Ralph Siegel im Exklusiv-Interview: „Ich hoffe auf eure Unterstützung!“

Er ist DIE deutsche Eurovision Legende: Durch Ralph Siegel sind viele von uns erst zu ESC Fans geworden. Unvergessen sind seine zahlreichen großen Erfolge. In diesem Jahr nimmt Ralph Siegel bereits zum 25ten Mal am ESC teil. Im Exklusiv-Interview erzählt er, wie es zu seiner Leidenschaft zum Grand Prix kam, warum es immer schwieriger wird am ESC teilzunehmen und warum er sich morgen insbesonders Punkte von Deutschland und Österreich erhofft.

Prinz Blog: Lieber Ralph. Du bist jetzt schon so lange beim ESC dabei. Was sind für Dich die größten Änderungen im Vergleich zu früher?

Ralph Siegel: Es ist natürlich selbstverständlich, dass es in der langen Zeit jede Menge Änderungen gab. Das ist auch gut so, denn im Leben muss sich alles weiterentwickeln. In den letzten Jahren haben sich diese Änderungen aber rasant beschleunigt. Während früher die Künstler ihren Song das erste Mal im Fernsehen gesungen haben und es dadurch immer einen Überraschungsmoment gab, gibt es heute für manche Songs schon Monate vorher einen Hype im Internet. Dadurch haben die Songs mit großer Promotionpower und finanziellen Mitteln einen riesigen Vorteil und das demotiviert andere Künstler, die aus kleineren Ländern kommen und es deshalb schwieriger haben für ihr Lied zu werben. Durch das Internet zählt nicht mehr der Abend alleine.

Trotzdem hast Du ja nach wie vor eine unglaubliche Leidenschaft für den ESC. Woher kommt das? Wie ist diese Leidenschaft entstanden?

Ich stamme aus einer sehr musikalischen Familie. Mein Großvater war Operndirigent und Komponist, meine Mutter Operettensängerin und mein Vater war auch Komponist. Er hat 1957 beim Grand Prix in Frankfurt den Beitrag „Telefon Telefon“ für Margot Hielscher geschrieben und damit den vierten Platz für Deutschland belegt. Das habe ich aber nur so am Rande mitbekommen, denn damals lebte ich zuerst in Paris und danach in den USA und habe dort Musik studiert. Als ich zurück nach Deutschland kam, schrieb ich 1966 ein Lied für Mary Roos für das Deutsche Schlagerfestival. Dort wurde ich Letzter, aber es machte mir viel Spaß. Also schaute ich nach anderen Musikwettbewerben. In Knokke habe ich dann beim Cup d’Europe und in Spanien beim Musica Mallorca mitgemacht. Das war alles noch vor meiner ersten Grand Prix Teilnahme 1974 mit Ireen Sheer für Luxemburg. Dort belegten wir den vierten Platz und mich hat danach der Ehrgeiz ergriffen es nochmal beim Grand Prix zu versuchen.

Mittlerweile bist Du schon zum 25ten Mal dabei. Wie beurteilst Du die Zeit?

Der Grand Prix war für mich eine Achterbahnfahrt. Das absolute Highlight war natürlich 1982 der Sieg mit Nicole, aber auch die Erfolge mit „Dschingis Khan“, „Theater“,“Johnny Blue“ und „Lass die Sonne in dein Herz“ waren wunderschöne Momente. Der schlimmste Moment war 2002 in Tallinn die große Enttäuschung mit Corinna May und „I can’t live without music“. Wir wurden im Vorfeld sehr hoch gehandelt und sind danach komplett abgestürzt. Das tat damals verdammt weh, denn wir hatten richtig hohe Erwartungen.

Wie schafft man es nach einem derartigen Momenten seine Motivation zu behalten und trotzdem weiterzumachen?

Nach dem Grand Prix ist vor dem Grand Prix. Man ist eine Zeit niedergeschlagen, aber dann kommen schon wieder die ersten Ideen für neue Songs. Und gerade der ESC bietet eine hervorragende Möglichkeit jungen Künstlern eine Chance zu geben, diese einem internationalen Millonenpublikum vorzustellen. Man macht sich dann erste Gedanken in welchem Land man den Song einreichen könnte und welcher Künstler am Besten dazu passt. Und danach geht es darum die Verantwortlichen und später die Zuschauer zu überzeugen. Schon packt einen der Ehrgeiz und man möchte wieder dabei sein.

In den letzten Jahren hast Du Dein Glück ja eher im Ausland gesucht, nachdem man Dir in Deutschland keine Chance mehr gegeben hat.

Das finde ich äußerst schade. Ich konnte in den letzten Jahren einreichen was ich wollte und man hat es einfach zur Seite geschoben. Gerade von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarte ich da etwas mehr Objektivität. Für mich ist Fairness am Wichtigsten. Den Zuschauern sollte man wenigstens die Chance geben selbst entscheiden zu dürfen, ob ihnen meine Musik gefällt oder nicht. Eine Zensur hat mit Fairness nichts zu tun. Als ich nach mehreren Jahren letztes Jahr mit Laura Pinski mal wieder an den Start gehen durfte, bin ich ja auch nicht Letzter geworden, sondern habe mit diesem jungen Nachwuchstalent einen ausgezeichneten vierten Platz belegt und jede Menge Zuspruch erhalten. Und trotzdem hat man mich in diesem Jahr wieder ausgeschlossen.

Das heißt Du hattest in diesem Jahr auch etwas für Deutschland eingereicht? Woran ist es gescheitert? Hast Du eine Rückmeldung erhalten?

Ja, ich habe dieses Jahr auch versucht für Deutschland anzutreten und mehrere Songs eingereicht. Bekannterweise hat sich ja der NDR aber nur für 2 Songs von ausländischen Komponisten entschieden. Das ist mir ein absolutes Rätsel, warum man 5 Künstler nur diese 2 Songs singen lässt. Wir haben in Deutschland über 30000 Komponisten. Da sollte es doch möglich sein genügend einheimische Songs zu finden, statt den Zuschauern nur eine so begrenzte Auswahl zu bieten. Ich bezweifele, dass meine Songs schwächer waren als „Perfect Life“ oder „Wildfire“. Aber das ist ja immer Geschmackssache. Es geht hier aber auch nicht nur um mich.

Das heißt wir werden wieder Letzter?

Nein, das glaube ich nicht. Levina ist eine tolle Künstlerin und hat eine wunderschöne Stimme. Perfect Life ist auch kein schlechtes Lied. Die Frage ist aber, ob man nicht auch mit einheimischen Komponisten einen Song mit ähnlicher Qualität hätte finden können. Ich denke ja.

Was kann der NDR besser machen?

Ich bin der Meinung Thomas Schreiber leistet gute Arbeit. Für die schlechten Ergebnisse in den letzten Jahren konnte er persönlich nichts. Aber er ist auch sehr von den Plattenlabels abhängig. Diese haben nur als Ziel den nationalen Erfolg, die Songs müssen radiotauglich sein. Das reicht aber für einen Erfolg beim ESC nicht. Da muss man es schaffen die Menschen in 3 Minuten zu begeistern. Viele Länder schreiben ihre Songs speziell für den ESC. Falls Deutschland wieder erfolgreich sein möchte, sollte mehr der internationale Markt im Fokus stehen, als es den einheimischen Labels recht zu machen.

Bist Du denn bereit da Deine Hilfe anzubieten?

Selbstverständlich liegt mir der Erfolg von Deutschland beim ESC besonders am Herzen. Aber mehr als meine Songs einzureichen kann ich nicht. Ich hoffe sehr, dass ich in Zukunft wie im letzten Jahr ein faire Chance erhalte und die Zuschauer entscheiden dürfen.

Und falls nicht, versuchst Du es einfach in anderen Ländern. Wie kam es denn dieses Jahr zu Deiner erneuten Teilnahme mit San Marino?

Ich war in meinem USA Urlaub und kam auf die Idee mit „Spirit of the night“. Zuerst hieß der Arbeitstitel noch „Rhythm of the night“ doch Spirit hat viel besser gepasst aufgrund der „Eurovision night“. Mit San Marino habe ich nach den vier gemeinsamen Teilnahmen ab 2012 einen ausgezeichneten Kontakt. Deshalb habe ich angefragt, ob sie schon was haben. Und dann hat das eine das andere ergeben. Meine Bedingung war ich möchte wieder mit Valentina Monetta antreten, da sie eine herausragende Sängerin ist. In all den Jahren habe ich selten eine so talentierte Person gesehen. Ich habe sie nach München eingeladen, um sich meine Idee anzuhören. Jimmy habe ich parallel auf einer Veranstaltung für Lambertz kennengelernt. Ich wusste auf Anhieb, dass er der perfekte Partner für das Duo sein würde.  Doch habe ich bei ihm etwas Überzeugungskraft gebraucht, da er für andere Auftritte eigentlich schon gebucht war. Doch beide waren von der Idee begeistert und haben sich auch gleich super verstanden. Der finale Text stammt von meiner Freundin Jutta Staudenmeyer und Steven Barnacle, einem waschechten Amerikaner. Es ist also ein Text mit „Native Lyrics“ von einem Amerikaner gesungen.

Was ist Dein Ziel mit „Spirit of the Night“?

Es ist ein Song, der gute Laune verbreitet. Es wäre so toll es wieder ins Finale zu schaffen. Mit San Marino ist es nicht leicht. Es ist ein Wunder, dass wir 2014 es mit „Maybe“ geschafft haben. Deshalb hoffe ich sehr auf eure Unterstützung! Ich bin der einzige deutsche Komponist im Wettbewerb. Daher wäre es auch ein Erfolg für Deutschland, wenn wir uns qualifizieren würden. Ich bitte daher alle am Donnerstag zum Hörer zu greifen und für San Marino anzurufen. Auch aus Österreich würde ich mich sehr über Stimmen freuen. Ich darf daran erinnern, dass sie 1982 Nicole nur einen einzigen Punkt gegeben haben. Da hat unser Nachbarland also noch etwas gutzumachen 😉

Und wie geht es nach dem ESC bei Dir weiter? 

Ende letzten Jahres gab es eine szenische Lesung von meinem Musical „Johnny Blue“ im Wintergarten in Berlin. Das Feedback war sehr positiv und es wird im nächsten Jahr im Museumquartier in Wien aufgeführt werden. Und am 29.5 geht es schon mit der szenischen Lesung von meinem nächsten Musicalprojekt weiter, was mir sehr am Herzen liegt. Es heißt „Zeppelin“ und handelt vom Leben von Graf Zeppelin und der Hindenburg. Es geht um die Reise der Insassen 1937 mit der Hindenburg nach New York inklusive dem Absturz. Eine sehr spannende Story, in die ich gemeinsam mit Hans Dieter Schreeb sehr viel Arbeit reingesteckt habe. Aber die Arbeit hat mir auch sehr viel Freunde bereitet, denn man hat viel mehr Möglichkeiten ein Stück mit 2 Stunden Musik zu schreiben, als einen Song, bei dem man nur 3 Minuten Begrenzung hat. Ich freue mich schon sehr darauf es auf der Bühne zu sehen!

Du sprühst ja nur so von Energie! Wo holst Du sie her?

Man darf nicht vergessen, dass ich schon schwerkrank war. Ich hatte zweimal Krebs und habe gesundheitlich schwere Zeiten durchgemacht. Gott sei Dank geht es mir jetzt wieder gut. Und sehr viel Kraft gibt mir meine zauberhafte Frau Laura. Ich bin überglücklich, dass wir beide uns gefunden haben. Morgen feiern wir übrigens ihren Geburtstag. Wenn Du magst, bist Du auch sehr gerne eingeladen.

Das freut mich sehr! Vielen herzlichen Dank für das sehr interessante Gespräch! Ich drücke beide Daumen, dass es am Donnerstag klappt! 

Natürlich habe ich sehr gerne die Einladung zum Geburtstag von Ralph Siegels Frau Laura angenommen und einen tollen Abend im Restaurant Monaco verbracht.

Anbei einige Impressionen: