Eine starke Schweden-Runde

Patrick Egemo
Patrick Egemo

Nach der eher mäßigen 3. Vorrunde dreht der Webbjoker-Wettbewerb zum Melodifestivalen 2012 auf der Zielgerade noch mal richtig auf. Mehrere gute Lieder kämpfen um den Einzug ins Webbjoker-Finale.

Wie schnell die Zeit rast… Nun läuft schon die 4. und damit letzte Vorrunde im Webbjoker-Wettbewerb 2011/12 in Schweden. Danach stehen die acht Finalisten fest, die dann um das eine Ticket für das „große“ Melodifestivalen im Februar/März 2012 kämpfen, wo der schwedische Grand-Prix-Beitrag für Baku ermittelt wird.

In der eher mäßigen 3. Vorrunde setzten sich Never Alone mit „Marilyn Monroe“ und die Songwriter-Ballade „Ingenting, ingen“ von Caroline Coquard durch. Damit stehen sechs der acht Webb-Finalisten fest:

– I mina drömmar
– All Day All Night
– A Heartbeat Away
– Beautiful Love
– Ingenting, ingen
– Marilyn Monroe

Also auf in die letzte Vorrunde, über die am kommenden Montag zwischen 12 und 13 Uhr per SMS abgestimmt wird. (Die Textlinks führen, wie immer, zu den Clips auf der Website von SVT)

1. Bowties: Need To Know
Der Name ist bei der Band Programm: Die sieben jungen Männer (zwischen 1989 und 1993 geboren) tragen allesamt „bowties“, also Fliegen. Was macht man nicht, um aufzufallen… „Need To Know“ ist schwedischer Cicero-Swingpop, mit guter Bläsersektion. Der absolute Oberkracher ist das Stück aber nicht. Anhörbar, nicht schlecht – aber nichts, was dann auch im großen Melodifestivalen bestehen könnte. Aber eine interessante Farbe im Wettbewerb isses jedenfalls.

2. Ricky & Ronny: Kärleken ler
Crossover ist tendenziell gefährlich: Mischt man zwei konträre Musikstile, ist womöglich die Schnittmenge (also diejenigen, denen beides gefällt) kleiner als wenn man konsequent einen Stil durchgezogen hätte. „Kärleken ler“ (Textzeile: Die Liebe lächelt, wenn wir uns lieben) ist eine Mélange aus Rapstrophen und gesungenem Pop-Refrain. Mir gefällt der Refrain deutlich besser, inklusive Rückung gegen Ende, aber auch er ist relativ monoton. Das Lied hat ein hohes Nervpotenzial – zumal man nach den Strophen auch noch ein bisschen Opernarie eingebaut hat.

3.  Trison: Forever By Your Side
Trison, ein Duo aus Helsingborg, war mit einem anderen Song in der 1. Vorrunde disqualifiziert worden. Jetzt der zweite Versuch: „Forever By Your Side“ ist eine nette Dreiminuten-Nummer, die so dahinplätschert. Tut nicht weh, hat aber auch nicht viel Biss. Wäre ein typischer Radiosong für den Dienstagvormittag, wenn die Hausfrau bügelt. Trison-Mitglied Martin nennt auch Jan Johansen („Se på mig“) als ein Vorbild. Klingt auch nach Jan…

4. Felicia Vårnäs: Not Over You
Macht Pink (alias P!nk) unter einem Pseudonym beim Webbjoker mit? Nein, aber Felicia (süße 12 Jahre alt und 2009 beim „Lilla Melodifestivalen“ dabei) wandelt definitiv auf den Spuren der 32-jährigen US-Sängerin, und „Not Over You“ klingt wie eine etwas langsamere Version von Pinks großem Hit „So What“. Ein melodiös-rockiger Song, den man sich gern ein zweites und drittes Mal anhört. Komponistin Ditte Lindbom stellt sich das beim MF mit einer Rockband, E-Gitarren und ordentlicher Lightshow vor. Warum nicht?

5. Jennifer: Letting Go
Zwei 17-jährige Mädels haben ein Lied eingereicht: Sofia Yxklinten hat’s geschrieben, Jennifer singt. „Letting Go“ ist ein ganz nettes Midtempo-Stück, dem aber der echte Wumms fehlt. Es hat ein bisschen was von R&B, doch wirkt dafür etwas zu brav-steril. Der Basis-Sound nervt auf die Dauer ein wenig, ebenso Jennifers dünnen hohen Töne. Vor allem in dieser starken 4. Vorrunde ist das nicht mehr als Füllsel.

6. Patrick Egemo: Higher
Das hier ist ein echtes Highlight des gesamten Webbjoker-Wettbewerbs 2012. Eine Perle, die man sich sehr, sehr gut auf der großen Bühne vorstellen kann. „Higher“ hat einen satten Beat, der mich an einige Stücke von Erics „Saade Vol.1“-Album erinnert. Die Melodie ist eingängig und hat Hitpotenzial. Co-Komponist Alexander Östman nennt auch Schwedens großen Musikproduzent Max Martin als Vorbild, der u.a. Britney Spears, Backstreet Boys und Katy Perry unter seinen Fittichen hat(te). Sänger Patrick Egemo ist 20 Jahre alt und könnte gut in Erics Fußstapfen treten. Top!

7. Vilda: Box Of Love
Nachdem Vilda (Jessica Blomqvist) vorige Woche mit ihrem fröhlichen Lied „Songbird“ nicht weiterkam, kommt jetzt der zweite Titel von ihr, eine leicht ange-country-te Ballade namens „Box Of Love“. Mir gefallen ja solche Sachen – es waren in den vergangenen Jahren auch gern mal welche beim MF dabei (z.B. „What If“, 2009). Autor Anton Fahlgren sagt, der Text des Songs sei beeinflusst vom Gefühl der Machtlosigkeit, das durch Naturkatastrophen im Herbst 2010 aufgekommen sei. Eine starke Botschaft im locker-flockigen Mello…

8. Carolina Jakobsson: Believe
Und noch ein klasse Stück. Ein ordentlicher Beat begleitet eine tanzbare Popnummer mit einem richtig guten Refrain. Wenn nicht Carolina „Believe“ im MF 2012 singt, könnte man sich auch Sanna Nielsen wunderbar dafür vorstellen. Das ist lupenreines Mello-Material, bei dem die Liedautoren Carl Hansson und Emil Valtersson sogar an die MF-typische Rückung gedacht haben. Ausgezeichnet! Die beiden haben nach eigener Aussage schon in den letzten Jahren Lieder zum MF eingereicht – sind sie diesmal tatsächlich dabei?

Mein ganz persönliches Ranking würde so aussehen:
1. Higher
2. Believe
3. Not Over You
4. Box Of Love
5. Need To Know
6. Forever By Your Side
7. Letting Go
8. Kärleken ler

Hier haben wir die ersten drei Runden des Webbjoker-Wettbewerbs vorgestellt:
1. Runde hier
2. Runde hier
3. Runde hier