Rund um Kiew (3) – Network ESC, Teil 1


Während der zwei Wochen vor Ort eines Eurovision Song Contest trifft man als Blogger in der ESC-Bubble viele Menschen, alte und neue Bekannte  – ein internationales Panoptikum aus Delegationen, der Presse und dem Fankreis. Und meistens freut man sich darüber.

Wen haben wir wiedergetroffen, wer ist uns besonders in Erinnerung geblieben? Die Blogger schildern ihre liebsten, denkwürdigsten oder lustigsten Begegnungen in der Bubble:

BennyBenny traf Líam Clark, Melbourne Rubber Man 2016 alias Head of Press der estnischen Delegation:

Über unseren Bloggerkollegen Brent Davidson, der für escXtra schreibt und den ich schon seit dem ESC in Wien kenne, habe ich dieses Jahr den Australier Líam Clark kennengelernt. Die beiden wohnen nämlich in Australien in einer gemeinsamen WG (kleine Anekdote am Rande: Líam wurde mir von Brent als sein Housemate vorgestellt. Dank der Beschallung im Euroclub verstand ich aber zunächst Husband, das Missverständnis klärte sich dann aber später auf…).
Über Líam schreibe ich heute, weil er ein tolles Beispiel dafür ist, was für interessante und spannende Menschen man in der ESC-Bubble trifft. Líam hat nämlich auch mal in Estland gelebt und war dieses Jahr Teil der estnischen Delegation als Head of Press und Teil des Kommentatorenteams (das Foto oben zeigt ihn mit Koits Outfit). Gleichzeitig trägt er aber auch den ehrenvollen Titel „Melbourne Rubber Man 2016“ (siehe Foto unten). Celebrate Diversity!


Übrigens: Wer gerne mal Teil der estnischen Delegation werden möchte, kann sich aktuell um den Titel „Melbourne Rubber Man 2017“ bewerben…

 

Douze Points traf Carola Conze (Head of Delegation) aus Deutschland:

Es gibt sicher einfacherere Jobs beim ESC als Head of Delegation. Für Deutschland hat in diesem Jahr Carola Conze die Aufgabe zum zweiten Mal übernommen. Sie war beim gesamten Auswahlprozess des deutschen Beitrags beteiligt und hielt natürlich auch vor Ort die Fäden in der Hand. Das kann man verbissen machen. Man kann dabei unnahbar sein. Oder man ist fokussiert, cool und menschlich. So wie Carola.

Im Vorfeld von Stockholm 2016 haben wir uns kennengelernt – und schätzen uns seitdem. In Kiew sind wir uns bei verschiedenen Veranstaltungen immer wieder begegnet, haben uns begrüßt und miteinander geredet. Besonders im Gedächtnis bleibt mir unser Treffen im Pressezentrum vor dem Finale am Samstagabend. Zusammen mit Jens von stern.de saßen wir zu dritt zusammen und besprachen Erwartungen, Hoffnungen und Ängste für den Abend. Aber wir beredeten auch das, was nach dem ESC kommen sollte. Ganz menschlich und nahbar, ohne unprofessionell zu sein. Ein schöner ESC-Wiedersehens-Moment.

 

Tjabe traf Jeroen Smits, songfestivalweblog.nl:

Per Zufall entdeckte ich in den 2000-er Jahren eine niederländische Eurovisions-Website, die mir vom Lesen her gleich gut gefiel. Songfestivalweblog.nl fand seinen Platz in meinem täglichen Internetstudium. Insbesondere der niederländische Bezug erweckte mein großes Interesse. Vor allem im Zeitraum November bis Mai konnte ich es kaum erwarten, die Seite anzuklicken. 2010 durfte ich zum ersten Mal für den PRINZ-Blog vor Ort sein und da war es mir besonders wichtig, die Macher der Website in Oslo kennenzulernen. Kollegen einer englischsprachigen Website, die von den Niederlanden aus geleitet wurde, stellten mir Jeroen Smits vor. Zunächst blieb es bei freundlichen Grußfloskeln, doch von Jahr zu Jahr wurden die Gespräche länger und intensiver. Die Macher von Songfestivalweblog.nl verfügen über fantastische Informationen vorallem aus dem BENELUX-Raum.

Mittlerweile sind wir über die üblichen Gespräche ob der genialen Kameraführung der Common Linnets oder über das Trijntje-Kleid-Gate hinweg. In Kiew nahmen die drei Damen von OG3NE nur einen kurzen Moment in der Gesprächsführung ein. Ausgiebig wurde die Weltpolitik diskutiert und der Erfolg von Mark Rutte bei den Wahlen in den Niederlanden besprochen. Natürlich alles in Niederländisch. Auch konnte ich die Blogkollegen für ihre Presseschau mit Jeroen einen kompetenten Gesprächspartner liefern. Via Eurovision in Concert rückten der PRINZ-Blog und Songfestivalweblog.nl näher zusammen. Über Facebook sind Jeroen und ich nun auch befreundet und es wird sicherlich wieder viel zu diskutieren geben, wenn man sich hoffentlich in Lissabon wiedersieht.

 

OLiver traf Ernest Palacin aus Barcelona, Spanien:


Ernest kenne ich schon seit meinem allerersten ESC vor Ort, damals vor 22 Jahren 1995 in Dublin. Damals schmetterte Anabel Conde in der Pressekonferenz mal eben Whitney Houstons größten Erfolg vor gerade mal 25 anwesenden akkreditierten Journalisten, das waren noch Zeiten… Damals wie heute berichtet Ernest für einen katalonischen Radiosender über den ESC, er ist einer der wenigen „echten“ Journalisten im (früher meist extrem aufgeblähten) spanischen Pressetross. Über die Jahre hinweg sind wir uns immer wieder begegnet und haben uns gegenseitig über die jeweiligen Besonderheiten unserer Beiträge beklagt ausgetauscht. Ernest hat mir auch erklärt, warum spanische Fanclubtreffen völlig anders ablaufen als deutsche.
Diesmal traf ich ihn in der zweiten Woche und konnte ihn gleich fragen, wo man in Barcelona ein Public Viewing des ESC abhält (eine Frage aus dem Blogger-Umfeld, die sonst niemand beantworten konnte, Antwort: Im Multiplexkino Aribau). Habe ihn dann auch gleich für unsere Presseumfrage gewonnen. Zufällig saßen wir dann im Finale nebeneinander und wetteten, wer von unseren beiden Ländern Letzter wird. Als Manel dann den langen Ton versemmelte, stöhnte Ernest schmerzhaft auf und die Spanierinnen vor uns versteckten sich peinlich berührt unter einer riesigen schwedischen Fahne. Da war ich mir sicher, ich gewinne die Wette.

 

DJ Ohrmeister traf Andrey Yurets, ukrainischen Vocal Coach aus Moskau:

Andrey ist ein medial-musikalisches Multitalent, was man so gar nicht auf den ersten Blick vermutet, wenn man ihn trifft. Denn in der Bubble ist er meist als Teil einer bunten, lustigen Clique aus Ukrainern unterwegs, gibt sich eher zurückhaltend und wirkt wie ein… „ganz normaler“ Fan. Wir kennen uns schon seit 2013, haben in Kopenhagen und Stockholm zusammen gefeiert und uns immer wieder mal lange unterhalten, auch über sehr Privates, was man in der Bubble nicht unbedingt mit jedem teilen würde. Andrey stammt ursprünglich von der Krim und leitet aktuell als Vocal Coach eine eigene Musikschule in Moskau. Er hat in der Ukraine aber auch schon als TV-Moderator und Sänger gearbeitet – und auch in Kiew beim ESC stand er im EuroVillage und im EuroClub auf der Bühne.
Eines Abends kam ich spät aus dem Pressezentrum im EuroClub an und seine Clique aus Fanjournalisten und Volunteers nahm mich kurzerhand auf und versorgte mich für eine ganze Weile mit Cocktails… Letztes Jahr in Stockholm bot er mir an, uns bei der Wohnungssuche in Moskau zu helfen, falls Sergey gewinnen würde. Und dann kam alles ganz anders, und wir trafen uns jetzt im Mai in seinem Heimatland wieder. Was für ihn als Wahl-Moskauer mit Familie auf der Krim sicherlich was ganz Besonderes war, uns alle in Kiew begrüßen zu können. Djakuju, Andrey!

Einen weiteren Teil des „Networks ESC“ mit den Begegnungen der Blogger Marc, Matthias, Jan, Salman und Peter bringen wir später im Rahmen dieser Serie. In der nächsten Folge geht es ersteinmal um Levina in Kiew in den Worten desjenigen Bloggers, der ihr am nächsten kam.

Bisher in „Rund um Kiew“ erschienen:
(1): Auf dem Weg nach Odessa (Jan)
(2): Im Golden Circle und in der Fan Zone (Marc und BennyBenny)