Rund um Kiew (6) – Hetzjagd durch die Hauptstadt

Manchmal wird es eng. Und wenn einmal etwas schief geht, kommen meist noch weitere unvorhergesehene Ereignisse hinzu. Unsere Red Carpet-Berichterstattung in Kiew hing an einem seidenen Faden. Das Drama haben wir hier noch einmal nachvollzogen.

Nachfolgend die Ereignisse vom Sonntagnachmittag, nachdem die letzten Einzelproben inklusive Levinas zweiter Probe absolviert waren. Eine leicht dramatisierte Blogger-Fassung in mehreren Kapiteln, abwechselnd erzählt von OLiver und Peter:

 

1. Uber geht überraschend über U-Bahn (OLiver)

Ein halber freier Tag, hurra! Nach dem schauerlichen spanischen Fiasko, das ich die Ehre hatte für den Blog zu besprechen, habe ich noch zwei Fanpressestimmen nebst Fotos für unsere Presseschau zu Levinas Auftritt eingesammelt. Nun stopfe ich meine Sachen in meinen Rucksack, in dem bereits ein Handtuch schlummert. Am mutmaßlich letzten sonnigen Tag (für die zweite Probenwoche ist ein heftiger Temperatursturz angesagt) will ich die freien Nachmittagsstunden unbedingt zwanglos am Strand verbringen.

„Was denn für ein Strand? Wir sind hier 500 Kilometer von der Küste entfernt, falls es Dir noch nicht aufgefallen sein sollte“, brummt Jan, der über die ukrainische Schwarzmeerküste (Bericht hier) angereist war. „Ich habe recherchiert, dass es Strände auf den Inseln im Dnjepr gibt“, entgegne ich, auch wenn ich keine Ahnung habe, ob ein Bad in dem Gewässer womöglich umgehend zu schweren Stoffwechselstörungen führt.

„Wer kommt mit? Wir fahren in die WG“, ruft Volli, der noch ein anspruchsvolles Nachmittagsprogramm vor sich hat. Denn um 16 Uhr, in gut zwei Stunden, findet das Red Carpet Event irgendwo in Kiew statt, das er gemeinsam mit Peter fotografieren soll. Das Problem: Peter kommt erst jetzt aus Hamburg am Flughafen an. Sie wollen sich in der WG treffen. „Wir nehmen ein Uber“, schlägt DJ Ohrmeister vor, denn Kollege Douze Points hatte uns von der einfachen Handhabung der Taxiersatz-App vorgeschwärmt („Kein Verhandeln mehr, günstige Preise, schnuckelige Fahrer“).

Jan und DJ Ohrmeister haben Besichtigungspläne und wollen auch rasch in die WG zurück. Wir eilen zum Ausgang, der Uber-Wagen ist schon angefordert und ich entscheide mich kurzfristig auch mitzufahren, denn so werde ich meinen Rechner und den Inhalt meines Pressefachs los und kann auch noch die am Morgen vergessene Schwimmhose einpacken. Geht ja schnell. Wir stürmen im Laufschritt aus der Halle und an den Sicherheitskontrollen vorbei und erreichen den Vorplatz der Halle, wo Shuttlebusse für die Delegationen, einige Taxis und sehr viel Security herumsteht. Wir hasten zur mehrspurigen Verkehrsachse vor, dort soll der Uber-Fahrer uns einsammeln.

Hier herrscht noch keine Hektik – der Vorplatz der Halle mit sonnenbeschienenem Blogger

Wir versuchen, die Kennzeichen der ankommenden Autos zu entziffern. Volli hat den Namen des Fahrers, das Automodell (nicht, dass uns das eine Hilfe ist) und eben die Autonummer erhalten. Keine 10 Meter neben uns wartet eine weitere Gruppe. Die Dame mit der Sonnenbrille kommt mir irgendwie bekannt vor und ich taste nach meinem Inhalator. „Breathlessly? Passt ja“, meint Jan verschmitzt, „was macht sie da nur, haben die denn keinen Bus?“ Claudia Faniello ist umgeben von reichlich Delegationsmitgliedern, die ihr alle nur bis zur Brust gehen.

„Womöglich gibt es den Transport nur für die BIG5 oder nur gegen Vorkasse?“, schlage ich als Erklärung vor. Wir warten und haben Blick auf die hier überirdisch angelegte Metrostation, wo eine direkte Linie zu unserer Blogger-WG am Maidan führt. Gerade verlässt ein Zug die Station. „Warum dauert das denn so lang?“, fragt Volli, der nach Hause will, um seine Kamera-Ausrüstung zu wechseln. „Er müsste gleich da sein“, sagt DJ Ohrmeister. Meine Aufmerksamkeit liegt noch auf Schneewittchen mit den sieben Zwergen aus Malta und ich frage mich, warum die eigentlich alle so klein sind, Claudia und ihre Brüste mal ausgenommen. „Na, damit sie alle auch auf ihre kleine Insel passen“, weiß Jan.

Endlich kommt unser Uber-Car. Wir beeilen uns mit dem Einsteigen, was sich als schwierig herausstellt, denn wir sind vier, es war aber nur ein Wagen für drei bestellt. Normalerweise sollte das kein Problem sein, aber unser junger Fahrer protestiert erstmal, und als wir uns darüber hinwegsetzen, hat der Wagen auf der Rückbank in der Mitte auch noch eine feste Barriere. Volli mit seinen vielen Fototaschen steigt schnell vorne ein und wir beschließen, dass der kleinste Hintern in die Mitte muss. Ohrmeister sitzt also auf der Barriere halb nach vorn gebeugt, während Jan und ich besorgniserregend an die Außentüren gedrückt werden. Hoffentlich hält die Verriegelung. Naja, dauert ja nicht lang, Der Fahrer spricht fast kein Englisch und braust los Richtung Dnjepr.

 

2. Ankunft in Kiew-Borispol (Peter)

Mein Red-Carpet-Sonntag beginnt entspannt in einem wunderschönen Landhotel in Nordhessen – morgens um 4:00 Uhr muss ich aufstehen. Ich hatte berufsbedingt an einer Tagung teilgenommen und war nach dem abendlichen Get-Together erst gegen 1:30 Uhr aufs Hotelzimmer gegangen, die Nacht war also kurz. Aber ich bin voller Adrenalin in Erwartung, endlich in der Bubble zu landen.

Nach 100 Minuten Taxifahrt erreiche ich überpünktlich den Flughafen in Frankfurt. Den Risikopuffer von einer Stunde hätte ich nicht gebraucht. Aber ich habe ein Upgrade-Schnäppchen in die Business Class nachgebucht, so kann ich in der Lufthansa Lounge entspannt frühstücken.

Was ist cooler – Brille oder Schild?

Von Hektik noch keine Spur. Am Flughafen erwartet mich unser cooler WG-Host Valerio, mit dem ich zunächst mein Gepäck in die WG bringen will, um danach zum Pressezentrum weiterzufahren, um meine Akkreditierung abzuholen, um wiederum danach mit Valerio das finale Ziel, den Red-Carpet-Einlass, anzusteuern. Leider habe ich diese Planung ohne Rückkopplung mit den verkürzten Öffnungszeiten des Pressezentrums gemacht…

 

3. Fiasko mit Navi (OLiver)

Wir brausen über die Dnjepr-Brücke und ich erhasche einen Blick auf den Strand, an dem ich in Kürze zu liegen gedenke. Er ist nämlich nur eine Metrostation von der Halle entfernt und offenbar leicht zu erreichen, man muss nur mit einem Boot auf eine Insel inmitten des Flusses übersetzen. „Peter ist angekommen, hoffentlich ist nicht so viel Verkehr, der Red Carpet beginnt ja schon um vier“, sagt Volli und zeigt uns das Bild vom Flughafen, das Peter in unsere bloggerinterne WhatsApp-Gruppe gepostet hat.

„Ich möchte auch mal mit einem Schild empfangen werden“, meine ich. „Sind ja sehr entspannt, aber wie lange ist das Akkreditierungsbüro noch offen?“, fragt Jan. Wenn in der Halle nichts mehr los ist, wird nämlich ganz schnell geschlossen. „Warum trefft Ihr Euch in der WG? Die Halle ist doch zwischen dem Flughafen und dem Zentrum?“, fragt DJ Ohrmeister. Volli denkt nach und smst Peter, er soll unbedingt zuerst zur Halle fahren, sonst wird es zeitlich einfach zu knapp. Und ohne Akkreditierung kann er nicht auf den Red Carpet.

Plötzlich geht es nicht mehr weiter, die Straße ist gesperrt und wir müssen abbiegen. „Ach ja, alles um den Maidan herum ist ja abgesperrt wegen der Feiern zum Weltkriegsgedenktag“, sagt Jan. Und noch eine Absperrng, und noch eine… wir fahren im Kreis und unser Fahrer fängt an, hektisch zu telefonieren. Was nun? Wo sind wir? An einer Kreuzung stoppen wir und der Fahrer bedeutet uns, dass er uns nicht zum Ziel bringen kann.

Original-Bild aus dem Uber-Car

„Are you kidding?“, fährt Volli aus der Haut. Es muss doch Schleichwege geben, aber dazu muss man sich eben auch auskennen und der Fahrer scheint nur sein Navigationssystem zu kennen. Volli regt sich nun zurecht auf, warum denn eine solche Fahrt angenommen wird, wenn sie nicht klappen kann. Der Fahrer mault zurück, na und, wir seien ja auch vier und nicht drei (da hat er recht). Er meint zudem, wir wären ganz in der Nähe des Maidan und müssen nur die Straße zurücklaufen. „Das stimmt nicht“, sagt Jan, „wir sind mindestens 3 Kilometer vom Maidan entfernt, das ist wohl der übliche Touri-Trick“.

Es ist 14:15 Uhr. Mit der Metro wären wir schon zu Hause. Jetzt kommen wir nicht weiter. Wir können unmöglich laufen mit all den Taschen. „Der soll uns da vorn absetzen, da fahren wir das letzte Stück mit der Metro!“, ordnet DJ Ohrmeister an. Volli schimpft, kürzt die Rechnung und wird richtig biestig. Der Fahrer brüllt zurück. Die Zeit läuft uns davon. Und wir laufen ihr hinterher, an Passanten vorbei auf die nächstgelegene U-Bahn-Station zu. Glücklicherweise ist es eine Station unserer roten Linie, wir müssen also nicht auch noch umsteigen. Ich merke nun, dass ich nicht sonderlich auf derartig spontane sportliche Aktivitäten eingerichtet bin, in meinem Kopf läuft zudem auch noch wegen der plötzlichen Dramatik die Titelmelodie von „Die Straßen von San Francisco“.

Unsere WG liegt am Kreuzungspunkt der roten mit der blauen Linie. Vier Stationen gen Osten am anderen Ufer des Dnjeprs liegt die Halle, in der der ESC stattfindet. Die Entfernungen zwischen den Stationen sind recht groß, zumal das Stadtgebiet auch noch hügelig ist.

 

4. Unbemerkte Deadline (Peter)

Die Autofahrt mit Valerio in die Stadt vergeht wie im Fluge. Die Chemie zwischen uns stimmt von Anfang an und wir sind sehr schnell in ein intensives Gespräch vertieft – über sehr ernste Themen wie den Krim-Konflikt, über sehr persönliche Erfahrungen genauso wie über Valerios Abenteuer in Deutschland als Heranwachsender, wo er in einer bayerischen Brauerei gejobbt hatte.

Unser Dialog ist so beanspruchend, dass ich die regelmäßig eintreffenden WhatsApp-Nachrichten vorläufig ignoriere. In der Hochsaison kommt die PRINZ-Blogger-WhatsApp-Gruppe schon einmal auf 200 text messages am Tag, die Tonsignale, dass neue Nachrichten eingegangen sind, haben für mich also nichts mehr Alarmierendes.

Wir kommen flott voran, von einer Straßensperrung bekomme ich zunächst nichts mit. Entspannt erreichte ich gegen halb drei mit Valerio den Maidan und unsere Blogger-WG. Der Red Carpet soll um 16 Uhr beginnen. Genug Zeit, um auf dem Weg auch noch die Akkreditierung zu holen, denke ich…

 

5. Blogger in der Unterwelt (OLiver)

„Das ist Arsenalna“, ruft Jan, der die Station erkennt, weil er hier in den ersten Tagen des Aufenthalts schon mal war. Wir hetzen in den Eingang und ziehen im Laufen unsere ESC-Metro-Karte hervor. Jetzt keine Zeit mehr verlieren, jede Minute zählt. Volli vorne weg, dann DJ Ohrmeister und Jan, und ich keuche hinterher. Wir erreichen die Rolltreppe und ich will mich erleichtert ein wenig ausruhen. „Weiter, weiter, nicht stehenbleiben!“, hallt es zurück zu mir.

Es geht sehr tief runter…

Wir steigen also so schnell es geht die Stufen hinab und ich erkenne mit Erschrecken, dass das Ende der Rolltreppe gar nicht zu sehen ist. Als die Rolltreppe endet, ist da eine weitere, gefühlt noch länger. Wir schieben uns an den Menschen vorbei und fluchen hörbar. „Arsenalna ist übrigens die tiefstgelegene Metrostation der Welt“, informiert uns Jan mit der Akuratesse eines engagierten Reiseführers. Auch das noch! Jetzt müssen wir also auch noch einen Umweg über den Mittelpunkt der Erde machen. Dabei sollte ich schon längst entspannt am Strand liegen und meine Blicke über friedlich im Wasser planschende Sicherheitskräfte gleiten lassen.

Und die Rolltreppe ist voll besetzt. Dann geht es plötzlich nicht mehr weiter. „Was ist los?“, kommt es von Jan. „Ein Rentnerstau“, brummt Volli von vorn. Was? Ein älterer, reichlich klappriger Herr mit Hut und Stock steigt bedächtig Stufe für Stufe herab und lässt sich von DJ Ohrmeister und Volli nicht aus der Ruhe bringen. Wir kommen nicht vorbei. Unglaublich. Jan fängt an zu lachen und auch ich kann mich der Absurdität der Situation nicht mehr verschließen und erleide einen Lachkrampf.

Endlich unten angekommen, kann ich immer noch nicht aufhören mir den Bauch zu halten, zumal die Metro offenbar gerade weg ist, denn der Bahnsteig ist leer. Nach einer Auswahl an Bloggerflüchen berappeln wir uns. „Lasst uns wenigstens ganz hinten einsteigen, dann sparen wir einiges an Weg beim Ausstieg“, schlägt DJ Ohrmeister vor. Gute Idee, es geht jetzt um Minuten, das könnte das entscheidende Kriterium sein. Als wir das Ende des Bahnsteigs erreicht haben, kommt auch schon die Metro. Von der anderen Seite.

Wir sind so nah am Mittelpunkt der Erde, da kann man eben nicht mehr klar denken… Zum Glück ist nur eine Station zu fahren. Wir rasen die Rolltreppe in unserer Metrostation Kreschatyk nach oben. Niemand lacht mehr. Glücklicherweise erinnert sich DJ Ohrmeister an den richtigen Ausgang, es gibt hier nämlich zwei, deren Beschriftung aber unter Tage miteinander vertauscht ist (!). Ich fand mich schon nach falscher Ausgangswahl auf einem Hügel ganz woanders wieder und musste eine ganze Ecke herumirren, bis ich den Weg zu unserer WG fand.

Blogger hetzen zur WG am Maidan

Als wir das Tageslicht erreichen, fällt mir auf, dass ich ja gar nicht zum Red Carpet muss. Ich muss mich nicht beeilen, ich habe frei. Und Peter ist ja direkt zum Akkreditierungscenter gefahren, denke ich. Es müsste also alles gerade noch klappen. Nach fünf Minuten haben wir unser zehnstöckiges Gebäude erreicht und müssen feststellen, dass der Aufzug außer Betrieb ist. Die WG ist im achten Stock! Heute bleibt einem auch nichts erspart. Ich verliere die anderen aus den Augen, mein Blickfeld verengt sich tunnelartig und ich taumele irgendwann oben angekommen umgehend zum Sofa. Es ist kurz nach 14:30 Uhr.

 

6. Die Minuten verrinnen… (Peter)

In diesem Falle hätte ich die Blogger-SMS unbedingt lesen sollen, denn als Valerio und ich in der WG eintreffen, schaut uns ein ebenfalls gerade eingetroffener Fotograf Volli entgeistert an. „Was wollt Ihr denn hier? Ich hab‘ Dir doch geschrieben, dass Du zunächst ins Pressezentrum fahren musst, das macht gleich dicht.“

Von da an ist die Stimmung maximal unentspannt. Volli rafft seine Fotoausrüstung zusammen und wir stürzen um Punkt 14:39 mit Valerio aus dem Haus (achter Stock!) zurück zu seinem PKW. Uns bleiben also 20 Minuten. Die Chancen, das Akkreditierungscenter vor Schließung um 15 Uhr zu erreichen, sind sehr überschaubar. Ohne Akkreditierung kann ich den Red Carpet vergessen. Ich zermartere mir das Hirn über einen Plan B, aber wie Levina fällt mir keine Alternative zu meinem Plan A ein, ich muss die Akkreditierung pünktlich kriegen.

Anders als diverse Uber-Fahrer, die wir in den Tagen danach in Kiew erlebt haben, ist Valerio exzellent ortskundig. Aber was nutzt das, wenn wegen der Eröffnungsfeier weite Teile der gängigen Wege zur Halle gesperrt sind? Immer wieder stoßen wir auf Straßensperren, immer wieder muss Valerio flexibel und dynamisch umdisponieren, während Volli und ich im Wagen schwitzen. Das sind die schlimmsten 20 ESC-Minuten, die ich je erlebt habe.


Eine Minute vor offizieller Schließung erreichen wir die Halle. Volli zeigt von der Rückbank nur auf das Akkreditierungsbüro. Ich nehme meinen Reisepass und renne los. Meine Fotoausrüstung und alles andere lasse ich zurück, für ein Abschiedswort an Valerio bleibt keine Zeit. Etwa 250 Meter muss ich zu Fuß zurücklegen, zweimal stoppen mich Polizisten wegen Hysterieverdacht, aber am Ende erreiche ich den Sehnsuchtsort „Accreditation Center“ gerade noch rechtzeitig. Und das nicht mal als Letzter, nach mir wird sogar noch jemand eingelassen.

Zwar haben die charmanten Volunteers die Arbeitsplätze schon weitgehend (auf)geräumt, aber mit sanftem Druck („I am not leaving without my accreditation!“) komme ich unverhofft und gerade noch sonntäglich-pünktlich an meine Akkreditierung und damit zum Red-Carpet-Einlassticket. Ich bin wie in Trance und von der Rennerei am Ende endgültig nassgeschwitzt.

 

7. In der Blogger-WG (OLiver)

…ist zu diesem Zeitpunkt auf dem Sofa eingeschlafen…

 

8. Red Carpet (Peter)

Nach Empfang der Akkreditierung taumele ich aus dem Press Office in die strahlende Sonne. Volli kommt mir mit zwei Fotoausrüstungen, meiner Tasche und meiner Jacke entgegen. Valerio ist schon von dannen, Privat-PKW dürfen in der Einlasszone vor der Halle nicht warten. Aber Volli hatte mir noch nachgerufen, dass es einen Shuttle zum Red Carpet gibt, den können wir nehmen.

Ich habe kein Geld (keine Landeswährung), zum Tauschen war keine Zeit mehr gewesen, aber vor allem habe ich keine Sonnencreme. Die brauche ich aber dringend, denn der Red-Carpet-Sonntag ist richtig heiß und ich bin bis dahin noch keinen Tag in der Sonne gewesen. Ich bettele bei etwa drei Dutzend Leuten im Bus um Sonnencreme, aber niemand kann mir helfen. Erst eine Stunde später kommt in Form von Sven vom KiKa die Erlösung, bis dahin bin ich aber schon rot gegrillt, wie man auf diesem Selfie mit Red Carpet Queen Alma gut sehen kann.

Wie rot darf es denn sein? Medium rare oder Well done?

Neben Sven mag ich an dieser Stelle auch Martin Schmidtner von Vorwärts.de danken. Denn er versorgt mich großzügig mit Landeswährung, so dass wir uns die Zeit bis zum Eintreffen der aufgebretzelten Delegationen mit kalten Drinks vertreiben können.

Der Red Carpet selbst (der längste, den es jemals gab) ist dann sehr beschwingt, für mich ein wunderbarer Einstieg in die Bubble, da ich dort logischerweise viele befreundete Fans und (Fan-)Journalisten erstmals seit Stockholm 2016 wiedersehe. Unsere besten „offiziellen“ Red Carpet Momente haben wir hier und hier für Euch zusammengefasst.

 

9. Nachklapp (OLiver)

Ich reiße mich dann nach dem Powernap doch noch zusammen und breche nach einem kräftigenden Glas Kakao um 15.45 Uhr wieder auf. Diesmal klappt alles wie am Schnürchen, zurück in die Metro und dann zu Fuß und per Boot zum zu diesem Zeitpunkt schon reichlich leeren Strand, der sich überraschenderweise als Naturistenparadies entpuppt. Na gut, ich wollte es ja zwanglos. Dort kann ich immerhin noch knapp eineinhalb Stunden in der Abendsonne liegen, ein kurzes Bad im leicht grünlichen Dnjepr nehmen (für Schwimmen ist es dann doch zu kalt) und tatsächlich ein paar einheimischen Sicherheitskräften bei der Freizeitgestaltung ohne Uniform zusehen. Das Leben ist schön!


Vorschau:
In der nächsten Folge schildert Tjabe seine Eindrücke von den Facilities der Halle, des International Exhibition Centres.

Bisher in „Rund um Kiew“ erschienen:
(1): Auf dem Weg nach Odessa (Jan)
(2): Im Golden Circle und in der Fan Zone (Marc und BennyBenny)
(3): Network ESC, Teil 1 (diverse Blogger)
(4): Deutsche Delegation Deluxe (BennyBenny)
(5): Die Transen im Lift (Douze Points)