OGAE Song Contest 2013: Musikalisch auf Augenhöhe mit dem richtigen ESC

Olly-Murs1

Olly Murs (Foto) ist dabei, Lara Fabian, Pastora Soler und Helena Paparizou auch. Insgesamt 30 Beiträge sind in diesem Jahr von den nationalen Fanclubs für den OGAE Song Contest ins Rennen geschickt worden. Eine Auswahl, die sich nicht nur gut liest, sondern auch richtig gut anhört. Bleibt nur eine Frage: Wer sind Christian Franke & Edward Simoni?

Olly Murs bei einem Eurovision-Wettbewerb? Ist das Vereinigte Königreich endlich wieder bei Trost und schickt nicht mehr nur Has-Beens, sondern richtig angesagte Weltstars? Nicht ganz. Denn leider handelt es sich nicht um den Eurovision Song Contest, sondern (nur) um den OGAE Song Contest.

Dieser wird seit 1986 ausgetragen. Deutschland konnte sich gleich beim ersten Mal durchsetzen: Juliane WerdingsStimmen im Wind“ siegte über die vier Konkurrenzbeiträge. Zwei Jahre später erreichte Mary Roos mit „Explosion“ ebenfalls den 1. Platz, damals sogar bei insgesamt zehn Teilnehmern. Seitdem sieht sah es nicht mehr besonders gut für die deutschen Beiträge bei diesem Wettbewerb aus.

Leider ist davon auszugehen, dass das auch beim diesjährigen Durchgang wieder so sein wird. 47 deutschsprachige Titel wurden im Rahmen der deutschen Vorauswahl beim Fanclub EC Germany eingereicht. Am Ende lösten Christian Franke & Edward Simoni mit ihrem Song „Ein neuer Ozean das deutsche Ticket für den OGAE Song Contest 2013 – vergleichsweise deutlich vor den Zweitplatzierten, Silbermond mit „Ja„.

Ein neuer Ozean Franke Simoni

Dass das Lied in Deutschland weitgehend unbekannt ist (hier kann man es hören), muss kein schlechtes Omen für das Abschneiden sein. Denn in den letzten Jahren war es eher so, dass sich Deutschland mit nationalen (Radio-)Hits wie „Für Dich“ (Yvonne Catterfeld, 2004, 15. Platz), „Perfekte Welle“ (Juli, 2005, 22. Platz) oder „So soll es bleiben“ (Ich+Ich, 2008, 18. Platz) meist nur im letzten Drittel platzieren konnte, während Cliff & Rexona 1997 mit „Zug nach Osnabrück“ immerhin 10. wurden und Jay Khan 2011 mit „Nackt“ sogar Siebter. Möglicherweise war für das gute Abschneiden von Letzterem aber auch das Video ausschlaggebend.

Jay Khan – Nackt

In jedem Fall ist die Konkurrenz für das deutsche Duo in diesem Jahr quasi unbezwingbar. Bereits die ersten drei Beiträge legen die Latte sehr hoch: Petra Marklund mit ihrem in ihrer schwedischen Heimat omnipräsenten Superhit „Händerna mot himlen„, der Brite Olly Murs mit seinem aktuellen Hit „Dear Darlin‘“ und dann die armenische ESC-Diva Sirusho mit „PreGromesh„.

Ganz so hochkarätig geht’s nicht weiter. Aber es folgen noch etliche Grand-Prix-Größen sowie viele nationale Stars und Casting-Sternchen. Musikalisch ist bis auf härtere Rocknummern auch das Meiste dabei. Im positiven Sinne all das, was das Herz eines ESC-Fans höher schlagen lässt. Aber auch objektiv ist es eine bunte Mischung von Titeln, die zeigt, wie viel musikalisches Talent in Europa existiert und die dem richtigen ESC in nichts nachsteht. Viele Lieder würde man am liebsten sofort herunterladen.

Schnelldurchlauf OGAE Song Contest 2013

So erfüllt der OGAE Song Contest 2013 seine (vermutlich) ihm ursprünglich zugedachte Aufgaben ganz hervorragend: Die ESC-Off-Season füllen, neuen musikalischen Input geben, Abstimmen können.

Gleichzeitig fragt man sich, warum der deutsche Vorentscheid, der jedes Jahr mit viel Aufwand und sehr korrekt durchgeführt wird, nur so wenige Teilnehmer involviert bzw. ein qualitativ eher mittelmäßiges Starterfeld hervorbringt. Zwar sehen die Regeln vor, dass nur Lieder, die in (einer) der Amtssprache(n) des Landes gesungen sind, eingereicht werden dürfen. Bei dem Blick auf die 47 Beiträge fragt man sich aber wirklich, ob der deutsche Musikmarkt wirklich nicht mehr hergibt und warum manche Hits beim Voting so schlecht abschneiden.

Eine These sei an dieser Stelle gewagt: Es gibt mittlerweile (zu) viele Musikwettbewerbe mit ESC-Bezug, mit denen die ESC-Off-Season gefüllt und neuer musikalischer Input geholt wird und bei denen abgestimmt werden kann. Neben den drei offiziellen (OGAE Second Chance Contest, OGAE Song Contest und Members‘ Favorite (ECG) bzw. Member Song Contest (OGAE Germany) haben die regionalen Gruppen eigene Wettbewerbe etabliert: Kürzlich wurde in Frankfurt der erste GRAND PRIX SUR LE MAIN etabliert, der dem Hamburger HANSE GRAND PRIX ähnelt (hier die letzte Austragung). In der Hansestadt selbst gibt’s aber auch noch den Hamburger Member Song Contest (mehr dazu hier) u.s.w. u.s.f.. Und dann ist da noch das Internet, in dem auch über Musik diskutiert und diese ständig bewertet werden kann.

Grand Prix sur le MainMöglicherweise hat dieses Überangebot dazu beigetragen, dass das Interesse an den einzelnen Wettbewerben sinkt – und dass vor allem jüngere Fans u. a. wegen der Unübersichtlichkeit gar nicht erst zu ihnen finden. Das wäre schade, zum einen wegen der ganzen Organisationsarbeit, die die Wettbewerbe erfordern (und weshalb einige der Fanclubs etwa den Second Chance Contest auch schon mal hinten über fallen lassen). Zum anderen aber auch, weil beim diesjährigen OGAE Song Contest einfach ein paar tolle Titel dabei sind, die man sonst verpassen würde.