EBU-Entscheid: Russland freut sich und die Ukraine muss zahlen

Wochenlang lieferten sich Russland und die Ukraine eine mediale Schlammschlacht. Mit Julia Samoylova wollten die Russen eine Künstlerin schicken, die nach dem dort geltenden Gesetz in der Ukraine nicht auftreten darf. Nach vielem Hin und Her blieben die Russen zu Hause und nun muss die Ukraine mit den Konsequenzen leben. Sie müssen zahlen.

Die Monate bis zur Finalwoche waren überschattet vom Russland-Ukraine Konflikt. Seit Jahren herrscht Krieg in der Region. Und nun pünktlich zur Eurovision wurde der Streit auch auf die Musik ausgeweitet. Russland wollte mit Julia Samoylova eine Sängerin schicken, die durch einen Auftritt auf der Krim nicht mehr in die Ukraine einreisen durfte. Wir berichteten.

Das Fernbleiben der Russen konnte man in den Probenwochen kaum bemerken. Jedoch gab es von der EBU ein Statement, dass es später noch Konsequenzen hierzu geben werde. Die folgten nun in dieser Woche.

In einem kurzen Statement ließ die EBU verlauten, dass aufgrund von Verzögerungen im Ablauf der Vorbereitungen zum Eurovision Song Contest und für die Nichtteilnahmemöglichkeit der russischen Sängerin dem ukrainischen Fernsehen eine große Geldstrafe auferlegt werden sollte. Insbesondere die Diskussion rund um den russischen Beitrag hätte den Begriff „Eurovision“ beschädigt. Wenn man eine Eurovision austrägt, sollte man allen Sängern die Möglichkeit geben, auch auftreten zu können.

Das ukrainische Fernsehen antwortete mit nachfolgendem Statement:

The Public Broadcasting Company of Ukraine as the hosting broadcaster of Eurovision 2017 did all the best to organize successful Song Contest in Kyiv.
The high level of preparations of three shows was confirmed by guests, delegations and EBU.

The EBU was pleased with the 2017 Eurovision Song Contest, and commend UA:PBC, our staff, and all those who worked hard on the three live TV shows. The EBU informed UA:PBC they pleased with the Eurovision this year in their thank-you-letter. However, EBU also informed that sanctions against UA:PBC may occur, as the singer from Russian Federation Yulia Samoylova was not able to participate in the Song Contest due to the ban for her entry through Ukrainian border.

The decision of prohibition of entry the Ukrainian border for 3 years was made by Security Service of Ukraine after the proven fact that Samoylova broke Ukrainian law by passing the border of occupied territory of Ukraine, Crimea.
UA:PBC informed that we always follow the law and decisions of state authorities. There is no any reason for UA:PBC to break the law. What is more Eurovision or any other competition can not be an excuse for evading the law of any participating or hosting country.

Moreover UA:PBC stress your attention on the fact that public broadcaster is not a body of state authority. UA:PBC cannot change the law. The question of rules for passing Ukrainian border and the question of responsibility for breaking such rules are not under control of the hosting broadcaster.
Due to all mentioned above sanctions against UA:PBC have no reason. If such sanctions occur we will definitely appeal that according to the rules of EBU.

Kurz: Der Sender UA:PBC zeigt sich überrascht, dass nun Mängel an der Organisation bestraft würden, obwohl man sie doch gelobt hat. Zudem lag es nicht in den Händen des Fernsehens, ukrainische Gesetze zu ändern oder Einfluss darauf zu nehmen.

Die Strafe soll 200.000 Euro betragen.

Demgegenüber muss Russland mit keinen Konsequenzen leben, obwohl der Sender Channel 1 mit der Auswahl von Julia Samoylova die Problematik erst heraufbeschworen hat. Man will die Sängerin 2018 als Vertreterin nach Portugal schicken, wobei dazu noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

Die EBU verhält sich damit sehr einseitig mit der Schuldzuweisung. Der Provokateur wird verschont, während der Provozierte die alleinige Schuld zu tragen hat.

Wenn man dazu als Vergleich das Jahr 2009 heranzieht, als Georgien mit dem Song „We Don’t Wanna Put In“ als Provokateur zu Hause bleiben musste, weil die EBU von ihnen verlangt hatte, den Titel zu ändern und Russland als Gastgeber ohne Konsequenzen blieb, könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die EBU grundsätzlich auf die Seite Russlands stellt.

Der verhinderte georgische ESC-Beitrag 2009

Die georgische Teilnehmerin 2017, Tamara Gachechiladse, die Mitglied der Formation Stephane & 3 G 2009 war, fand in Kiew auch keine tröstenden Worte für die Nichtteilnahme Russlands. Sie fand es fair, da die Russen ja die Gesetzeslage der Ukraine kennen würden.

Tamara G. in Kiew

Dieser Länderzwist zwischen Russland und Ukraine wird wohl weitergehen, so lange kein Frieden in der Region einkehrt. So lange solche Konflikte, wozu auch die Situation zwischen Armenien und Aserbaidschan gehört, mit in den Sängerwettstreit getragen werden, kann sich die EBU nicht rühmen, mit dem Eurovision Song Contest einen unpolitischen Wettbewerb zu haben.

Mal sehen, mit was für einen Titel Julia Samoylova 2018 für Russland an den Start geht. Vielleicht besingt sie ja die Blumen auf der Krim?