Schweizer Online-Voting: Sexy, skurril oder mit Star-Appeal?

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Das Online-Voting zu 206 Schweizer ESC-Vorschlägen ist in vollem Gang. Die heimische Boulevardpresse wirft Schlaglichter auf halbwegs bekannte Castingsternchen oder auf Damen, deren optische Vorzüge die stimmlichen Qualitäten überschatten. An einem besonders skurrilen Song kommt aber auch der „blick“ nicht vorbei.

Inge Ginsberg ist älter als Lys Assia und hat eine erfolgreiche Karriere als Songwriterin unter anderem für Doris Day und Dean Martin hinter sich. Nun will es die 93-Jährige noch einmal wissen und zum Eurovision Song Contest. Bereits im letzten Jahr hatte sie einen Song in der Internet-Vorauswahl. Nun hat die rüstige Zürcherin ihren Stil angepasst und will als „Metal-Grosi“ (Heavy-Metal-Oma) nach Wien. Der Beitrag ist sicher einer der skurrilsten Vorschläge im Starterfeld und das zugehörige Video ist mit „bizarr“ nur unzureichend umschrieben.

Inge & The Tritone Kings – Totenköpfchen

Im „blick“, dem eidgenössischen Äquivalent zur Bild-Zeitung, bekannte Inge, dass sie sich wie 63 fühle und der Song die Botschaft habe: Willst du lange leben, dann lache über den Tod. Warum Hardrock? „Damit sind unsere Chancen aufs Weiterkommen größer, so Inge gegenüber blick. „Die anderen Beiträge sind praktisch alle bünzlig und brav. Dabei braucht die Schweiz wieder mal einen Knaller!“

Damit könnte Frau Ginsberg zwar recht haben, aber ob „Totenköpfchen“ auch bei den Internet-Votern und der Fachjury knallt, die zu je 50 Prozent die 9 Songs für die deutschsprachige Schweiz für die Castingrunde entscheiden, darf bezweifelt werden. Spätlese-Rapper-Babe Lys Assia auf dem Skateboard hatte vor zwei Jahren bekanntlich auch keine Chance. Womöglich war sie immer noch zu bünzlig.

Wahrscheinlicher ist, dass mit Blick auf die TV-Quote ein paar noch nicht allzu abgehangene Castingstars mit starker Fanbase eingeladen werden. Gisel de Marco haben wir ja bereits vergangene Woche zum Votingstart erwähnt, ihr Titel ist zudem auch in der internen Auswahl der französischsprachigen Schweiz – insofern hat sie zwei Chancen auf die Nominierung. Mit Tiziana Gulino ist auch die erst 17-jährige Gewinnerin von „The Voice of Switzerland“ mit einem Song aus ihrem Debütalbum im Rennen:

Tiziana Gulino – Find your way 

Und dann ist da noch der Faktor Sex. Der „blick“ hat offenbar eine Miss-ESC-Wahl durchgeführt und listete jüngst unter der reichlich platten Headline „Sex Punkte für diese Kandidatinnen“ die optisch besonders prallen Ergebnisse auf. „In ihrem Clip sitzt sie auf einem roten Teppichboden, umgeben von unzähligen Schallplatten. Während sie inbrünstig ihren Song singt, flattern ihre langen Locken um ihr Gesicht herum. Ach, einfach schön!“, wird schwärmerisch Natalia Wohler präsentiert.

Sodann wird das Augenmerk auf eine junge Tessinerin gelenkt: „Mit ganz viel Sexappeal, hohen Hacken und superknappem Minikleidchen trumpft Judita aus Lugano auf. In ihrem Clip sitzt sie auf einem goldenen Thron, umgeben von vier knapp bekleideten Tänzerinnen mit roten Perücken und Glitzer-BHs.“

Judita – Diamonds on legs

Zu Dahi, die erst 50 Facebook-Fans ihr Eigen nennt, heißt es: „Das Auffälligste an ihr sind ihre zur Hälfte schwarz und zur anderen Hälfte blond gefärbten Haare. Dahi zeigt in ihrem Video was sie hat, mit hautengen Klamotten und zudem tanzt sie noch eine heisse Choreografie in einem Plantschbecken.“ An aufblasbaren ESC-Requisiten kommen wir natürlich auch nicht vorbei… leider ist das Plantschbecken nicht direkt verlinkbar und passende Gummitiere wurden in der Choreographie auch nicht verwendet.

In der Sparte knackige Kerls hat sich der „blick“ – warum auch immer – nicht umgesehen. Offenbar ist das Angebot hier nicht weiter erwähnenswert. Kein Leonard in diesem Jahr… wir haben auch nicht die Ressourcen, 206 Clips auf dieses spezielle Kriterium hin zu scannen und klicken daher einfach mal auf den Italo-Bulgaren Gantcho, der sich vergangenes Jahr als freizügige, wenn auch musikalisch äußerst schwer verdauliche Kombination aus Ringer und Tenor entpuppte.

Gantcho feat. Stefano Beretta – You are my fantasy

Diesmal bleibt das Shirt an und Gantcho verlässt sich allein auf seine Wangenknochen. Nun ja, das hätten wir uns auch sparen können… verlassen wir das Feld der Spekulation und werden etwas konkreter.

Der Sender der italienischen Schweiz TSI hat drei Vorschläge für das Casting am 7. Dezember bereits nominiert. Die Jury für die Auswahl bestand aus Paolo Meneguzzi (ESC 2008, mehrfacher Sanremo-Teilnehmer), Simone Tomassini (Sanremo 2004) und Iris Moné, einer Finalistin von „The voice of Switzerland“. Moné sang zudem zusammen mit Gisel de Marco im letztjährigen Trio „3 for All“.

Von den folgenden Titeln wird definitiv einer am 31. Januar 2015 in der „grossen Entscheidungsshow“ in Kreuzlingen zu hören sein.

The Vad Vuc – Cocktail e Fantasmi

Elias ft. Zero In On – Your Perfume

Deborah Bough – One, Two, Three Take Me Back To 23, zum Clip hier

The Vad Vuc ist eine Band, in der Sebalter vor seinem ESC-Auftritt gesungen hat und Deborah ist eine Teilnehmerin von „The Voice of Switzerland“. Die 26 Songs in der internen Auswahl der Romandie finden sich übrigens hier, 6 davon sind auch im Feld der 206 Songs der Deutschschweiz zu finden.

Das Casting der 18 Songs – 9 aus der Deutschschweiz (SRF), 6 aus der Romandie (RTS) und 3 aus dem Tessin (RSI) findet am 7. Dezember in Zürich statt und wird voraussichtlich auch live gestreamt. In Zürich werden dann durch eine weitere Expertenjury die 6 Kandidaten für den Schweizer Vorentscheid ausgewählt – streng nach Quote: 3 für SRF, 2 für RTS und einer für RSI.

Das Voting auf der Plattform von SRF läuft noch bis zum 17. November 8 Uhr. Jeder User kann dabei 4 Stimmen vergeben. .