Same procedure as … in Germany: Simon Kucher sucht Teilnehmer für Schweizer Zuschauer-Panel

Während in Deutschland die Eurovision-Jury bereits ihre Arbeit aufgenommen hat, startet das Schweizer Fernsehen heute mit der Rekrutierung von Teilnehmern für das heimische Zuschauer-Panel. Damit ist wie in Deutschland Simon Kucher & Partners beauftragt. Entsprechend ähnlich ist der Auswahlprozess der Interessierten, wobei sich sogar ein Kopierfehler eingeschlichen hat. Hier der gesamte Fragebogen.

Im Eurovision-Umfeld müsste eigentlich sofort „Plagiat“ gerufen werden, wenn man sich den Fragebogen anschaut, mit dem das Schweizer Fernsehen seit heute in die Panelisten-Rekurtierung gegangen ist. Der deutsche Fragebogen scheint zunächst per copy-and-paste übernommen und dann noch mit den Schweizer Fernsehlogos versehen worden zu sein. Im Detail zeigen sich aber ein paar wenige Unterschiede und eben auch ein Flüchtigkeitsfehler.

Die Begrüßung startet mit demselben Wortlaut wie in Deutschland. Allerdings kann man in der Schweiz noch zwischen drei der vier Landessprachen wählen. Wir haben uns im folgenden den deutschen Fragebogen angeschaut.

Wie in Deutschland geht es weiter mit der Frage nach dem Alter.

Anschließend werden wie in Deutschland drei Musik-TV-Formate abgefragt – aber natürlich mit zwei entsprechenden Schweizer Äquivalenten plus dem ESC.

Copy-and-Paste dann auch bei der Frage, ob man schon einmal bei einer der Show gevotet hat.

Dann folgt – wieder wie in Deutschland – die Abfrage von drei ESC-Video-Clips, die anschließend zu bewerten sind.

Dabei ist allerdings nur der erste Song identisch mit dem deutschen Verfahren:

Hovig mit „Gravity“ (21. Platz, 32 Punkte von den Zuschauern, 36 Punkte von der Jury)

Danach folgen

Isaiah mit „Don’t Come Easy“ (9. Platz, 2 Punkte von den Zuschauern, 172 Punkte von der Jury)

Francesco Gabbani mit „Occidentali’s Karma“ (6. Platz, 208 Punkte von den Zuschauern, 126 Punkte von der Jury)

Hier wurden im deutschen Fragebogen Nathan Trent mit „Running on Air“ (16. Platz, 0 Punkte von den Zuschauern, 93 Punkte von der Jury) und Ilinca feat. Alex Florea mit „Yodel it!“ (7. Platz, 224 Punkte von den Zuschauen, 58 Punkte von der Jury) abgefragt.

Das ist eine interessante Änderung: Während in Deutschland ein mittelprächtiger Song mit wenigen Punkten von Jury und Zuschauern sowie ein klarer Jury- und ein klarer Publikumsfavorit abgefragt wurden, setzt man in der Schweiz zwar auch auf einen eindeutigen Jury-Favoriten (Isaiah), daneben aber mit Francesco Gabbani aber auch einen ambivalenten Favoriten, der aber stärker bei den Zuschauern punkten konnte.

Die nachfolgende Bewertung der einzelnen Clips entspricht exakt dem Vorgehen, das wir aus Deutschland sowohl von diesem als auch dem letzten Jahr kennen. Das scheint sich also als aussagekräftig etabliert zu haben.

Auch die nächsten Schritte kennen wir: die drei Videos müssen gerankt werden. Anschließend wird gefragt, ob man den bevorzugten Song kaufen/streamen würde und wie viele der drei Lieder man bereits kannte.

Danach geht es wenig originell weiter: Wie in Deutschland werden drei Nicht-ESC-Songs abgefragt – und es sind exakt dieselben wie aus der deutschen Rekrutierung:

ME + MARIE mit „You Don’t Know“

PICTURES mit „Promise“

Lina mit „Glitzer“

Der Fragebogen endet mit der Abfrage nach dem Geschlecht und der räumlichen Herkunft, wobei die deutschen Bundesländer logischerweise durch die Schweizer Kantone ersetzt wurden. Wie auch in Deutschland gibt es eine Kategorie „Ausland“. Man kann als Nicht-Schweizer also am Rekrutierungsverfahren teilnehmen. Ob man dann aber auch für die nächsten Schritte eingeladen würde, ist natürlich eine ganz andere Frage.

Auch das Ende des Fragebogens folgt dem bekannten Schema. Hier wurde dann doch etwas unachtsam kopiert und gepastet: Denn statt Zuschauer-Panel (so die Bezeichnung der Jury auf der Website der SRG) heißt es hier auf einmal „Eurovisions-Jury„. Und die gibt’s ja nun tatsächlich nur in Deutschland.

Mit den Vor- und Nachteilen des neuen Schweizer Auswahlsystems haben wir uns schon an anderer Stelle beschäftigt:

Pro neues Schweizer Auswahlsystem: Ein guter ESC-Beitrag ist ein guter ESC-Beitrag – egal wie er nominiert wurde

Contra neues Schweizer Auswahlsystem: Das Schlechteste aus beiden Welten