Rund um Kiew (13) – Stadtführungen mit Olga

Wie schon in meinem anderen Artikel in dieser Serie beschrieben, hat man während des ESCs wenig Zeit für Sightseeing. Dass es mir dennoch gelungen ist sehr viel über die ukrainische Kultur zu erfahren, habe ich größtenteils der Stadtführerin Olga zu verdanken. Voller Leidenschaft führte sie ihre Touren durch und erzählte jede Menge über Land und Leute. Jedoch ging diese Leidenschaft teilweise so weit, dass man sie manchmal bremsen musste (siehe Foto).

Kennengelernt habe ich Olga bei meinem Kurztrip in die Ukraine im Mai 2016. Damals habe ich über www.ua-tour.com eine Walking Tour durch Kiew gebucht (unter 10 EUR), die Olga geleitet hat. Im Laufe der Tour war mein Handyakku leer. Olga hat mir angeboten mit ihrem eigenen Handy Fotos zu machen und sie mir später über Facebook zu schicken. Dieses Angebot nahm ich sehr dankend an, da die Tour super war und wir uns jede Menge Sehenswürdigkeiten angeschaut haben.

Im Anschluss hatten wir immer wieder losen Facebook Kontakt. Olga hat mir zum Geburtstag gratuliert, frohe Weihnachten gewünscht und regelmäßig meine Fotos „gelikt“. Als ich ihr dann irgendwann erzählt habe, dass ich zum ESC für 2 Wochen nach Kiew kommen würde war sie hellauf begeistert. Sie schrieb mir sie könne es kaum erwarten und würde mir ein komplettes Sightseeingprogramm stricken. Ich würde von ihr wie ein Familienmitglied empfangen werden und könnte sogar in ihrer WG wohnen.

Das war mir dann doch etwas zuviel Nähe. Schließlich kannte ich sie kaum und hatte für Kiew meine eigenen Pläne. Dennoch wollte ich sie aber schon treffen, da ihre Stadtführung wirklich toll war und man von ihr jede Menge Insidertipps erhalten hat. Also verabredete ich mich mit ihr unverbindlich zu einem Kaffee.

Olga kam wie zu einem Date gekleidet. Gleich am Anfang gab es eine dicke Umarmung auch wenn sie sehr beleidigt war, dass ich mich erst an meinem dritten Tag in Kiew bei ihr gemeldet hatte. Nachdem sich der Ärger etwas gelegt hatte, erzählte sie mir jede Menge interessante Geschichten aus der Sowjetzeit, wie sie als Kind in armen Verhältnissen in der Ostukraine aufgewachsen ist und heimlich englisch gelernt hat, weil es ihre Eltern ihr verboten hatten, wie sie die Nachricht aus Tschernobyl erreichte als sie gerade aus dem Kindergarten nach Hause kam und wie sie monatelang für ihr erstes Fahrrad betteln musste. Auch erzählte sie von den Ereignissen in Kiew rund um die orange Revolution und auch die Aufstände im Jahr 2014. Es war super interessant ihr zuzuhören und wir haben uns fast 3 Stunden unterhalten. Sie bot mir an sämtliche Sehenswürdigkeiten in Kiew zu zeigen und ich musste ihr versprechen an ihrem Geburtstag paar Tage später mit ihr anzustoßen. Alles ganz nett, aber irgendwie hatte ich das Gefühl sie sei an mehr als nur Freundschaft interessiert.

In den nächsten Tagen wurde ich täglich von ihr via alle Social Media Kanäle (Whatapp, Facebook, SMS) nahezu bombadiert. Sie wolle mich unbedingt treffen und hätte mir so viel von Kiew zu zeigen. Aufgrund des vollen Probenplans hatte ich aber tatsächlich gar keine Zeit sie zu treffen. Da alle meine Versuche ihr klar zu machen ich sei nur an Freundschaft interessiert an ihr abprallten, aber ihre Stadtführungen und Insidertipps wirklich klasse waren, entschied ich zum nächsten Treffen Co-Blogger Marc mitzunehmen.

Und es lohnte sich. Olga führte uns zu einem geheimen Restaurant ganz in der Nähe vom Maidan (Ostannya Barykada). Von außen sieht es aus wie ein Museum und es ist überhaupt nicht zu vermuten, dass sich hinter der Eisenwand ein exklusives Restaurant befindet. Erst wenn man an der Rezeption das Passwort „Boritesya -Poborete“ nennt, welches vom ukrainischen Schriftsteller Taras Shevchenko stammt und soviel wie „Kämpfe und du wirst gewinnen“ heißt, öffnet sich die Wand und man kann eintreten.

Im Restaurant gibt es ausschließlich ukrainische Produkte. Das Essen ist äußerst lecker und trotz der Exklusivität preislich sehr erschwinglich. Ich entschied mich für die ukrainische Spezialität Chicken Kyiv.

Nach dem Essen ging es weiter zum Einkaufen. Marc wollte gerne ein traditionelles ukranisches Outfit. Olga half uns sehr dafür das richtige Geschäft zu finden und den Preis runterzuhandeln. Das Outfit stand Marc blendend beim deutschen Botschaftsempfang.

Wir verbrachten einen wunderschönen Tag mit Olga, an dem wir uns auch das Kiewer Höhlenkloster und das Motherland Denkmal anschauten. Als wir beim Motherland Denkmal preislich über den Tisch gezogen wurden, war Olga darüber so entsetzt, dass sie uns den Differenzbetrag aus eigener Tasche zahlen wollte. Letztendlich konnten wir aber, auch dank ihrer Hilfe, die Angelegenheit klären und erhielten das Geld zurück. Es war eines der ereignisreichsten Tage in Kiew.

 

Olga ist als Reiseleiterin definitiv zu empfehlen. Sie ist eine sehr liebe und herzensgute Person. Jedoch sollten nicht-heiratswillige Singles bei ihr immer aufpassen, dass sie einige Signale nicht falsch versteht und dadurch keine Mißverständnisse entstehen.

 

Vorschau: In der nächsten Folge werden OLiver und Matthias über das „Making of“ der Presseinterviews berichten.

Bisher in „Rund um Kiew“ erschienen:
(1) Auf dem Wege nach Odessa (Jan)
(2) Im Golden Circle und in der Fan Zone (Marc und BennyBenny)
(3) Network ESC, Teil 1 (diverse Blogger)
(4) Deutsche Delegation Deluxe (BennyBenny)
(5) Die Transen im Lift (Douze Points)
(6) Hetzjagd durch die Hauptstadt (OLiver und Peter)
(7) Überleben zu kleinen Preisen in Kiew (Tjabe)
(8) Die Qual der Wahl im Bloggerleben (Salman)
(9) Reise nach Tschernobyl (OLiver)
(10) Network ESC, Teil 2 (diverse Blogger)
(11) Hinter den Kulissen der PRINZ-Blog-Social-Media (BennyBenny)
(12) DJ’s in Not: Und sie wollen doch nur spielen (DJ Ohrmeister)