Rona Nishliu im PrinzBlog-Interview: „Mein Lied soll Hoffnung spenden“

Sie singt zweifellos das geheimnisvollste Lied des gesamten Wettbewerbs. Albaniens ESC-Repräsentantin Rona Nishliu sprach am Rande des „Eurovision in Concert“ in Amsterdam mit PRINZ Blogger OLiver über ihren Titel „Suus“, ihr Kunstverständnis und den bevorstehenden Auftritt in Baku.

PRINZBlog: Der Text von „Suus“ ist geradezu lyrisch und wirkt in der Übersetzung sehr traurig. Worum geht es wirklich?

Rona Nishliu: Ja, er hört sich sehr traurig an und nimmt Bezug auf eine sehr schwierige Zeit, die ich hinter mir habe. Ich widme das Lied all jenen, die das Gefühl haben, es lohne sich nicht mehr an etwas zu glauben. Dabei gibt es immer ein Licht am Ende des Tunnels und danach sollte man suchen. Ich versuche eine Art innere Stimme zu reflektieren und zu vermitteln. Ich hoffe sehr, die Menschen verstehen, dass mein Lied auch Hoffnung spenden soll.

PRINZBlog: Albanien hat öfters den Siegertitel aus dem Festival i Këngës ins Englische übersetzt. Warum diesmal in Albanisch?

Rona Nishliu: Ich bleibe mit „Suus“ in der albanischen Sprache, weil jeder Song, jedes Kunstwerk am besten und am ausdrucksstärksten in seiner originären Sprache ist. Musik geht über Grenzen, über Länder und Sprachen hinweg. Englisch ist die internationale Sprache, in der wir in der ganzen Welt kommunizieren. Aber auch wenn wir einen Song in einer anderen Sprache hören, können wir, auch wenn wir die Worte nicht verstehen, doch die Gefühle auffangen und verstehen. Ich hoffe sehr, dass die Menschen das akzeptieren.

PRINZ Blog: Was bedeutet Musik für Dich?

Rona Nishliu: Für mich ist Musik, sich auszudrücken und anderen zu vermitteln, was man in bestimmten Momenten oder Lebensphasen fühlt. Daher glaube ich nicht, dass man einen Song immer absolut gleich singen kann oder sollte. Ich bin kein Roboter, sondern ein Mensch mit Gefühlen; an einem Tag fühlt man sich besser, an einem anderen schlechter und die emotionale Verfassung spürt man dann auch in der Performance, das Lied „lebt“ gewissermaßen.

PRINZBlog: „Suus“ musste um eineinhalb Minuten für den ESC gekürzt werden. Wie schwierig war das?

Rona Nishliu: Das war sehr schmerzhaft für mich. Jede Sekunde, die wir streichen mussten, tat mir weh. Der Titel bedeutet mir persönlich sehr viel. „Suus“ hat nun in der 3-Minuten-Fassung einen Chorus weniger, aber ich glaube, es ist gelungen, die musikalische Form zu erhalten. Der Song strahlt auch in der kürzeren Version die Kraft aus, die ich übermitteln möchte.

PRINZBlog: Welche Idee stand hinter dem Videoclip mit den kalten Räumen, der grotesken Maske und den spielenden Kindern?

Rona Nishliu: Das Video soll die Absurdität des Lebens in einer abstrakten Weise darstellen. Das Leben bringt uns immer wieder in absurde und unerwartete Situationen und dies sollten wir – ebenso wie positive Geschehnisse – annehmen, damit umgehen und immer nach den guten Dingen suchen. Die Kinder im Video stehen dabei auch für die Hoffnung.

Albanien 2012: Rona Nishliu – Suus (offizieller Videoclip)

PRINZBlog: Beim Festival i Këngës hast Du als gebürtige Kosovarin die versammelte albanische Popelite geschlagen. Wie waren die Reaktionen?

Rona Nishliu: Das Festival i Këngës ist eine Plattform, die seit jeher allen Albanern offen steht. Es ist also nicht besonderes, dass Albaner aus dem Kosovo, aus Mazedonien, Griechenland oder aus anderen Ländern teilnehmen. Ich habe überhaupt nicht erwartet zu gewinnen, weil „Suus“ alles andere als ein typischer Festivalsong ist. Ich war überrascht und habe mich sehr geehrt gefühlt, als Repräsentantin Albaniens für den ESC ausgewählt zu werden. In meinem Geburtsland Kosovo war die Reaktion wirklich überwältigend. Die Menschen waren sehr positiv und haben mich etwa auf der Straße angesprochen und mir viel Glück gewünscht.

PRINZBlog: Alle haben sich gefreut?

Rona Nishliu: Alle Albaner kann ich nicht sagen, denn das wäre eine Generalisierung und das wäre falsch. Kunst ist immer auch Kontroverse und Diskussion. Ich bin auch sehr offen für Kritik, aber ich kann sagen dass eine Vielzahl von Menschen den Song auf Anhieb mochten und verstanden haben. Ich habe viel Unterstützung erfahren und viel Energie daraus gewonnen.

PRINZBlog: Vertrittst Du damit auch den Kosovo, der bislang nicht beim ESC teilnehmen kann?

Rona Nishliu: Ich singe für alle Albaner in der Welt beim Eurovision Song Contest.

PRINZ Blog: Wie wird die Performance in Baku ausfallen?

Rona Nishliu: Das möchte ich noch nicht verraten, das soll noch ein Geheimnis bleiben, ich bitte um Verständnis.

PRINZBlog: Dann raten wir mal – wie wäre es mit einer einfachen Präsentation, welche die geheimnisvolle Stimmung aus dem Video transportiert, auf den Song fokussiert ist und keine Ablenkung durch Tänzer oder andere Elemente wie Feuerwerk etc. erfährt?

Rona Nishliu: Ein definitives Ja dazu.

PRINZBlog: Was hältst Du vom deutschen Beitrag „Standing still“ von Roman Lob?

Rona Nishliu: Das Lied, das von Jamie Cullum komponiert wurde? Das hat mir sehr gut gefallen.

PRINZBlog: Viel Glück für Baku!

Rona Nishliu in Amsterdam mit PRINZBlogger OLiver.

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