Peinlicher Fehler: Falsche „Stay“-Version auf offizieller Eurovision-CD

Hübsch gestaltet ist die diesjährige Eurovision-Compilation (Foto). Nur leider ist sie fehlerhaft: Anstatt der Single-Version des norwegischen Beitrags ist offenbar die Singback-Fassung auf die CD gepresst worden – und das vermutlich weltweit. Wer ist verantwortlich? Was bedeutet das für Tooji, den Sänger von Stay, und was für die Käufer der fehlerhaften CD?

Der Fehler ist unserem Leser Andreas zuerst aufgefallen. Unseren ESC-Songcheck zu Stay kommentierte er am Sonnabend folgendermaßen: „Und zwar ist das hier oben genannte Lied (Stay, Anm. d. Red.) in einer “Singback Version” oder auch Karaoke Version auf der CD gelandet. Man hört es deutlich da man eben sehr schwach nur die eigentliche Stimme des Sängers hört, und ausserdem gegen Ende fehlt ein ganzer Gesangspart.“

Aufgrund des Hinweises verglichen wir die Stay-Version auf der offiziellen Eurovision-CD mit der vom norwegischen Vorentscheid. Und tatsächlich: Die Fassungen unterscheiden sich so, dass angenommen werden muss, dass die Singback-Version aus Versehen auf die offizielle CD gekommen ist.

Bisher liegen weder vom Label Universal noch von der EBU hierzu Stellungnahmen vor. Auf escforums.com wird eine unbekannte Quelle mit folgenden Worten zitiert: „We don’t know much yet but Peter Boström (einer der beiden Songschreiber, Anm. d. Red.) has confirmed that it is wrong version on the CD. The version of this digital publication is a singback version. What happens now is unclear.“

Dieser Fehler ist nicht nur ärgerlich, seine Folgen können weitreichend sein – und im Zweifel teuer werden.

Nachdem in den letzten beiden Jahren EMI für die offizielle Eurovision-CD verantwortlich gezeichnet hat, ist in diesem Jahr Universal an der Reihe. Dennoch muss hier nicht der Schuldige sitzen, so es überhaupt den einen Schuldigen gibt. Denn Herausgeber der CD ist die EBU. Zwischen ihr und dem Label gibt es  – wie es aus gut unterrichteten Kreise heißt es – unendlich viele Abstimmungsrunden, damit solche Fehler vermieden werden.

Eine erste Frage ist nun, was dieser Fehler für Tooji bedeutet. Sein Lied ist in einer weniger kraftvolleren Version im Umlauf als die Titel seiner Konkurrenten. Das kann die Einschätzung des Songs durch die CD-Käufer und damit möglicherweise seinen Erfolg in Baku beeinträchtigen. Gleichzeitig darf man die Anzahl der vor dem Eurovision Song Contest verkauften CDs nicht überschätzen. In Fachkreisen geht man etwa davon aus, dass in Deutschland derzeit 30-40.000 Exemplare an den Handel gegeben wurden. Dazu kommen die Download-Portale. In Relation zu möglichen 7 Mio. Zuschauern des Finales allein in Deutschland ist der Anteil natürlich verschwindend gering.

Bleibt die wirtschaftliche Frage: In der Branche wird vermutet, dass Universal die CD zentral für Europa hat produzieren lassen. Damit wäre in allen teilnehmenden Ländern und natürlich darüber hinaus die fehlerhafte CD in den Geschäften. Das dürften jetzt bereits deutlich über 100.000 Exemplare sein.

Personen, die bereits die CD gekauft haben, können diese nicht einfach umtauschen, da es ja zum derzeitigen Zeitpunkt keine „richtige“ CD gibt. Es müsste also neu produziert werden. Ob dann ein Umtauschrecht eingeräumt wird, bleibt abzuwarten. Als Konsument würde man das erwarten, schließlich wurde ein fehlerhaftes Produkt verkauft. Andererseits würde das für Universal erhebliche Kosten bedeuten. Wenn der Fehler nicht bei ihnen liegt, werden sie sich darauf sicher nicht einlassen.

Am einfachsten wäre es sicher für die Download-Portale. Diese können einfach die falsche Titel-Version gegen die richtige austauschen. Außerdem könnten sie den Konsumenten, die die Lieder bereits heruntergeladen haben, anbieten, kostenlos die korrekte Fassung von Stay zu downloaden. Möglicherweise könnte so ein Kompromiss auch für die CD-Käufer aussehen.

Vorerst harren wir jedoch den Stellungnahmen von EBU und Universal. Und die sollten kommen. Gerade bei diesem Wettbewerb, bei dem sonst immer penibelst auf Gleichbehandlung geachtet wird. Man mag sich auch gar nicht ausmalen, wie laut der Aufschrei wäre, wenn Armenien in Aserbaidschan dabei und deren Lied betroffen wäre…