Rund um Kiew (7) – Überleben zu kleinen Preisen in Kiew

Leider kann auch der Eurovisionsfan nicht allein von Luft und Grand Prix Musik leben. Da kann der Austragungsort einen noch so glänzenden Namen tragen, wenn es an den elementaren Dingen des Lebens mangelt, ist schnell das Bild der Stadt getrübt. Kiew konnte im Großen und Ganzen einen guten Eindruck hinterlassen und braucht die Konkurrenz aus Skandinavien nicht zu scheuen. Man bekam zumeist viel für wenig Geld.

Wenn man im jeweiligen Austragungsort des Eurovision Song Contest landet, geht es zunächst einmal darum, wo komme ich unter. Im nächsten Schritt geht es dann schon auf den Weg zur Halle, um seine Akkreditierung abzuholen. Anschließend erobert man das Pressezentrum und versucht zu lokalisieren, wo man alles findet, damit die Arbeit in ein angenehmes Ambiente gepackt ist.

Pressezentrum in Kiew, in der ersten weniger stark frequentierten Probenwoche mit viel Platz für Blogger

In Kiew lag die Halle des International Exhibition Centres zwar etwas außerhalb, jedoch ließ sich der Weg vom Zentrum am Maidan bis zum Pressezentrum in etwas mehr als 30 Minuten bewältigen. Eine gute U-Bahn Anbindung ist schon was schönes. Ein paar Stationen und schon ist man da. Da nimmt man auch den Fußweg von der Haltestelle bis zur Halle in Kauf. Das war schon sehr bequem. In Kopenhagen und Oslo warteten ellenlange Busfahrten auf die Blogger und eine schnelle Rückkehr in die Blogger-Unterkunft war unmöglich.

Wenn man den Sicherheitscheck am Einlass erfolgreich passiert hatte, war man auch schnell in den heiligen Hallen des Pressezentrums. Die Sicherheitskontrollen liefen in Kiew etwas anders ab. Der gewohnte Standard, alles Metallische aus den Taschen, hatte in der Ukraine nicht den Vorrang. Hier wurde sehr viel wert auf die technischen Gertäte gelegt. Bitte einmal einschalten war die Devise. Pech für denjenigen, dessen Akku grad versagte. Trotzdem blieben die Sicherheitskräfte sehr freundlich und zum Teil entschuldigen sie sich für die Unannehmlichkeiten.

Sicherheitskräfte wollten nicht fotografiert werden. Hier geriet ein Exemplar zufällig aufs Bild

Generell muss man der Ukraine ein großes Kompliment in Bezug auf die Sicherheit geben. Man fühlte sich immer gut beschützt. An allen Plätzen und Orten war Security, Polizei oder Militär präsent, aber man fühlte sich nicht bedroht durch die Sicherheitskräfte, sondern konnte die Atmosphäre wesentlich besser genießen. Selbst der Aufmarsch der Truppen rund um die Halle am Finalabend schüchterte nicht ein. Man lief brav zum Pressezentrum, während sich neben einem eine Kompanie formierte.

Matthias in der Keller-Kantine

In jedem Jahr erwartet den Blogger ein anderes Sortiment für das leibliche Wohl und immer wieder ist etwas anderes umsonst. In Kiew konnte man lediglich das Wasser für umsonst erhalten, alles andere liess sich jedoch für wenig Geld erwerben. Es gab im Pressezentrum selbst eine kleine provisorische Theke, an der kleinere Snacks und Getränke gereicht wurden. Vor der Tür der Halle gab es ein etwas umfangreicheres Bistro, dass auch ein Mittagsmenü anbot.

Büffet im Vorraum des Pressezentrums

Erstaunlicherweise gab es keine einheitliche Preisliste, so dass man erst mal herausfinden musste, dass der weitere Weg zum Bistro außerhalb der Halle sich für einen günstigeren Kaffee lohnte. Auch die Ausschankmethoden ließen manchen Blogger ratlos zurück. So musste das Softgetränk aus einer Flasche in einen Becher umgefüllt werden. Die Flasche durfte man nicht mitnehmen, obwohl es mit all den technischen Geräten besser gewesen wäre keine offenen Getränke am Platz zu haben. Ähnlich verlief es auch im Euroclub, wo das Bier aus der Dose oder Flasche in einen Plastikbecher umgefüllt wurde, welche dann zu Hauf auf der Tanzfläche liegen blieben.

Colagetränke waren sehr erschwinglich

Im Keller gab es dann eine größere Kantine, wo man zwischen einigen Speisen auswählen konnte. Zunächst stand man etwas hilflos davor, da auch die Sprachbarrieren der Angestellten das Erklären schwieriger gestalteten. Aber schnell war der Gang zur Kantine Gewohnheit und man wusste, dass man den Preis dem Display eines Taschenrechners entnehmen mußte. Auch Künstler verirrten sich hierher und so entstand auch mein Bld mit dem späteren Sieger Salvador Sobral.

Selfie mit dem späteren Sieger

Verhungern brauchte man nicht. Abends warteten rund um den Maidan diverse Lokalitäten: Italienisch, türkisch oder georgisch. Es gab für jeden Geschmack etwas und am Ende des Besuchs war noch immer genug Geld im Portemonnaie. So wenig wie in Kiew bin ich noch nie zum Geldautomaten gerannt. Umgerechnet 4 Euro für ein komplettes Gericht war nicht ungewöhnlich.

Serierbeispiel eines typischen Lunchs

Eine Besonderheit boten die Örtlichkeiten in Kiew. Man mußte grundsätzlich in der Kabine Stufen hinaufsteigen, um sich niederlassen zu können. Nicht nur im Pressezentrum bot sich dieses Ambiente, auch in der Blogger-WG konnte man auf einem erhöhten Thron Platz nehmen. Für große Leute boten die sanitären Einrichtungen im Pressezentrum ein weiteres Problem. Man musste nicht nur Treppen steigen, sondern konnte ungehindert über alle Wände hinwegschauen.

WC mit Treppe

Aber wir wollen nicht meckern. In Kiew war alles sehr sauber und ordentlich. Da könnten sich Wien und Oslo eine Scheibe von abschneiden. In Oslo und Kopenhagen gab es zum Beispiel nur Toilettenwagen.

Nun sind wir mal gespannt, was die Portugiesen auffahren werden, um der anreisenden Presse die wichtigen Dinge des Lebens bereit zu stellen.

 

Vorschau: In der nächsten Folge schildert Salman , warum er in diesem Jahr nicht bei unserem Bloggerdinner dabei war.

Bisher in „Rund um Kiew“ erschienen:
(1): Auf dem Weg nach Odessa (Jan)
(2): Im Golden Circle und in der Fan Zone (Marc und BennyBenny)
(3): Network ESC, Teil 1 (diverse Blogger)
(4): Deutsche Delegation Deluxe (BennyBenny)
(5): Die Transen im Lift (Douze Points)
(6) Hetzjagd durch die Hauptstadt (OLiver und Peter)