Prinz-Eurovisions-Matrix 2012: Wo steckt Roman Lob?

Innovativ oder traditionell? Flott oder balladesk? Wo Roman Lob sich im Prinz-Koordinatensystem des Eurovision Song Contest befindet, zeigt unsere ESC-Matrix. Wie in den vergangenen Jahren haben wir alle 42 Songs einsortiert und schauen uns an, wie sich die Beiträge zueinander verhalten und ob besonders innovative oder tanzbare Songs einen Vorteil in den vergangenen Jahren hatten.   

Mathematisch gesehen handelt es sich natürlich nicht um eine Matrix, sondern um ein Koordinatensystem, in das wir alle 42 Titel des diesjährigen Eurovision Song Contest einsortiert haben. Die Titel des ersten Halbfinales sind in blauer Beschriftung dargestellt, die des zweiten Halbfinales in roter Farbe, die bereits feststehenden Finaltitel in gelber Schrift.

Die x-Achse (also die Position in der Horizontalen) bestimmt sich danach, ob der Titel langsam-balldesk ist, mittleres oder schnelles Tempo aufweist. Die y-Achse (also die Position in der Vertikalen) gibt den Faktor I wieder: eine Mischung aus Innovation, Instant Appeal und Individualität. Insbesondere dieser I-Wert ist natürlich höchst subjektiv – ähnlich wie die (kritischen) Bewertungen im ESC-Check in diesem Blog. Jeder würde diese Darstellung vermutlich anders gestalten.

Und so sieht die Prinz-ESC-Matrix 2012 aus (Klicken vergrößert Darstellung):

Wir erkennen eine ziemlich gleichmäßige Verteilung der Titel mit einer höheren Dichte der Titel im rechten oberen Quadranten (schnell und innovativ). Der deutsche Beitrag „Standing Still“ ist bei uns relativ in der Mitte einsortiert – Midtemposoftrock, der etwas origineller/innovativer als der Durchschnitt ist.

Betrachten wir nur die Titel im ersten Semifinale:

Kaum Balladen, viele mittlere und schnelle Titel und eine große Bandbreite, was das Originalitätsniveau angeht. Innovativster Titel ist für uns „Suus“ von Rona Nishliu aus Albanien, schnellster Track „La la love“ von Ivi Adamou aus Zypern.

Das zweite Semifinale weist im Vergleich deutlich mehr Balladen auf und gilt als innovativer – generell auch als das schwierigere, anspruchsvollere Semifinale:

Hier gestehen wir der Top-Favoritin Loreen mit „Euphoria“ den höchsten I-Faktor zu, Portugal (altbacken) und Bosnien (moderner) sind die langsamsten Titel.

Die sechs bereits feststehendsten Finalisten gruppieren sich relativ zentral mit Nina Zillis „L’amore e femmina“ als flottestem und originellstem Titel.

Und was hat das nun zu sagen? Werfen wir einen Blick auf die Top Ten des Vorjahres (hier geht es zur ESC Matrix 2011).

Fazit: Innovativ sein hilft durchaus für eine Topplatzierung, sieben der zehn Bestplatzierten liegen über dem Innovationsmeridian. Mit der ukrainischen Sandmalerei platzierte sich nur eine echte Ballade aus den Halbfinals in den Top 10 (Italien war direkt qualifiziert und würden wir aus heutiger Sicht wohl ohnehin weiter rechts platzieren).

Interessant unsere Final-Flächen-Farbtafeln: Wer war im Finale (grün eingefärbt) und wer musste nach dem Semifinale nach Hause fahren (rot eingefärbt)?

Für 2011 erkennen wir, dass die Ränder eigentlich ganz gut abgeschnitten haben – außer San Marino qualifizierten sich fast alle Balladen für das Finale, auch eine reichlich traditionelle (Litauens Disney Song von Evelina). Schnelle Songs mit geringem Innovationsgrad (Malta, Armenien, Weißrussland, Mazedonien) blieben indes alle auf der Strecke.

Die rechte obere Ecke (flotte und originelle Titel) ist komplett in grün getaucht, die roten Flächen konzentrieren sich eher in den Mittellagen. Mit einigen Abstrichen ein ganz ähnliches Bild zeigte 2010, das Jahr des Lena-Triumphes:

Auch hier schnitten die Ränder ausnehmend gut ab – Balladen (auch konventionelle) erreichten fast alle das ESC-Finale in Oslo, ebenso wie die flotten und innovativen Titel. Auf 2012 bezogen hieße dies: Je weiter ein Titel weg vom Mittelpunkt einsortiert ist, desto besser sind seine Chancen, sich im Finale wiederzufinden. Für eine Top Ten Platzierung oder für den Sieg genügen diese Spielereien jedoch nicht, um eine auch nur halbwegs valide Aussage zu treffen.

Nochmal: Die Matrix ist eine kleine nette (letztlich natürlich höchst) subjektive Spielerei. Ein Erfolgstitel muss längst nicht immer schnell und innovativ sein. Marija Serivofics “Molitva” war eine Ballade, auch “Believe” von Dima Bilan allerhöchstens Midtempo – aber beide Titel hatten “Instant Appeal”, waren eingängig und sehr innovativ, mithin in der oberen Hälfte der Matrix.

Selbstverständlich kommt es auch in besonderem Maße auf die Live-Performance und die Art der Präsentation an. Dies könnte (für Tüftler) eine nette Aufgabe sein: das Basteln eines dreidimensionalen Models mit einem „Faktor P“ (für Performance) auf der dritten Achse.

> zur Prinz ESC Matrix 2011
> zur Prinz ESC Matrix 2010