Ohne Polen geht es nach Baku

05 polen magdalena tul probe Auf Facebook kursierte die Nachricht schon seit ein paar Tagen. Nun kam die offizielle Bestätigung durch den nationalen Sender TVP: Polen wird nicht am 57. Eurovision Song Contest 2012 teilnehmen.

Noch ist das komplette Teilnehmerfeld für Aserbaidschan nicht bekannt. Aber durch die Absage Polens verzichtet zum ersten Mal eine große Nation aus Kostengründen auf die Teilnahme. Der Fernsehsender TVP führt das verstärkte Engagement bei den 30. Olympischen Sommerspielen in London und die Gastgeberrolle im Rahmen der 14. Fußball-Europameisterschaft als Gründe für den Verzicht an.

In den vergangenen Jahren waren eher kleinere Länder wie Andorra, San Marino und Montenegro aus finanziellen Gründen gezwungen, dem Eurovision Song Contest eine Absage zu erteilen.

Mit der erst vor kurzem bekannt gewordenen Zusage Montenegros stieg die Hoffnung, die Teilnehmerrekorde von 2008 Belgrad und 2011 Düsseldorf mit 43 partizipierenden Ländern in Aserbaidschan brechen zu können.

Ob allein das Geld den Grund für den Rückzug Polens lieferte, lässt sich nicht klar erkennen. Fest steht, daß die Polen sich sehr enttäuscht über das Abschneiden ihrer diesjährigen Sängerin Magdalena Tul zeigten. Ihr Lied „Jestem“ erreichte von Startnr. 1 im ersten Halbfinale von Düsseldorf nur den letzten und 19.Platz mit 18 Punkten.

Magdalena Tul „Jestem“ 2011

Dabei begann die polnische Grand Prix Geschichte 1994 sehr erfolgsversprechend. Beim Debüt errang Edyta Górniak mit „To nie ja“ 166 Punkte auf Platz 2. Bis 2004 war dieses Ergebnis das beste Abschneiden eines Newcomers im Wettbewerb.

Edyta Górniak „To nie ja“ 1994

Doch die weiteren 14 Teilnahmen ließen das Land nur noch einmal die Luft der ersten Zehn schnuppern, auch wenn manche polnischen Einsendungen wahre Perlen in der Eurovision-Geschichte darstellen. Insbesondere Justyna Steczkowska mit „Sama“ (1995 15 Punkte auf Platz 18) und Kasia Kowalska mit „Chcę znać swój grzech“ (1996 31 Punkte auf Platz 15) präsentierten Europa eine ganz neue Klangkunst.

Kasia Kowalska „Chcę znać swój grzech“ 1996 mit niederländischem Kommentar von Willem van Beusekom

Mit der Einführung der Halbfinals 2004 gelang es den Polen nur noch 2008 einmal ins Finale des Concours vorzustoßen. Die konstanten Mißerfolge ließen sicherlich die Entscheidung der Nichtteilnahme am Eurovision Song Contest 2012 in Baku leichter fallen.

Im Gegensatz zu den Absagen Andorras, das sich gänzlich aus der Eurovision ausklinken will, und Monacos, das erst mal auf unabsehbare Zeit nicht zurückkehren möchte, lässt Polen eine Entscheidung für 2013 noch offen.

Wir wollen hoffen, daß unsere östlichen Nachbarn 2013 nach überstandenen sportlichen Höchstleistungen wieder die Sangeskunst für sich entdecken und in die Grand Prix-Familie zurückkehren.

Justyna Steczkowska „Sama“ 1995