Österreich rockt den Song Contest: Bärtige Transe oder Treckerfahrer-Popos?

Krönt Wien am Freitagabend eine neue Kaiserin für den Eurovision Song Contest? In jedem Fall geht es in der österreichischen ESC-Vorentscheidung um die Wurst. Und zwar buchstäblich: Glamour-Transe Conchita Wurst gilt bei den Buchmachen als klare Favoritin, könnte aber von zwei kräftigen Bauernburschen abgefangen werden, falls diese nicht mit ihren körperlichen Reizen geizen.

Wer glaubt, dass die lettische Vorentscheidung mit zahlreichen Spaßbeiträgen wie der singenden Geburtstagstorte bereits ein optischer Höhepunkt der diesjährigen ESC-Vorentscheidungssaison war, wird morgen wohl eines Besseren belehrt. Österreich, nach vierjähriger Abstinenz im letzten Jahr mit Nadine Beiler und einer starken Ballade  in den Schoß der ESC-Gemeinde zurückgekehrt, schickt sich an, zum ersten Mal seit Alf Poier 2003 mit einem außergewöhnlichen Beitrag wieder ESC-Geschichte zu schreiben.

Als Favoritin der zehn durch eine Radio-Vorrunde über den Sender Ö3 ausgewählten Finalisten bei „Österreich rockt den Song Contest“ gilt seit Wochen Conchita Wurst. Die Transe mit Vollbart verfügt unzweifelhaft über Charisma, Präsenz und Stimme und belegte hinter Nadine Beiler 2006 den zweiten Platz bei der Castingshow „Starmania“ – damals allerdings noch als schmalbrüstiges Bübchen namens Tom Neuwirth.

Die Kunstfigur Conchita Wurst macht da schon optisch mehr her, zumal wenn sie in großer Robe den Opernball heimsucht. Das war sogar der deutschen Bild-Ausgabe ein großes Foto auf der People-Seite wert. Conchita geht mit einem ihr auf den Leib geschriebenen Titel, der sich nicht von ungefähr an das Werk von Gloria Gaynor anlehnt, ins Rennen: „That‘s what I am“ soll wohl an die weltweite Gay-Hymne „I am what I am“ anknüpfen.

Und anders als etwa bei der Transen-Invasion in Spaniens skandalumwitterter Internet-Vorentscheidung zu „Destino Oslo“ vor zwei Jahren (siehe hierzu „Angriff der Party-Transen„) hat die rassige Conchita beste Chancen an den Erfolg von ESC-Künstlerinnen wie Verka Serduchka anzuknüpfen (hier geht es zu unserer Trans Top Thirteen: die besten Transacts beim Eurovision Song Contest).

In einer offiziellen Presseerklärung des ORF erklärte Frau Wurst, der Eurovision Song Contest sei für sie „ein magischer Event – vor allem weil Celine Dion 1988, im Jahr, in dem ich im kolumbianischen Hochland aus dem Ei geschlüpft bin, mit ‚Ne partez pas sans moi‘ gewonnen hat. Ich finde es einfach schön, wenn so viele verschiedene Nationen ihr Land durch Musik repräsentieren, und möchte meine Message ‚gelebte Toleranz und Akzeptanz‘ nach Europa tragen.“

 

Bei den Buchmachern von William Hill gilt La Wurst mit einer Quote von 1 zu 2 als Favoritin vor den beiden Bauernburschen von Trackshittaz, die im letzten Jahr mit einem wilden Mundarttitel hinter Nadine Beiler Zweite im Vorentscheid wurden und dabei mit dem Traktor auf die Bühne fuhren. Trackshittaz (Quote 7 zu 1) haben offenbar mittlerweile einiges über das ESC-Publikum dazugelernt und gehen diesmal mit dem Titel „Woki mit Deim Popo“ ins Rennen. Inwieweit sie, nachdem sie im letzten Jahr kräftige Waden entblößten, nun auch ihre mehr oder weniger sehenswerten Kehrseiten ins Rennen um das Ticket nach Baku werfen, wissen wir morgen abend.

Alles scheint auf ein Duell zwischen der Glamour-Transe und den singenden Treckerfahrer-Popos hinauszulaufen. Dabei hat auch ein deutscher Künstler seine Karten mit im Wiener Ausscheidungs-Spiel. Der Berliner Rapper Sido hat im Rahmen seiner Casting-Doku „Blockstars“ die Band 3punkt5 präsentiert, die er nun ins österreichische Finale schickt.

„Drei Burschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen und ein Mädchen haben nun nicht nur die Chance auf ein besseres Leben, sondern auch auf einen Trip nach Baku“, heißt es dazu beim Radiosender Ö3. Die Kurzlebensläufe enthalten dann folgerichtig auch Hinweise auf Bewährungsstrafen, fehlende Aufenthaltsgenehmigungen und Arbeitslosigkeit. Sidos Truppe sehen die Buchmacher bei William Hill auf dem dritten Rang (Quote 8 zu 1).

Ein Hauch DSDS-Casting in Wien? Angesichts der schillernden Konkurrenz, zu der mit „Krautschädl“ eine weitere Mundart-Combo zählt, schadet das sicher nicht. Wir dürfen in jedem Fall eine der unterhaltsamsten Vorentscheidungen der ESC-Saison 2012 erwarten, zumal sich auch die ehemaligen ESC-Teilnehmer Marianne Mendt, Petra Frey, Eric Papilaya und Nadine Beiler angekündigt haben.

Das komplette Starterfeld für die von Mirjam Weichselbraun, Robert Kratky und Andi Knoll moderierte ORF-Show am Freitag, 20.15 Uhr (ORF 1, Livestream über eurovision.tv und hier):

             James Cottriall – Stand Up
             !DelaDap – Crazy Swing
             Krautschädl – Einsturzgefohr
             Mary Broadcast Band – How Can You Ask Me?
             Papermoon -Vater, Father, Mon Père
             Norbert Schneider – Medicate My Blues Away
             Trackshittaz -Woki mit deim Popo
             Valerie – Comme ca
             Conchita Wurst – That’s What I Am
             3plus5 – Augenblick

Mehr Infos zu den ESC-Kandidaten aus der Alpenrepublik und die Songs zum Anhören hier beim ORF. Und das sind die Quoten von William Hill am Donnerstrag nachmittag, knapp 24 Stunden vor Start der Show (Draufklicken vergrößert Tabelle):

PRINZ bloggt am Freitag abend ab 20 Uhr LIVE. Stay tuned.