Radiosender zeigen „Black Smoke“ und „Heart of Stone“ die kalte Schulter

USFÖ Andreas Kümmert steht verloren am Rande

Die Zahlen belegen es schwarz auf weiß: Die Superfinalisten vom deutschen Vorentscheid in Hannover, „Black Smoke“ und „Heart of Stone„, sind und werden wohl auch keine Radiohits mehr. Aktuell haben offensichtlich nur noch zwei (Privat-)Sender den deutschen Beitrag für Wien in der höheren Rotation. Die meisten anderen haben sich bereits wieder ganz von ihm verabschiedet.

Im letzten Jahr entwickelte sich ElaizasIs it right“ zum überraschenden Airplay-Hit. Dazu trug sicher ihr Erfolg in den Verkaufscharts bei. Auch in den Jahren davor wurden die Sieger des deutschen Vorentscheids von vielen Radiostationen durchaus wohlwollend aufgenommen. Oft zeigten sich die Privatsender dabei sogar aufgeschlossener als die öffentlich-rechtlichen Anstalten.

In diesem Jahr gibt es nun eine Ausnahmesituation: Auf der einen Seite den klaren Publikumsfavoriten „Heart of Stone“ von Andreas Kümmert, auf der anderen Seite die deutsche Vertreterin in Wien, Ann Sophie mit „Black Smoke“. Diese schwierige Situation scheint auch bei den Musikverantwortlichen in den Radiostationen für Verunsicherung zu sorgen – und sie im Fall der Fälle lieber die Finger ganz von den beiden Titeln lassen.

Die Betrachtung beginnt in der Kalenderwoche 10, in der auch der Vorentscheid am 5. März stattfand, und geht bis zur Teilwoche 14 (nur von Freitg, den 27.3. bis einschließlich Sonntag, den 29.3.). In diesem Zeitraum kam „Black Smoke“ insgesamt auf 517 Einsätze bei deutschen Radiostationen. Das waren etwa 40% mehr Einsätze als sie der freiwillig zurückgetretene Andreas Kümmert mit „Heart of Stone“ generieren konnte (369).

ESC2015_VE-DE_Ann-Sophie_09150Am häufigsten wurde „Black Smoke“ in der Woche nach dem Vorentscheid gespielt (KW 11), konkret 194 Mal. Auch „Heart of Stone“ erlebte in dieser Woche seinen Einsatz-Höhepunkt (134 Mal). In dieser Zeit war der Rücktritt-„Skandal“ am größten und damit ein redaktioneller Bezug gegeben. Anschließend sanken die Einsätze beider Titel bereits wieder. In der KW 13 kam „Black Smoke“ noch auf 126 und „Heart of Stone“ auf 85 Airplays.

Soweit, so gut für Ann Sophie. Dass jedoch tatsächlich ein Airplay-Misserfolg vorliegt, wird erst deutlich, wenn man diese Zahlen mit den Werten vergleicht, die Elaiza 2014 erreichte. Damals fand der Vorentscheid eine Woche später statt. Wir vergleichen daher nicht die exakten Kalenderwochen, sondern die jeweiligen Vorentscheid-Wochen und die drei danach folgenden.

Airplays Black Smoke Heart of Stone Is it rightBereits in der Vorentscheidwoche selbst wurde „Is it right“ häufiger von den deutschen Radiostationen gespielt, als „Black Smoke“ und „Heart of Stone“ zusammen. Danach zündeten Elaiza den Airplay-Turbo erst richtig. In der Folgewoche war das Lied bereits 386 Mal im Radio zu hören („Black Smoke“ und „Heart of Stone“ zusammen 328 Mal). Drei Wochen nach dem Vorentscheid wurde „Is it right“ gar dreimal häufiger von den Stationen eingesetzt, als die beiden Superfinalisten in diesem Jahr!

Interessant ist auch immer der Blick auf die einzelnen Radiostationen. „Black Smoke“ war im Betrachtungszeitraum insgesamt auf 58 Sendern zu hören, „Heart of Stone“ auf 46.

„Black Smoke“ hatte bisher die meisten Einsätze auf Antenne Frankfurt 95.1 (38), Ostseewelle Hit-Radio Mecklenburg-Vorpommern (35), NDR 2 (26), Radio Seefunk RSF (25) sowie N-Joy, Bremen Vier, Radio Gong 106,9 Würzburg (je 24). Die beiden erstgenannten scheinen (als einzige) auch weiter intensiv an „Black Smoke“ festzuhalten: In der aktuell laufenden Woche weisen sie erneut die häufigsten Airplays auf (Ostseewelle 10, Antenne Frankfurt 7).

Der NDR hat sich als öffentlich-rechtliche Anstalt am stärksten um „Black Smoke“ bemüht. Neben den Einsätzen auf NDR 2 und N-Joy war der Titel im betrachteten Zeitraum auch auf 90,3 (12), NDR 1 Radio MV (9), NDR 1 Welle Nord (6) und NDR 1 Niedersachsen (3) zu hören. Dass NDR 2 11 der 26 Einsätze im reichweitenschwachen Nachtprogramm von 0 bis 6 Uhr versteckt hat, sei nur nebenbei erwähnt.

Durchaus positiv anzumerken sind von öffentlich-rechtlicher Seite auch RBB Antenne Brandenburg (22 Einsätze), Bayern 3 (19), WDR 2 (18) und hr 3 (15). Der im weitestens Sinne jugend- und chartaffine Sender Eins Live hat sich hingegen lediglich zweimal zum Spielen von „Black Smoke“ hinreißen lassen. Gleiches gilt für MDR Jump.

Insgesamt zurückhaltend sind die Privatsender, die in den Vorjahren zum Teil mehr Airplays generierten als die öffentlich-rechtlichen. So hat Antenne Bayern das Lied bisher kein einziges Mal gespielt. Gleiches gilt für die RTL-Sender. Andere reichweitenstarke Sender wie radio NRW (1 Einsatz) oder Hit Radio FFH, R.SH und radio SAW (je 4) zeigen sich sehr zurückhaltend. Ihnen fehlt vermutlich die Chartunterstützung des Songs.

Andreas Kümmert USFÖ Probe„Heart of Stone“ konnte bisher die meisten Einsätze bei der Radiogroup Saarland (Zusammenschluss von dortigen Lokalsendern) generieren und war dort insgesamt 41 Mal zu hören. Sehr aufgeschlossen zeigten sich auch Radio Gong 106,9 Würzburg (38 Einsätze), Radiogroup Nordost (Lokalradios in Brandenburg, 33 Einsätze), Radiogroup Rheinland-Pfalz (dortige Lokalradios, 28 Einsätze) und Antenne Frankfurt 95.1 (Bestandteil der Radiogroup-Holding, 26 Einsätze). Es folgen WDR 4 (18), 104.6 RTL Berlin und Bayern 3 (je 17) sowie NDR 90,3 und RBB Antenne Brandenburg (je 14).

Der bedeutendste Airplay-Anteil für „Heart of Stone“ kommt also von einer eher reichweitenschwachen Lokalradio-Gruppe und tendenziell älteren öffentlich-rechtlichen Sendern. Interessant: Abgesehen von 90,3 zieren sich die anderen NDR-Programme doch deutlich beim Einsatz des Kümmert-Songs, wohingegen sie bei „Black Smoke“ in die Vollen gehen.

Für „Heart of Stone“ und „Black Smoke“ machen die aktuellen Airplayzahlen keine Hoffnung, dass es besser werden würde. Im Gegenteil, die Chance auf einen Radiohit scheint in beiden Fällen ausgeträumt. Die Zahlen der derzeit laufenden Woche zeigen dies deutlich. Das von WM erwartete „Radiogeplänkel“ könnte in Ann Sophies Schicksalswochen deutlich leiser ausfallen als gewünscht. Eine kleine Hoffnung kann sie im Gegensatz zu Andreas Kümmert aber noch haben: Sollte Ann Sophie in Wien gut abschneiden, könnte das ihrem Titel noch eine zweite Chance bescheren.

Fazit

Im Vergleich zu 2014, aber auch generell zu den Vorjahren sind die Airplay-Zahlen der beiden Top-Songs des deutschen Vorentscheids weit unterdurchschnittlich. Die öffentlich-rechtlichen Sender bemühen sich vor allem bei „Black Smoke“ redlich. Gerade der NDR scheint hier deutlich aktiver als früher. Im Wesentlichen sind die fehlenden Airplay-Einsätze auf die sehr zögerlichen Privatsender zurückzuführen, die Elaiza, aber auch Cascada und Roman Lob frühzeitig und intensiv gespielt hatten.

Es liegt die Vermutung nahe, dass das gegenseitige Abhängigkeitsystem aus Abverkauf und Airplay durch den fehlenden hohen Charteinstieg von „Black Smoke“ nach dem Vorentscheid gar nicht erst aktiviert wurde. Die ausbleibenden Airplays konnten so in der Folge auch keine weiteren Verkäufe initiieren. Damit ist es durchaus denkbar, dass „Black Smoke“ der erste deutsche ESC-Beitrag seit 2009 wird, der einer Vielzahl der Deutschen nicht geläufig ist und dies auch nicht werden wird.