendlich das Lied bleiben. Denn an den Künstlern lag es in letzten Jahren am Wenigstens. Herr Schreiber versprach, dass am Schluss in der Show eine große Bandbreite angeboten wird und man „Weg vom Mainstream“ sich wagen wird, um auch aufzufallen und nicht wie in den letzten Jahren trotz einem passablen Beitrag unterzugehen. Das macht auf jeden Fall Hoffnung!

P.S. Wer noch dabeisein möchte, der letzte Roadshow Termin ist am 13.11 in Hamburg.