Presseumfrage: Schweiz und/oder Österreich – wer kommt ins Finale?


Unsere beiden benachbarten Alpenländer haben geprobt und wir haben sieben Meinungen von ESC-Fanmedien dazu eingeholt. Wer wird sich für das Finale qualifizieren und warum (nicht)?

Da im Pressezentrum – anders als gestern bei Österreich – die Schweizer Probe nur ein einziges Mal (und dann auch noch nicht einmal vollständig) gezeigt wurde, war es schwierig, ein halbes Dutzend Fanjournalisten aufzutreiben, die beide Proben gesehen hatten und zudem zu qualifizierten Äußerungen bereit waren. Hier ist unsere Auswahl:

Maciej Mazański, Journalist, Dobry Wieczór Europo, Polen:
Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass wir Österreich im Finale wiedersehen werden. Nathan hat Charisma, er ist ein toller Sänger, Performer und Mensch. Schon von der ersten Sekunden an fängt er Deine Aufmerksamkeit ein, schafft eine emotionale Verbundenheit und lässt Dich einfach nicht mehr los. Er strahlt so viel echte Lebensfreude aus. Alles ist hier am richtigen Platz. Die Schweiz ist viel schwieriger zu beurteilen, ihr Schickal ist derzeit noch ungewiss, ein Borderline-Fall um Rang 10 herum denke ich. Ich mag das Staging nicht sonderlich, es wirkt etwas kitschig und geschmacklos mit diesen Farben. Aber Mirunas stimmliche Performance war wirklich sehr gut. Das zweite Semi ist allerdings viel besser, als wir erwartet haben, das könnte die Schweiz den sicher geglaubten Finalplatz kosten.

 

Lisa-Jayne Lewis, Freie Journalistin, Großbritannien:
Österreich ist meiner Ansicht nach ein garantierter Qualifikant. Staging, Song, Sänger – hier stimmt alles. Nathan ist sehr liebenswürdig und das kommt mit dieser Inszenierung voll über den Bildschirm rüber. Ich denke, Österreich wird damit sogar TopTen im Finale, da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster. Die Schweiz ist ein interessanter Fall. Sie hatten schon des öfteren gute Songs, die nicht ins Finale kamen. Ich liebe das Kleid, es sieht fantastisch an Miruna aus. Ich weiß, das ist hier eher umstritten, aber ich liebe es. Die Treppe könnte trickreich werden, sie trägt schließlich High Heels, aber das kann man ja üben. Der rumänische Effekt könnte helfen, ich glaube, die Farben des Stagings, ihr Kleid, ihr Haarstil werden im Osten Europas gut ankommen.

 

Hendrik Bolks, Editor, OGAE Niederlande:
Kurz und knapp: Österreich wird es schaffen, die Schweiz nicht. Bei Nathan Trent sieht man sofort, dass er sein Lied genießt, er hat diese tolle Gesichtsmimik. Das Staging ist sehr durchdacht und Nathan setzt es prima um. Alle Erfolgszutaten sind vorhanden, außer der Startposition. Bei der Schweiz hingegen stimmt gar nichts, für mich ist alles falsch. Ich mag die Farben nicht, ich mag den Song nicht, sie ist eine mittelmäßige Sängerin, läuft herum mit geschlossenen Augen und singt an einem pinken Piano. Die Treppe ist lächerlich. Man möchte „Aufhören!“ schreien. Die Schweiz wird Punkte aus Rumänien und Spanien bekommen, aber dabei wird es dann auch bleiben.

 

Robin Scott, Reporter, Belfast 87FM, Nordirland:
Nathan Trent ist einfach unglaublich charismatisch, nichts konnte ihn stoppen. Er hatte ein paar Probleme in der Probe mit seinem Mikrofonpack, aber das spielte letztendlich keine Rolle, er kommt einfach so glücklich rüber. Österreich ist hier zweifellos die große Überraschung. Der Song ist zwar nicht wirklich der beste, aber alle visuellen Effekte stimmen einfach. Das ist perfekt. Er wird sich qualifizieren. Die Schweiz hingegen verwirrt mich, weil ich die Bedeutung von dieser Präsentation nicht verstehe. „Apollo“ ist ein guter Song, aber er verliert hier in der Optik stark.

 

Deban Aderemi, UK-Korrespondent wiwibloggs, Großbritannien:
Nathan verkörpert Freude, Charisma persönliche Stärke und Glück und das kommt wirklich gut über den Bildschirm rüber. Er hat bereits in der Probe stimmlich alles gegeben, als würde das bereits bewertet. In der Probe war noch nicht genug Nebel, um die Illusion perfekt zu machen, aber das wird bestimmt noch korrigiert. Die Elemente des Stagings sprechen alle dafür, dass das ein wirklicher Erfolg werden wird. Zur Schweiz: Timebelle haben bewiesen, dass sie singen können und sie haben eine große Promotour gemacht. Sie haben verstanden, dass es beim ESC nicht nur um die drei Minuten auf der Bühne geht, sondern auch darum, sich vorab eine Fanbase aufzubauen. Miruna trägt gelb, die Jungs sind pink. Anders als Cascada kommt sie mit der Treppe gut zurecht. Ich denke, beide Länder können es ins Finale schaffen, das würde mich nicht überraschen.

 

Martin Schmidtner, Autor, vorwärts, Deutschland: Natürlich Österreich, die Austrahlung, das Charisma, sein Lächeln wird ihn weiterbringen und er hat zwar keinen Klopper, aber doch einen einigermaßen aktuellen Song. Nathan sticht heraus, auch als Mann. Ich würde bei Österreich auch einen kleinen Wetteinsatz machen, dass Nathan weiterkommt. Bei der Schweiz dachte ich bis vor dem Auftritt heute, in diesem Jahr werden sie es endlich wieder mal ins Finale schaffen. Miruna war heute zwar stimmlich im Vergleich zum Schweizer Vorenstcheid sehr viel besser. Aber die Inszenierung hat mich geradezu entsetzt, sieht aus wie aus Malta, billig und altmodisch. Das Video war doch noch so kreativ und modern, aber wen auch immer sie da für die Bühnenshow eingekauft haben, es ist ein Fehlgriff. Da denkt man doch gleich an die Treppe von Cascada. Und dann das Gelb – wir wissen natürlich, das ist eine Modefarbe für den kommenden Sommer – aber mich erinnert es hier negativ an lange zurückliegende südeuropäische Lalalove-Auftritte. Ich sehe schwarz für die Schweiz.

 

Jan Vehar, TV Host & PR Agent, TV Celje, Slowenien:
Ich bin erst heute angekommen und habe Österreich, dessen Lied ich sehr mag, daher noch nicht gesehen. Die Schweiz habe ich aber mitbekommen. Endlich haben die Eidgenossen mal wieder einen Beitrag, der ins Finale kommen kann. Der Revamp von „Apollo“ ist auch gelungen. Die Inszenierung auf der Bühne heute gefällt mir gut. Das einzige, was ich problematisch finde, ist das knallgelbe Kleid. Es passt zwar zur Band und dem Setting, aber wenn die Kamera sich auf die Sängerin konzentriert, finde ich es verwirrend. Mir gefällt aber, dass sie den Slogan „Celebrate Diversity“ so schön verkörpern, der osteuropäische Appeal ist spürbar. Ich wünsche der Schweiz den Einzug ins Finale, das wäre verdient.

 

Wir bedanken uns bei allen Mitwirkenden dieser Umfrage und wünschen sowohl Nathan Trent als auch Timebelle alles Glück für das zweite Semifinale.

Wir haben bereits zu den Erwartungen zu Levinas Bühnenauftritt eine Fanmedienumfrage hier veröffentlicht. Nach der deutschen Probe wird es ein weiteres Stimmungsbild der (Fan-)Medien zum deutschen Beitrag geben. Da Österreich und Deutschland sich mit Marvin Dietmann einen Performance Designer teilen, sind wir guter Hoffnung, dass Levina auf der ESC-Bühne ähnlich überraschen könnte wie Nathan.