Prinz Portuguese Open – Teil 10: Der Interval-Act zum Lesergame-Finale

Traditionsgemäß besteht eine klassische portugiesische Vorentscheidung aus drei Teilen. Der wichtigste Teil war zumeist der Interval-Act, der die meiste Zeit in Anspruch nahm. Hier ging es zumeist um Erinnerungen an portugiesischer Kultur. Sei es das Fernsehn oder die Filmwelt des Landes, die in einem komödiantisch-musicalähnlichen Stil geehrt wurden. Im Lesergame Interval-Act zeigen wir Songs des Festival RTP da Canção, unter anderem von Doce, die es nicht zum Eurovision Song Contest schafften, aber in Portugal eine große Bedeutung haben.

Für den Eurovision Song Contest stehen mittlerweile einige der Intervalacts fest. Die beiden großen Fadista Ana Moura und Mariza werden zum ersten Mal zusammen singen. Zudem tritt der letztjährige Sieger Salvador Sobral zusammen mit dem einflussreichen brasilianischen Sänger Caetano Veloso auf. DJ Branko wird die bunte Vielfalt der Länder vorstellen, in denen portugiesisch gesprochen wird und die Formation Beatbombers untermalt den Einzug der Nationen.

Im Vorfeld zum diesjährigen Eurovision Song Contest bestand eigentlich die Idee, die Historie der portugiesischen Vorentscheidungen hier intensiv zu beleuchten, da es bisher ja keinen internationalen Wettbewerb in dem Land gab. Aber als alle notwendigen Informationen zusammen gestellt waren, begann auch schon die Vorentscheidungssaison und Live Blogs, Songpräsentationen und Song Checks erhielten den Vorrang.

Beim Lesergame habe ich versucht, ein paar Einblicke in die Vorentscheidungen zu geben. Der Interval-Act soll nochmals etwas intensiver ein paar Lieder und Interpreten zur Schau stellen, die in Portugal auf die oder andere Weise eine Bedeutung hatten.

Wie schon gesagt, bestand ein klassischer Festival RTP da Canção aus drei Elementen. Die Vorstellung der Lieder war zumeist der kürzeste Block. Im Mittelteil liess sich dann Portugal und vornehmlich der Sender RTP feiern. Im dritten Teil gab es dann die Punktevergabe, die sogar manchem Blogger einiges abverlangte bei Wertungen aus 22 Distrikten und er bis zum spannendsten Moment eingeschlafen war.

Im Lesergame, das hier nochmals zur Stimmabgabe einlädt, zeigen wir die 16 besten Songs, die das Land nach Lesermeinung bei der Eurovision vertreten haben. Im Interval-Act zeigen wir 14 Künstler, die es nicht oder mit einem anderen Lied zum internationalen Wettbewerb schafften.

1966: Sérgio Borges – Nunca direi adeus 2. Platz

Sérgio Borges hätte als Sieger des Festival RTP da Canção 1970 eigentlich zum internationalen Contest fahren dürfen, aber Portugal boykottierte in dem Jahr den Wettbewerb wie die skandinavischen Länder aufgrund des Vorjahresergebnisses mit vier Siegern. Der nationale Concours fand auch erst am 22. Mai statt. Sein Debüt gab Sérgio 1966 mit seinem Titel „Ich werde nie Auf Wiedersehen sagen“ und wurde damit Zweiter mit 52 Punkten. Er schuf mit diesem Lied einen Klassiker.

Sérgio Borges – Nunca direi adeus

 

1971: Fernando Tordo – Cavalo à solta 3. Platz

Die Tendenz, das Festival RTP da Canção als Plattform für versteckte politische Botschaften zu nutzen, machte sich Anfang der Siebziger immer mehr breit. Fernando Tordo und sein Textdichter José Carlos Ary dos Santos, zwei eher linksorientierte Künstler, verstanden es auf poetische Weise ihre Kritik am Régime deutlich zu machen. 1973 durften sie trotz eindeutigem politischen Bezugs nach Luxemburg reisen. „Cavalo à solta (das Pferd ist frei)“ schaffte das 1971 noch nicht, aber wurde ein großer Hit und Evergreen.

Fernando Tordo – Cavalo à solta

 

1974: Green Windows – Imagens 3. Platz

José Cid, Urgestein der portugiesischen Musikszene und Teilnehmer am diesjährigen nationalen Wettbewerb debütierte 1968 mit dem Titel „Balada para D. Inês“, was er mit der Formation „Quarteto 1111“ zum Besten gab. Neben seinem Siegerlied von 1980 schuf er damit einen Klassiker. Die Formation Quarteto 1111 tauchte immer wieder auf der Bildfläche auf, selbst in den 2000ern. Mitte der Siebziger taten sich einige zur Gruppe Green Windows zusammen, wobei sie ihre Frauen oder Freundinnen mit auf die Bühne brachten und José Cid schrieb ihnen die Lieder. Im Revolutionsjahr 1974 sangen sie gleich zwei Songs „No dia em que o Rei fez anos (Am Tag, als der König Geburtstag hatte)“ und „Imagens (Bilder)“. Sie landeten mit ihren Liedern gleich hinter dem Sieger Paulo de Carvalho und noch vor ihrem Komponisten auf Platz 2 und 3.

Green Windows – Imagens

 

1976: Carlos do Carmo – No teu poema 3. Platz

Damals war Carlos do Carmo schon ein bekannter Name und so durfte er allein die Vorentscheidung bestreiten. Die Zuschauer stimmten per Postkarte ab, welches Lied nach Den Haag gehen sollte. Im Nachhinein wurde aber deutlich, das einige der weiteren Songs einen größeren Erfolg verbuchen konnten. Dieser Meinung war auch die Expertenjury, die die 8 Lieder für Carlos do Carmo ausgewählt hatte, denn sie veröffentlichten ihre Wertung anschließend.

Carlos do Carmo – No teu poema

 

1979: Gabriela Schaaf – Eu só quero 2. Platz

Halb Schweizerin, halb Italienerin wuchs Gabriela Schaaf in Porto auf. Ende der Siebziger etablierte sie sich im Land und 1979 unterlag sie nur knapp Manuela Bravo mit 17 Punkten. Bis Mitte der Achtziger hielt ihre Karriere an, dann zog es sie wieder in die Schweiz. Ihr „Ich möchte nur“ blieb den Portugiesen jedoch gut in Erinnerung, so dass sie Gabriela 2017 einluden, in der Jury für das Festival RTP da Canção zu sitzen, wo sie dann Salvador Sobral mit zum Sieg führte.

Gabriela Schaaf – Eu só quero

 

1981: Doce – Ali Bábá, um homem das Arabias 4. Platz

Die Süßen der Gruppe Doce, sozusagen die portugiesischen Luv, traten mehrfach an, um ihr Land zu vertreten. 1982 gelang es dann mit „Bem Bom“ und ein 13. Platz in Harrogate. Schon 1980 sangen sie „Doce“ auf den zweiten Platz und 1984 mit „O Barquinho da Esperança“ auf Platz 11. Der große Hit wurde aber für Doce das Lied über Ali Baba. mit dem sie 1981 nur auf Platz 4 mit 128 Punkten, obwohl sie zu den Favoriten gehörten. Ihre Outfits von José Carlos prägten das Image der vier Sängerinnen Fátima Padinha, Teresa Miguel, Lena Coelho und Laura Diogo. Fátima, die momentan eine schwere Krebserkrankung durchlebt zeigte sich sehr enttäuscht, dass die ehemaligen Doce-Sängerinnen nicht zum diesjährigen Festival eingeladen wurden, obwohl der Gruppe eine Hómmage dargebracht wurde.

Doce – Ali Bábá, um homem das Arabias

 

1983: Herman José – A cor do teu baton 2. Platz

Auf den schönen deutschen Namen Hermann Joseph von Krippahl hört der Moderator, Comédian und Entertainer Herman José. Durch seine Comedyprogramme machte er auf sich aufmerksam und fand nicht immer Zustimmung in allen Schichten. Seine TV-Karriere verdankt er der Moderation des Glücksrades „Roda da sorte“. Aus dem Fernsehgeschehen ist er nicht mehr wegzudenken und hat seine eigenen Programme. 2012 imitierte er unter anderem Angela Merkel, was man auch im Ausland registrierte. In diesem Jahr stand er als Interval-Act beim Festival RTP auf der Bühne. 1983 war er selbst im Teilnehmerfeld und nahm das ganze nicht so ernst. Fast wäre ihm die Fahrt nach München gelungen, was er eigentlich nicht wollte.

Herman José – A cor do teu baton

 

1983: Ana – Parabéns, parabéns a você 6. Platz

Mit einem Geburtstagsständchen versuchte es Ana 1983, landete aber mit der Schnapszahl 99 nur auf Platz 6. Wenn man seinen Ehrentag hat, dann wird man mit den Worten des oben genannten Titels begrüßt. Beglückwünschen durfte man damals Armando Gama, denn er gewann nicht nur den Trip nach München, sondern nahm die Moderatorin Valentina Torres später zur Frau. Mittlerweile sind sie aber wieder geschieden.

Ana – Parabéns, parabéns a você

 

1985: Os Delfins – A casa da praia 11. Platz

Mit einem letzten Platz und 28 Punkten beendeten Os Delfins ihre Festivalteilnahme. Die Presse ließ sich über die Gruppe damals aus. Einige Jahre später sprachen sie von der Band in ganz anderen Tönen, den man hatte plötzlich einen Nummer 1 Hit. Eine jahrelange internationale Karriere schloss sich an. Jeder kannte Os Delfins. Ihre Karriere dauerte bis 2009 an.

Os Delfins – A casa da praia

 

1988: Dora – Déjà vu

RTP lud 1988 fünf Komponisten zum nationalen Contest ein. Einer dieser Herren, nämlich José Calvário, fand es schade, dass es keine öffentliche Ausschreibung gab und verhandelte mit dem Sender, dass ein sechster Starter aus einem solchen Wettbewerb kommen sollte. Zé da Ponte, Guilherme Inês und Luís Oliveira gewannen mit Dora und „Déjà vu“ dieses Festival. Dora stand aber schon als Interpretin von „Voltarei“ geschrieben von José Calvário und José Niza als Teilnehmerin im eigentlichen Festival RTP da Canção. Eine Sonderregel verschaffte ihr den Doppelauftritt. Ohne dass Punkte und Plätze bekannt gemacht wurden, erklärte man Dora mit dem Lied von José Calvário letztendlich zur Siegerin, was ihr aber in Dublin neben einem kühnen langen Zopf nur magere 5 Punkte auf Platz 18 einbrachte.

Dora – Déjà vu

 

1993: Paulo Brissos – No dia seguinte 6. Platz

Viele der Künstler, die am Festival RTP da Canção teilnehmen, verschwinden später in der Versenkung. Paulo Brissos sang 1993 solo seinen „Tag danach“ und blieb mit 81 Punkten auf Platz 6 hängen. Zwei Jahre zuvor hatte er schon mit der Formation Blocco und „Fazer uma canção“ fast mit Platz 2 Rom erreicht. Nach seiner Teilnahme 1993 verlegte er sich mehr auf die Rock-Pop-Blues Schiene und wurde erfolgreich. Er hat bis heute mehrere Longplayer herausgebracht. Ihn durfte ich damals 1993 während der Probe live sehen.

Paulo Brissos – No dia seguinte

 

2006: Vânia Oliveira – Sei Quem Sou (Portugal) 2. Platz

Gleichstand beim Festival 2006. Sowohl die Casting-Gruppe Nonstop als auch Vânia Oliveira erhielten 22 Punkte. In jenem Jahr jedoch gab die Jury den Ausschlag und somit fuhren die Zirkuspferde von Nonstop nach Athen. Größere Bedeutung erhielt jedoch der zweite Platz. Dieses Jahr war ja wieder ein Gleichstand, aber da durfte der Televoter ja sich durchsetzen. Ob die Entscheidung gut war?

Vânia Oliveira – Sei Quem Sou (Portugal)

 

2009: Luciana Abreu – Juntos vamos conseguir – Yes, We Can

Wer portugiesische Medien liest kann dieser Frau nicht entkommen. Sie hat sich zu einem Liebling der Presse entwickelt. Zudem scheint Luciana Abreu auch sehr erfolgreich Musik zu machen, aber durch die Medienpräsenz verschwindet dieser Eindruck. 2005 sang sie mit Rui Drummond als 2B in Kiew „Amar“ und 2009 ging sie dann mit einem Obama-Titel selbst nochmals an den Start. Das Televoting entschied sie mit 28 % klar für sich, aber die Juries hatten sie nur auf Platz 7 gesetzt, so dass am Ende Platz 3 blieb.

Luciana Abreu – Juntos vamos conseguir – Yes, We Can

 

2010: Vanessa – Alvorada 3. Platz

2010 gab es den legendären Zweikampf zwischen Filipa Azevedo und Catarina Pereira, welchen letztere aufgrund des Juryergebnisses verlor. Lachende Dritte hätte Vanessa Silva mit ihrem wunderschönen „Alvorada“ sein können.

Vanessa – Alvorada

Das waren nur 14 Beispiele aus den vielen Jahren Festival RTP da Canção. Die Liste könnte man noch erweitern, sei es aufgrund des guten Liedes oder der Geschichte drumherum. Für die Portugalbegeisterten wollte ich damit noch ein kleines Bonbon zum Lesergame mitgeben.

Heute abend geht das Lesergame Prinz Portuguese Open zu Ende. Wir sind mal gespannt, wer die Krone am Ende tragen darf.