Schweden: Ein Who-is-Who-Treffen beim Mello 2016

Melodifestivalen 2015 AC Samir & Viktor

Selbst wer jenseits des Melodifestivals die schwedische Musikszene nicht verfolgt, wird in diesem Jahr die meisten Namen derer kennen, die ab 6. Februar 2016 darum kämpfen, Schweden beim mittlerweile sechsten Eurovision Song Contest auf heimischem Boden zu vertreten. Heute hat SVT die 28 Namen und ihre Liedtitel bekannt gegeben. Nach dem Sieg von Måns Zelmerlöw in Wien will es nun so gut wie jeder versuchen, der in den letzten Jahren mal dabei war – zum Beispiel Samir & Viktor (Foto).

So wird das Mello 2016 zu einem Schaulaufen des Who-is-who der schwedischen Schlagerwelt. Oder ist es doch nur B-Ware, die verzweifelt versucht, jetzt auch mal ranzudürfen? Die PRINZ Blogger sind sich da noch nichts eins.

Klar ist jedenfalls: 19 der 28 Namen (bzw. 33, da Duos/Trios) wurden bei einem Melodifestivalen der vergangenen Jahre schon mal genannt. Beispielsweise die Zweitplatzierte von 2014, Ace Wilder. Und die singende Sambatonne Anna Book, die bereits zum vierten Mal dabei ist (zwei Mal in den 80ern, zuletzt 2007). Und Mello-Veteranin Linda Bengtzing sowie die Dragqueen von After Dark. Auch Schnuckel Oscar Zia („Yes We Can“) wagt einen zweiten Versuch.

Rückkehrer vom diesjährigen Melodifestival sind Samir & Viktor, die uns die Wort-Novität „Groupie“ für ein Gruppen-Selfie schenkten, Dolly StyleIsa und die meines Erachtens zu Unrecht im Semi gescheiterte Molly Pettersson Hammar.

Selbst ESC-Altstars sind dabei: Tommy Nilsson (ESC 1989, „En dag“) und Martin Stenmarck (ESC 2005, „Las Vegas“). Und der Oberhammer: „Ding dong“-Krista Siegfrids aus Finnland („Marry Me“, ESC 2013) ist auch dabei! Sie ist ja bekanntlich Finnlandschwedin, gehört also zur schwedischen Minderheit in Finnland.

Neu dabei sind unter anderem:

  • Rapper Albin (wurde 2014 in Schweden bekannt durch „Din soldat“ mit Kristin Amparo),
  • die Hardrock-Band Eclipse (hier „I Don’t Wanna Say I’m Sorry“ aus ihrem aktuellen Album),
  • „Idols 2014“-Siegerin Lisa Ajax,
  • Sara „SaRaha“ Larsson (in Schweden geboren, in Tansania lebend und 2014 mit „Mbele kiza“ auf Swahili in den Svensktoppen-Radiocharts),
  • Robin Bengtsson (Dritter bei „Idols“ 2008),
  • Victor Jr. Morsing alias Victor & Natten (hier „Svartsjuk“ von 2014),
  • Mimi Werner (singt Country wie hier).

 

Hier die 28 Hoffnungsvollen in den vier Vorrunden (seit diesem Jahr hat SVT bekanntlich die Liederzahl von 32 auf 28, also von 8 auf 7 je Vorrunde, reduziert). Die Startreihenfolge in den einzelnen Shows ist noch nicht bekannt.

1. Vorrunde, Göteborg, 6. Februar 2016

– Ace Wilder: Don’t Worry
– Albin & Mattias Andréasson: Rik
– Anna Book: Himmel för två
– Mimi Werner: Ain’t No Good
– Pernilla Andersson: Mitt guld
– Robin Bengtsson: Constellation Price
– Samir & Viktor: Bada nakta

2. Vorrunde, Malmö, 13. Februar 2016

– David Lindgren: We Are Your Tomorrow
– Isa: I Will Wait
– Krista Siegfrids: Faller
– Molly Pettersson Hammar: Hunger
– Patrik Isaksson, Tommy Nilsson & Uno Svenningsson: Håll mitt hjärta hårt
– Victor & Natten: 100%
– Wiktoria: Save Me

3. Vorrunde, Norrköpping, 20. Februar 2016

– After Dark: Kom ut som en stjärna
– Boris René: Put Your Love on Me
– Lisa Ajax: My Heart Wants Me Dead
– Oscar Zia: Human
– SaRaha: Kizunguzungu
– SMILO: Weight of the World
– Swingfly feat. Helena Gutarra: You Carved Your Name

4. Vorrunde, Gävle, 27. Februar 2016

– Dolly Style: Rollercoaster
– Eclipse: Runaways
– Frans: If I Were Sorry
– Linda Bengtzing: Killer Girl
– Martin Stenmarck: Du tar mig tillbaks
– Molly Sandén: Youniverse
– Panetoz: Håll om mig hårt

Neben den berühmten Künstlern sind natürlich auch wieder berühmte Liedautoren dabei. Hinter Ace Wilders „Don’t Worry“ etwa stecken die Erfolgsautoren von Måns‘ „Heroes“; das gleiche Team (Joy und Linnea Deb sowie Anton Hård af Segerstad) hat auch Isas „I Will Wait“ und zusammen mit Molly Pettersson Hammar „Hunger“ geschrieben. „Constellation Price“ stammt von Bobby Ljunggren und Henrik Wikström, die zusammen viele Mello-Hits geschrieben haben – zum Beispiel „Efharisto“, „Att älska dig“, Helena Paparizous „Survivor“ und natürlich Carolas „Evighet“/“Invincible“.

Fredrik Kempe (u.a. „Undo“, „Popular“ und „La voix“) ist auch wieder dabei, von ihm stammt „Bada nakta“ (Nacktbaden!) von Samir & Viktor. Auch Veteran Thomas G:son hat mit Kumpel Peter Boström ein Eisen im Feuer, nämlich „Rollercoaster“ der Dolly-Style-Mädels. Das Autorenteam Tobias Lundgren und Tim Larsson (2005 „Alla flickor“ und 2013 „Heartbreak Hotel“ von YOHIO) ist auch wieder dabei: Mit Boris René schrieben sie dessen „Put Your Love on Me“. Und selbst Calle Kindbom (u.a. Autor des ESC-Beitrags „Give Me Your Love“, 2003) und Lina Eriksson (u.a. an Magnus Carlssons 2015er Schlagerhit „Möt mig i Gamla stan“ beteiligt) sind wieder dabei, als Co-Verfasser von After Darks offenkundiger Coming-Out-Nummer „Kom ut som en stjärna“.

Anderz Wrethov hat sich in den letzten Jahren auch einen Namen als Mello-Autor gemacht. Nach „Insomnia“ (Ellen Benediktsson, 2015) und „Guld och gröna skogar“ (Hasse Andersson, 2015) hat er für 2016 an David Lindgrens „We Are Your Tomorrow“ und an dem merkwürdig klingenden „Kizunguzungu“ mitgewirkt. Auf diesen Song darf man gespannt sein, denn zu den Co-Autoren gehört auch Arash – jener Arash, der 2009 für Aserbaidschan den 3. Platz machte („Always“ mit AySel).

Einige schrieben sich ihre Lieder auch selbst: Martin Stenmarck, Patrik/Tommy/Uno, Mimi Werner, Pernilla Andersson, Albin und Mattias, Krista Siegfrids (mit Unterstützung) und Oscar Zia (mit Unterstützung von Victor Thell, der auch schon mit Molly Sandén und Samir & Viktor gearbeitet hat). Die Jungs von Panetoz (zuletzt 2014 beim Mello gesichtet) schrieben ihr Lied zusammen mit Jimmy Jansson, der selbst als Jungspund auch mal dabei war – wir erinnern uns an die Poets (2002) und an seine Soloversuche „Vi kan gunga“ (2005) und „Amanda“ (2007). Und Molly Sandén schrieb ihr „Youniverse“ zusammen mit Boyfriend Danny Saucedo.

Kurzum: Das Who-is-Who der schwedischen Musikszene – zumindest aus dem Bereich Popschlager – gibt sich beim Mello 2016 die Klinke in die Hand. Die Moderation liegt erneut in der Hand von Gina Dirawi, die schon 2012 und 2013 ran durfte. Diesmal kriegt sie in jeder der vier Vorrunden einen anderen Promi zur Seite gestellt: Petra Mede, Charlotte Perrelli, Henrik Schyffert (Comedian) und Sarah Dawn Finer. (Die hätte ich lieber als Teilnehmerin gesehen…)

Wie immer kommen die zwei Besten einer jeden Vorrunde direkt ins Finale (12. März 2016, Friends Arena, Stockholm), die Plätze 3 und 4 dürfen in der Zweiten Chance (5. März 2016, Halmstad) nochmal ran. Genaueres über die Abläufe gibt es im Moment noch nicht – in diesem Jahr kamen aus der „Andra chansen“ ja vier Titel ins Finale, das damit 12 Startplätze hatte. Ob dies 2016 auch wieder so sein wird, ist aktuell offen.

Wir dürfen jedenfalls gespannt sein. Die vielen bekannten Namen lassen ein prima Mello versprechen. Nur noch wenige Wochen, dann „kör vi“!