Live-Blog: Expertencheck Schweiz

Tiziana Gulino

18 Songs sind von Fachjuroren und teilweise auch von Internet-Usern ausgewählt worden für den sogenannten Expertencheck, den das Schweizer Fernsehen heute per Livestream ausgestrahlt hat. Sechs Titel werden von einer fünfköpfigen Jury für das Schweizer Finale im Januar 2015 ausgewählt. Jeder der 18 Acts hat seinen Beitrag im SRF Studio live vorgestellt und die PRINZ Blogger BennyBenny, Matthias und Peter haben diesen Marathon ebenfalls live begleitet. Hier könnt Ihr unsere Eindrücke noch einmal nachlesen. Jetzt mit Update: Das sind die Finalisten!

Hallo zusammen und willkommen zu unserem Live-Blog des Schweizer Expertenchecks. In wenigen Sekunden sollte es losgehen. Insgesamt dauert das von Clarissa Tami moderierte Casting (inkl. Soundcheck, Live-Präsentation und Kurzinterview) den ganzen Tag, von 13 Uhr bis ca. 21.30 Uhr. Die PrinzBlogger BennyBenny, Matthias und Peter bilden für diesen längsten zusammenhängenden Einsatz der Saison (doppelte Sanremo-Distanz!) eine Bloggerstaffel und wechseln sich mit dem Roll-Blog ab.

Die Experten aller Landesteile bewerten die Livekompetenz, die gesangliche Qualität und die Bühnenpräsenz der 18 Kandidaten, von denen keiner über ESC-Erfahrung verfügt (alle 18 Kandidaten hat OLiver kürzlich in einer Übersicht präsentiert).

Auch wir bewerten natürlich und zwar nach folgendem Schema: 5 Punkte gibt es jeweils maximal in den Kategorien Optik, Komposition, Stimme und Instant Appeal.

Der Livestream läuft jetzt mittlerweile und Clarissa Tami begrüßt das Publikum. Außerdem entschuldigt sie sich für ihr schlechtes Schwizerdütsch. Danach moderiert sie einfach auf italienisch weiter.

Der Ablauf wird bei allen Acts ähnlich sein: Die Künstler bauen auf, machen dann einen Soundcheck, spielen dann live ihren Song und bekommen dann noch ein paar kurze Fragen gestellt.

Los geht es mit den ersten drei Kandidaten von SRF, der heute insgesamt 9 Künstler stellt, von denen sich dann drei für das Finale qualifizieren. Das Ergebnis wird es übrigens voraussichtlich nicht im Anschluss, sondern erst am späten Abend bzw. im Laufe der Nacht geben. Ich denke, nach 8 Stunden brauchen auf die Experten erstmal eine Pause.

1. SRF: Bubble Beatz feat. Sandra Wild – Run

schweiz expertencheck 2015 bubble beatz sandra

Ohne lange Wartezeit geht es los mit dem ersten Act. Bubble Beatz sind zwei Trommler, die heute oberkörperfrei auftreten. Trommeln haben beim ESC ja immer mal wieder Konjunktur, zuletzt hat auch Madeline Juno beim deutschen Vorentscheid im letzten Jahr darauf gesetzt.

Sandra wirkt sehr sympathisch, ihre Stimme allerdings ab und zu etwas dünn und leicht neben den richtigen Noten. Dabei ist der Song gar nicht schlecht, sehr minimalistisch gehalten, es dominieren die Trommeln und Sandras Stimme. Unterstützt werden die drei noch von zwei Backgroundsängerinnen. Sandra trägt eine Mischung aus hautfarbenem Hochzeits- und Meerjungfrauenkleid.Ein guter Auftakt, aber ich schätze, dass das nicht das Siegerlied war.

Optik: 3 von 5 Punkten
Komposition: 3 von 5 Punkten
Stimme: 2 von 5 Punkten
Instant Appeal: 3 von 5 Punkten

BB und Sandra waren jetzt doch schneller wieder von der Bühne als gedacht. Trotzdem zieht sich die Show ganze ja bis heute Abend um Viertel vor 10. Allein schon wegen der Umbaupausen zwischen den Songs. Und heute Abend um 18 Uhr wird es auch eine einstündige Pause geben. Die Experten und das „Saalpublikum“ (ca. 15 Personen) brauchen also gutes Sitzfleisch…

Die Bühne ist jetzt schon länger leer geräumt. Trotzdem geht es noch nicht weiter. Die Spannung steigt.

2. SRF: Simon Hafner – There Was a Yesterday 

schweiter expertencheck 2014 simon hafner

Simon beginnt mit seinem Soundcheck. Uns erwartet eine typische dramatische ESC-Ballade mit Tempi- und Tonartwechseln. Und Kopfstimme. Und Oper und Orchester. Thematik: Simons Coming Out. Er hat den Song auch selbst geschrieben.

Der Auftritt war leider nicht wirklich gut. Einmal versagte Simon die Stimme total, auch ansonsten waren die Töne oft nicht an der richtigen Stelle. Er klang eher wie jemand, der versucht einen klassischen Song zu singen, ohne die Stimme und Ausbildung dafür zu haben. Überhaupt wirkte er die ganze Zeit sehr angestrengt, war offensichtlich sehr aufgeregt und fühlte sich nicht wirklich wohl. Nicht die besten Voraussetzungen für den ESC.

Optik: 2 von 5 Punkten
Komposition: 2 von 5 Punkten
Stimme: 2 von 5 Punkten
Instant Appeal: 2 von 5 Punkten

Es folgt: Pause, Pause, Pause…

3. SRF: San Dii – iMagination

schweiter expertencheck 2014 san dii

San Dii ist die erste Künstlerin am heutigen Tag, die zwei Soundcheck-Durchläufe braucht, bis es richtig losgehen kann.

Auch schon fast ein Klassiker: San Dii steht ganz allein auf der Bühne und singt. Unterstützt wird sie im Hintergrund aber von einer Ausdruckstänzerin. Nach Loreen hat das in diesem Jahr ja auch Tanja aus Estland versucht. Aber endlich mal eine tolle Stimme und die Töne sitzen. Super!

Der Song selbst ist lustig, beschwingt, leicht folkloristisch und erinnert mich ein bisschen an Carrousel und ihr „J’avais rendez-vous“, die vor zwei Jahren an der Schweizer Vorentscheidung teilgenommen haben, sich damals aber der Heilsarmee geschlagen geben mussten. Ein bisschen Cabaret, ein bisschen Kirmes und viel Akkordeon. Das macht Spaß und würde sich beim Vorentscheid sicher gut machen. Einen Minuspunkt gibt es aber für die Tänzerin – die passt überhaupt nicht zu einem solchen Song.

Auch optisch könnte man sicher noch mehr aus San Dii rausholen, bis jetzt ist das eher so ein bisschen Frankfurter Schwester S-Charme.

Optik: 3 von 5 Punkten
Komposition: 4 von 5 Punkten
Stimme: 4 von 5 Punkten
Instant Appeal: 3 von 5 Punkten

San Dii ist für mich bislang auf jeden Fall die Favoritin in der SRF-Riege. Die Kommentatoren im Blog scheinen das ähnlich zu sehen. Aber da kommen ja noch sechs andere, lassen wir uns überraschen. Nun geht es aber erstmal weiter mit den sechs Kandidaten aus der Romandie. Von diesen qualifizieren sich am Ende zwei für die Vorentscheidung.

1. RTS: Anach Cuan – Hurdy Gurdy Girls

Endlich lohnt sich die Umbaupause mal wieder: Ein Schlagzeug wird aufgebaut.

schweiter expertencheck 2014 anach cuan

Anach Cuan sind eine sechsköpfige männliche Band und wieder spielen flokloristische Elemente eine große Rolle. Sogar die passenden Instrumente werden diesmal vorgeführt: Leier, Geige, Tamburin und Akkordeon gibt es neben dem erwähnten Schlagzeug zu sehen. Auch stimmlich ist das sehr passabel.

Der Song ist sehr interessant. Er ist eingängigund eine spannende Mischung aus Rock und Folk. Das ist wirklich moderne Musik angereichert mit folkloristischen Elementen. Für mich der beste Song des Tages bislang. Und die Jungs haben Spaß, das schadet im Zweifel ja auch nicht.

Optik: 3,5 von 5 Punkten
Komposition: 4,5 von 5 Punkten
Stimme: 4 von 5 Punkten
Instant Appeal: 4 von 5 Punkten

Nochmal der kurze Hinweis: Nur die Kandidaten der jeweiligen Sender konkurrieren gegeneinander. Von 9 Kandidaten des Deutschschweizer Senders SRF werden 3, von 6 aus der Romandie (RTS) 2 und von den 3 aus dem Tessin (RSI) einer fürs Finale bestimmt.

Kurzes Zwischenfazit: Das Format an sich (Soundcheck, Auftritt, kurzer Talk) ist gar nicht so uncharmant und man hat so tatsächlich sogar die Möglichkeit, sich ein bisschen besser in die Songs reinzuhören. Und auch die Qualität passt bislang. Wenn nur diese Pausen nicht so lang wären…

2. RTS: Célia – Letter To Myself

schweiter expertencheck 2014 celia

Célia ist erst 17 Jahre. Bei ihrem Auftritt wird sie von zwei Backgroundsängerinnen. Sehr süß kommt sie daher mit ihrem kurzen Kleidchen und ihrem wippenden Tänzeln. Ihre Stimme ist hier und da zwar etwas dünn, was aber bei der Tonlage durchaus akzeptabel ist. Sie trifft aber meistens (in der Generalprobe mehr als beim eigentlichen Auftritt) die Töne.

Der Song selbst ist eher so naja. Ein Popsong mit leichten R’n’B-Anlehnungen. Sehr getragen. Erinnert mich teilweise an Safuras „Drip Drop“. Der Text ist mir zu teeniemäßig. Junges Mädchen sitzt auf ihrem Bett und schreibt einen Brief an sich selbst über die üblichen Probleme und Wünsche an ihr zukünftiges Ich. Das ist mir zu naiv. Andererseits: Dass sowas durchaus funktionieren kann, hat der ESC schon mehr als einmal gezeigt (z.B. Yohanna, Kalomoira etc.).

Optik: 4 von 5 Punkten
Komposition: 3 von 5 Punkten
Stimme: 3 Punkten
Instant Appeal: 3 von 5 Punkten

3. RTS: Alenko – Vu D’En Haut

schweiter expertencheck 2014 alenko

Der Song soll laut Anmoderation ein Mix aus Reggae, Soul und Funk sein. Und man kann den Song tatsächlich schlecht in ein bestimmtes Schema quetschen. Irgendwie hat er was, auch wenn er eigentlich relativ gemächlich und ohne richtigen Höhepunkt ist. Aber im Hinblick darauf, dass die meisten Zuschauer den Song beim ESC nur ein einziges Mal hören, sind solche Experimente immer ein bisschen gewagt.

Alenko hat jedenfalls eine sichere Stimme, die beiden Tänzerinnen machen einen gute Job (ob sie nun wirklich notwendig waren, weiß ich nicht), aber Alenkos Ausdruck, charisma und Optik lassen noch etwas zu wünschen übrig. Insgesamt ein durchaus passabler Auftritt.

Optik: 3 von 5 Punkten
Komposition: 3,5 von 5 Punkten
Stimme: 4 Punkten
Instant Appeal: 3,5 von 5 Punkten

Ich übergebe nun an meinen Kollegen Matthias, der an dieser stelle für mich übernimmt. Viel Spaß weiterhin euch allen!

Danke, Benny! Dann sage ich mal wie Frau Tami „Bon soir“ – hier ist Matthias, der erst mal die drei verbliebenen Acts von RTS, dem französischen Sender der Schweiz, übernimmt.

4. RTS: Licia Chery – Fly

Licia Chery Schweiz

Licia ist in der Schweiz geboren, ihre Eltern stammen aber aus Haiti und flohen vor der dortigen Diktatur unter „Papa Doc“ und „Baby Doc“. Dass Licia Soul-Jazz-Damen wie Ella Fitzgerald und Nina Simone als Vorbild hat, hört man schon beim Soundcheck.

Licia hat zwei Tänzer in dunklen Hemden und mit Hosenträgern sowie zwei Background-Sängerinnen in weißen Blusen und mit Hosenträgern auf der Bühne. Zusammen präsentieren die fünf einen wirklich dynamischen Auftritt, der gut zu dem fröhlichen, groovigen Song passt, der mich etwas an Aretha Franklin (v.a. deren „Think“) erinnert. Die ganze Performance ist aus einem Guss, die Tänzer geben alles, man merkt, dass die Fünf richtig Spaß haben. Und trotz aller Dynamik passen auch die Töne. Mir hat’s gefallen!

Optik: 4 von 5 Punkten
Komposition: 4 von 5 Punkten
Stimme: 5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 5 von 5 Punkten

Im Interview sagt Licia ganz unbescheiden, sie habe mit 12 Jahren den letzten Schweizer ESC-Sieg von Céline Dion gesehen – und jetzt sage sie sich „Ich bin die nächste, die für die Schweiz gewinnt!“

5. RTS: Mélanie René – Time to Shine

Mélanie René

Commugny im Kanton Waadt (Vaud) muss ja recht musikalisch sein. Laut SRF kommt Mélanie von dort, und auch Célia wurde als Kandidatin aus Commugny vorgestellt.

Die vorletzte im RTS-Starterfeld steht mit dreiköpfigem Background-Chor auf der Bühne im Zürcher TV-Studio. Was mir eben auffällt: hier verwendet das Schweizer Fernsehen auf dem Hintergrund noch das alte ESC-Logo…

Das Lied fängt etwas düster an, aber Mélanie singt ja auch „I’m walking through the darkness“. Ein beatlastiger R&B-hafter Song, der aber im Refrain etwas weniger „dark“ klingt. Dazu schaut Mélanie immer schön in die Kamera, lächelt – sehr gute Präsenz! Dabei singt sie auch gut, vor allem am Ende des Refrains das „my time to shine“ hat einen schönen Klang. Der Chor macht seine Sache auch gut. Insgesamt ein stimmiges Paket. Nur das Lied könnte etwas stärker sein. Da bleibt nicht auf Anhieb was hängen.

Optik: 5 von 5 Punkten
Komposition: 3 von 5 Punkten
Stimme: 5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 3 von 5 Punkten

Mélanies Eltern stammen von der Insel Mauritius, und Mélanie empfiehlt uns allen, unbedingt mal hinzufahren. Da ist es jetzt sicher wärmer als hier in Mitteleuropa. Außerdem erfahren wir, dass Mélanie schon mal die Schweiz vertreten hat, bei einem Musik-Wettbewerb in Rumänien. Dort gewann sie den ersten Preis. Ließe sich das mit „Time to shine“ in Wien wiederholen?

Insgesamt muss man sagen, dass RTS die besseren Stimmen (bisher) hat als das, was SRF am Anfang aufgeboten hat. Aber da kann von Seiten des deutschsprachigen Senders ja ab 19 Uhr noch Besseres kommen. Jetzt erst mal die letzte, die gern für RTS nach Krüüzlinge will.

6. RTS: Shana Pearson – Kevla Heart

Schweiz Expertencheck Shana Pearson

Shana bietet einen Tänzer mit nacktem Oberkörper auf. Ein Background-Duo aus Mann und Frau unterstützt die 29-Jährige (Vater aus der Schweiz, Mutter aus den USA – darum der Name; Shana selbst ist in Genf geboren). Shana, die sich auch Shana P nennt, macht schon seit Jahren Musik, hat bereits zwei Alben veröffentlicht, in 2009 und 2013.

„Kevla Heart“ ist ein Poplied, das nett dahin plätschert, aber sich nicht gerade zu einem Refrain hin steigert. Als Radiosong ist es annehmbar, beim ESC würde der Titel aber eher schnell vergessen werden, fürchte ich. Dabei ist der Auftritt ganz gut. Den Tänzer, der sich merkwürdig am Boden bewegt, hätte es nicht gebraucht, seine Performance passt nicht zum Lied. Aber der Rest ist ok, und Shana macht auch am Bildschirm eine gute Figur. Ich frage mich nur, was ein „Kevla heart“ sein soll…

Optik: 4 von 5 Punkten
Komposition: 2,5 von 5 Punkten
Stimme: 5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 3 von 5 Punkten

So, jetzt gibt es eine 30-minütige Pause. Das Studio hat sich schnell geleert.

In der Zwischenzeit stellt sich die Frage, welche 2 der 6 Acts nun für RTS nach Kreuzlingen fahren dürften. Die Auswahl ist nicht ganz leicht, finde ich. Licia Chery mit „Fly“ ist eine gute Nummer, aber auch „Hurdy Gurdy Girls“ von Anach Cuan war ganz passabel, und Mélanie René überzeugte ebenfalls. Den Rest würde ich eher aussortieren.

Zeit für ’nen Kaffee. Dann geht’s gegen 16:45 Uhr weiter. Bis gleich!

16:40 Uhr. Die ersten kehren ins Studio zurück, auf der Bühne werden schon Schlagzeug und Keyboard für die erste Band aus dem italienischsprachigen Teil der Schweiz aufgebaut. Für den dortigen Sender RSI starten drei Acts – doch nur einen werden wir Ende Januar 2015 bei der „Grossen Entscheidungsshow“ in der Bodensee-Arena wiedersehen.

1. RSI: The Vad Vuc – Cocktail e fantasmi

Schweiz Expertencheck The Vad Vuc

Folklore-Poprock ist in der Schweiz gefragt. Ähnlich wie vorhin mit Anach Cuan geht es jetzt auch weiter mit dem ersten der drei Beiträge aus dem Tessin. Unsere radebrechende Moderatorin Clarissa Tami kündigt es als Irish Folk an und sagt, die Band sei im Tessin schon recht bekannt (dreihundert Konzerte, wenn das Italienische richtig verstanden habe).

Bei „Cocktail e fantasmi“ gefallen mir die instrumentalen Teile besser als die Teile, in denen der Sänger mehr spricht als singt. Ich mag Melodie und Instrumentierung, bedauere aber zugleich, dass da niemand mit wirklich guter Stimme singt. Das gerufene „Che caldo fa“ ist nicht mein Fall – zwischendrin greift da sogar noch jemand zum Megaphon. Au weia.

Kurzum: Das Beste am Lied ist die Melodie nach dem Refrain. Das reicht bei mir leider nicht für Höchstnoten – auch wenn die Performance insgesamt stimmig ist. Dass die Jungs schon vielfach auf Bühnen gespielt haben, ist ihnen anzumerken. Sie spielen mit Hingabe, doch ist das alles irgendwie nichts für die große ESC-Bühne, sondern eher etwas für kleinere Festivals. Im Sommer gibt’s doch in Nürnberg immer das Bardentreffen – da wären The Vad Vuc sicher gut aufgehoben.

Optik: 3 von 5 Punkten
Komposition: 2,5 von 5 Punkten
Stimme: 1,5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 3 von 5 Punkten

Im anschließenden Interview merkt man Clarissa an, dass ihr ihre italienische Muttersprache doch am besten liegt. Man erfährt, dass The Vad Vuc mit einem Album aktuell in Italien in den Charts sind. Spielt für die Entscheidung heute natürlich keine Rolle.

2. RSI: Elias feat. Zero In On – Your Perfume

Elias Schweiz Expertencheck

Zero In On? Sollte das Zero In One heißen? Naja… Elias steht ja eh im Mittelpunkt. Sind Zero In On die beiden Background-Damen mit den Amy-Winehouse-Gedächtnisfrisuren? Elias erinnert mich irgendwie an André Heller (in jung). Zumindest dodici punti für die Bienenkörbe-Haare.

„Your Perfume“ klingt wie eine Nummer, die Coldplay für ein Album verworfen haben und Elias überlassen haben. Elias selbst nennt auch Muse und Placebo als Bands, die ihn beeinflussen. Aber die 3 Minuten hier strömen wirklich sehr den Coldplay-Sound aus.

Es beginnt ganz ruhig mit einem Keyboard-Bett, und dann legt Elias los. Der 34-Jährige wirkt aber ein wenig zu angestrengt auf der Bühne, er beugt sich nach vorn und reckt zwischendurch den Arm in die Luft – doch diese Gesten wirken alle etwas allzu übertrieben. Und auch die Augen sollte er nicht so lange zu lassen.

Schweiz Expertencheck Elias

Alles in allem ist die Performance okay, das Lied hat aber auch nichts, was beim ESC großartig punkten würde.

Optik: 2 von 5 Punkten
Komposition: 3 von 5 Punkten
Stimme: 3 von 5 Punkten
Instant Appeal: 2,5 von 5 Punkten

3. RSI: Deborah Bough – Take Me Back to 23

Schweiz Expertencheck Deborah Bough

Mal sehen, ob wir gleich das Geheimnis hinter der „23“ lüften.

Erst mal singt Deborah einen extrem funkigen und eingängigen Song, der sofort ins Ohr geht. Deborah und ihre drei Backgroundsängerinnen machen ihre Sache gut. Deborah nutzt die Bühne aus, bewegt sich prima zu dem Titel. Klar, da ließe sich für eine größere Bühne und eine „richtige TV-Show“ noch mehr rausholen – hier wäre auch ein Tänzer nicht schlecht (die anderen haben dann ja welche übrig…)

Deborah kommt auch sympathisch rüber – nur sollte sie beim nächsten Mal schauen, dass sie ihre tolle Lockenpracht (ein wenig an Nina aus Spanien, ESC 1989, erinnernd) aus ihrem Gesicht hält. Alles in allem aber eine wirklich überzeugende Vorstellung. Das sollte eigentlich der RSI-Beitrag für Kreuzlingen werden. Oder? Ich würde mich auch nicht wundern, wenn das der Schweizer Beitrag in Wien werden würde.

Optik: 4 von 5 Punkten
Komposition: 5 von 5 Punkten
Stimme: 5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 5 von 5 Punkten

Deborah lüftet im Interview auch das „23“-Geheimnis. Sie hat den Song speziell für einen jüngeren Typen geschrieben, der 23 ist. Mit der Zahl ist also das Alter gemeint, lass mich wieder 23 sein. „Die Zwanziger-Jahre sind das beste Alter“, sagt Deborah. Die gute war übrigens bei The Voice of Switzerland 2013 dabei, schied aber in der ersten Liveshow aus.

Jetzt kündigt Clarissa eine längere Pause an. Erst in eineinhalb Stunden, um 19:15 Uhr, geht es weiter. Dann folgen die letzten 6 Songs des deutschsprachigen Senders SRF. Peter übernimmt dann für den restlichen Abend.

Hi there, von Berlin geht es nach Hamburg, Peter grüsst Euch aus Winterhude zum zweiten Adventsabend und wird Euch mit den weiteren sechs SRF Künstlern durch den Schweizer Expertencheck – sozusagen das Quasi-Hablfinale für den ESc 2015 – kommentierend begleiten.

Nach Inansichtnahme der ersten zwölf Hopefuls würde ich sagen: Deborah is the one to beat, aber vielleicht gibt es ja noch eine Überraschung.

Die roten Expertensofas und das drumherumgestellte Pommesbuden-Mobiliar sind bereits wieder besetzt und nach kurzer Anmoderation von Clarissa (erneut mit dem goldenen Kirmesoberteil deutlich overdressed) deutet sich der Soundcheck von Arbresha an.

4. SRF: Arbresha – Same Stars

Schweiz Expertencheck ArbreshaAbresha sieht im kleinen Schwarzen anständig aus und präsentiert sich mit ihrem Auftritt als  Lana del Rey Compact-Klon für den Kanton Zürich – mit dunkler aber doch femininer Stimme. Wir erfahren, daß sie kosovarische Wurzeln hat und gegen Vorurteile gegenüber Kosovaren ansingen will. Sie hat drei Backgroundsängerinnen dabei, die ebenfallsn adrett Bein zeigen und ganz in Schwarz gekleidet sind. Es braucht unbedingt (noch mehr) optische Impulse für diesen Song, der dahinplätschert, ohne auf einen dramaturgischen Punkt zu kommen. Midtempo-Songs, die sich nicht entscheiden könne, brauchen stärkere Variationen als sie hier geboten werden – weder stimmlich noch im Hinblick auf die Melodie gibt es nach einer Minute noch etwas Neues zu hören. Ganz nett aber nicht wirklich striking. Next.

Optik: 3,5 von 5 Punkten
Komposition: 2 von 5 Punkten
Stimme: 3,5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 2 von 5 Punkten

Ich habe Arbresha gerade mal bei facebook besucht, um die Wartezeit zu überbrücken. So viele andere haben das noch nicht getan, ihre Likes rangieren noch im mittleren dreistelligen Bereich. Aber immerhin herzt Abresha auf facebook einen Nino Halm, der ganz süss aussieht:

Nino Halm

5. SRF: Dahi – Destiny

Schweiz Expertencheck DahiOMG, gibt es in Lausanne eine Boutique, die sich auf Straßenstrich-Optik spezialisiert hat? Destiny scheint in diesem spezifischen Falle ein Synonym für ein schwarzes Kunstleder-Inferno zu sein. Sowohl Dahi (eigentlich ganz hübsch) als auch ihre beiden Backgroundsängerinnen, ihre beiden Tänzer und ihre Tänzerin tragen enge schwarze Lederklamotten und zeigen viel Haut. Die Frauen sind alle bauchfrei. Alle haben dazu hellbraune Wanderboots angezogen, eine atemberaubende Mischung. Und Dahi hat die eine Hälfte ihrer Sturmfrisur blond und die andere Hälfte schwarz gefärbt, das hat man in der Schweiz auch eher selten.

Schweiz Expertencheck DahiDie gewöhnungsbedürftige Trash-Optik täuscht fast darüber hinweg, daß Dahi nicht singen kann oder zumindest heute nicht bei Stimme ist. Dabei ist der Song ganz funky, ein rhythmisch animierender Groove mit mitreissenden Breaks. Nicht innovativ aber wirkungsvoll. Doch es braucht dafür eine „soulful voice“. Loleatta Holloway hätte diesen Titel aus dem Mittelmaß retten können. Dahi leider nicht.

Dramaturgisch würde der Song „Die grosse Entscheidungsshow“ anreichern, vor allem die schwarzen Nikolausmützen der Tänzer sind ein bizarrer Hingucker und guter Schenkelklopfer. Verdient wäre das Weiterkommen aber nicht.

Optik: 3 von 5 Punkten (für den Mut zum Trash)
Komposition: 2 von 5 Punkten
Stimme: 1 von 5 Punkten
Instant Appeal: 4 von 5 Punkten (pseudosexy und pseudo-provokativ erfreut die Bildregie)

6. SFR: Timebelle – Singing About Love

Schweiz Expertencheck TimebelleTimebelle wird von SFR als Multikulti-Band aus Bern angekündigt, das lässt Schlimmes befürchten. So kommt es dann aber gar nicht. Die Leadsängerin Miruna Manescu  kommt aus Rumänien und ist von einer fünfköpfigen Schweizer Poprockband – alles Absolventer der Berner Hochschule der Künste – gecastet worden, von denen einer serbische und ein anderer ungarische Wurzeln hat. Aber richtig – richtig! – sexy ist der oberarm-tätowierte Guitarist (Kristof), der aus unerfindlichen Gründen eine Fellmütze trägt. Eye Candy Alarm.

Der Poprocksong „Singing About Love“ kommt mitreissend rüber, die Wirkung wird etwas getrübt durch den doch beliebigen Text, was überwiegend deshalb auffällt, weil er mit starken Akzent vorgetragen wird. Alles in allem aber ganz ok, die Jungs rocken lässig, man merkt, daß sie sich stark mit ihrem Titel identifizieren, für den sie eine Stimme in Rumänien gefunden haben. Ein großes Highlight zwischendurch ist ein Saxophonsolo von Ema­nuel. Sympathisch wirken die Sechs auch.

Optik: 4 von 5 Punkten (für den Mut zum Trash)
Komposition: 4 von 5 Punkten
Stimme: 3 von 5 Punkten
Instant Appeal: 4,5 von 5 Punkten

7. SRF: Andy McSean – Hey Now

Schweiz Expertencheck Andy McSeanDer vollbärtige Andy aus St. Gallen tritt ebenfalls mit Bandformation an, dazu gehören auch zwei Backgroundsängerinnen. Er hat schon bei verschiedenen Castingformaten mitgemacht und arbeitet derzeit bei RadioFM1 in der Schweiz.

Das Angebot ist Hausmannskost – maximal. Der Midtempo-Popsong kommt solide aber auch eher langweilig rüber, „Hej Now“ wird nach meinem Geschmack ein paar Mal zuviel strapaziert, den soooo überdurchschnittlich catchy ist die Melodie leider nicht. Tut niemandem weh, aktiviert aber auch nicht wirklich das Ohr oder Tanzbein.

Schade, denn im Interview wirkt Andy überaus symathisch.

Optik: 3 von 5 Punkten
Komposition: 2 von 5 Punkten
Stimme: 3,5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 2 von 5 Punkten

8. SRF: Tiziana – We´re only human

Schweiz Expertencheck TizianaJetzt also die grosse Favoritin Tiziana, so entnehme ich zumindest der neu eingerichten WhatsUp-Gruppe, mit der ESC-Ereignisse wie das heutige koordiniert werden sollen, wo aber überwiegend über die Kleiderwahl von Sanna Nielsen diskutiert wird.

Tiziana hat die Favoritenrolle inne, weil sie TVOS (The Voice Of Switzerland) 2014 gewonnen hat. Ihr Auftritt hat dann auch etwas typisch the-voice-artiges, jede Castingshow hat ja so ihre eigenen Rituale. Sie steht da ganz allein (mehr als) vollschlank im Halbdunkel mit starker Stimme und dem passenden „Ich habe eine starke Stimme“ Gesichtausdruck. Dazu wallende Engelslocken, Pausbäckchen, süsses Zahnspange-Lächeln und ein etwas knappes aber hübsches rosafarbenes zweiteiliges Oberteil in XXL. Überaus televoting-kompatibel.

Ihr Midtempo-Song hat auch diesen Gefälligkeits-Appeal, hat zwischendurch aber zwei, drei wunderbare Tempi-Wechsel, die ihm von Adult Contemporary Radio Mainstream etwas absetzen.

Meins ist das nicht unbedingt, aber ich kann mir schon vorstellen, daß das Gesamtpaket beim Expertencheck gut ankommen könnte. Es würde vermutlich auch mediale Prügel geben, wenn die Jury Tiziana nicht zur Entscheidungsshow durchreicht. Aber gehört der Song wirklich zu den besten Sechs aus 18? I don´t think so.

Optik: 2,5 von 5 Punkten
Komposition: 3 von 5 Punkten
Stimme: 4 von 5 Punkten
Instant Appeal: 4 von 5 Punkten

P.S.: Ja, ich weiß, dass das WhatsApp heisst, WhatsUp ist halt mein individueller Bloggerjargon.

9. SRF: Thierry Condor – Open Heart Surgury

Schweiz Expertencheck Thierry CondorDas nenne ich mal einen ungewöhnlichen Songititel. Aber dann dazu in OP-Kitteln anzutreten, ist affig und ein bissel geschmacklos.

50-Something Thierry tritt mit vierköpfiger Band an, drei Männer (Guitars, Bass, Schlagzeug) und eine blondgelockte Keyboardplayerin. Alle in grünen Kitteln. Dabei passt das gar nicht zum Songtext, den abgesehen vom Titel handelt es sich um einen zuweilen relativ profanen Uptempo-Lovesong, der gut groovt und hier unter Wert verkauft wird.

Die Soundmelodie ist schmissig, musikalisch ist der Song definitiv in der oberen Hälfte des heute dargebotenen Portfolios. Rhythmus und Melodie harmonieren sehr gut, das macht die „originelle“ Kostümierung doppelt deplaziert, wie ein Gag, der nicht zündet.

Optik: 1 von 5 Punkten
Komposition: 4,5 von 5 Punkten
Stimme: 3,5 von 5 Punkten
Instant Appeal: 3,5 von 5 Punkten

Clarissa Tami, Schweiz Expertencheck

So, das war´s, Clarissa Tami hat die Livestream-Abschiedsworte gesprochen. SRF will gegen Mitternacht bekanntgegeben, welche sechs Titel am 31. Januar 2015 in der großen Entscheidungsshow in Kreuzlingen um die Wahl für den Schweizer ESC Titel für Wien konkurrieren werden.

Dabei ist zu beachten, daß es nicht alle achtzehn Titel miteinander konkurrieren, es werden drei Titel aus dem SRF Angebot ausgewählt, zwei Titel von RTS und ein Titel von RSI, was nach Meinung des Autors nur Deborah sein kann, die dann auch nach Wien geschickt werden sollte.

Was meint Ihr? Bis Mitternacht können wir alle noch gemeinsam spekulieren.

Tatsächlich entscheiden tun dann diese Damen und Herren:

  • Rafael Antonio, Choreograph
  • Freda Goodlett, Vocal Coach
  • Moritz Faccin, Director Strategic Marketing Universal (für SRF)
  • Catherine Colombara, Cheffe d’antenne Option Musique (RTS)
  • Nicola Locarnini, Musiker (für RSI)

 

Bis zur Bekanntgabe der Gewinner verabschiedet sich mit herzlichen Adventsgrüssen – auch im Namen von BennyBenny und Matthias – PRINZ Blogger Peter.

Nachtrag: Immerhin eine Viertelstunde früher als geplant stehen nun die sechs Finalisten fest:

SRF:

  • Tiziana – Only Human
  • Timebelle – Singing About Love
  • Andy McSean – Hey Now

 

RTS:

  • Licia Chery – Fly
  • Mélanie René – Time To Shine

 

RSI:

  • Deborah – Bring Me Back To 23

 

Damit verabschieden wir uns jetzt endgültig für heute. Danke für’s Lesen und für eure Kommentare.