Schweizer Songcheck (6): “Apollo” von Timebelle

Timebelle

Was für eine verrückte Story! Ein perfekter Coup oder eher ein Armutszeugnis? Dem im Frühjahr 2015 in Aserbaidschan aussortierten ESC Beitrag „Apollo“ hauchen Timebelle (Foto: Facebook) neues Leben ein und avancieren damit schnurstracks zu einem Topfavoriten 2017 in der Schweiz.  Die Band aus Bern war bereits schon vor zwei Jahren in der Entscheidungsshow. Damals hatte es leider ganz knapp nicht gereicht. Mit „Apollo“ wollen sie nun vollenden, was sie 2014 angefangen haben – für die Schweiz das Ticket nach Kiew lösen.

Wer singt?

Timebelle waren ursprünglich eine Boyband (fünf schmucke Jungs aus Bern) – bis die charismatische Rumänin Miruna Manescu hinzu kam. Timebelle sind geradezu prädestiniert für das 2017er ESC Motto „Celebrate Diversity“, denn unter den Bandmitgliedern geht es multikulturell zu. Es gibt fünf verschiedene Muttersprachen und die Bandmitglieder haben Wurzeln in der Ost- und Westschweiz, in Serbien, Rumänien und Ungarn.

Timebelle

Bereits 2015 wollten sie die Schweiz am Eurovision Song Contest in Wien vertreten. Zwar waren Timebelle mit «Singing About Love» Favoriten, doch beim Televoting und bei der Jury hatte letztendlich Mélanie René und «Time To Shine» die Nase vorne.

Für Ihren aktuellen ESC Beitrag „Apollo“ hat die Band ihr Erscheinungsbild geändert. Der ESC ist ein Gesangswettbewerb, bei dem es aus Sicht der Band eher auf die Stimmen als auf die Instrumente ankommt. Daher erhält Sängerin Miruna nun Unterstützung durch 3 Background-Sänger und 3 Jungs aus der Band müssen dafür weichen.

 

Der Song

„Apollo“ stammt aus der Feder von Elias Näslin, Nicolas Günthardt und Alessandra Günthardt. Die schweizerisch-schwedische Doppelbürgerin Günthardt gewann 2016 in Stockholm den schwedischen „Denniz Pop Award“ und trat damit in die Fußstapfen von u.a. Avicii. In der Jury saß der legendäre Produzent Max Martin, der schon Celine Dion, Britney Spears, die Backstreet Boys oder auch Justin Timberlake produzierte.

Alessandra Günthardt komponierte bereits den ESC Beitrag 2014 für Aserbaidschan “Start A Fire” zusammen mit Stefan Örn und Johan Kronlund. Der Song landete im Finale auf Platz 22. Örn zeichnet sich u.a. verantwortlich für Aserbaidschans ESC Sieger Song „Running Scared“. Bereits 2015 schnupperte der Song „Apollo“ dann auch ESC Luft in ….? Na klar Aserbaidschan! Der Song schied aber während des internen Selektionsprozesses aus und Elnur Huseynov mit “Hour of the Wolf” triumphierte.

Timebelle Expertencheck Schweiz

2016 ermutigte SRF die Band Timebelle einen erneuten Anlauf bei der Entscheidungsshow zu wagen. Ein Song musste her! Ein Produzententeam trat an die Band heran und stellte verschiedene Songs vor. Timebelle verliebten sich sofort in „Apollo“ und modifizierten den Song noch etwas.

Worum geht es in dem Song? Gemäß den Aussagen der Bandmitglieder Miruna und Emanuel steht „Apollo“ für den Gott der Künste und der Musik. Der Song soll motivieren, in sich selbst Vertrauen zu haben.

„Apollo“ kommt durchaus zeitgemäß und ESC-kompatibel daher, klingt wie extra für den ESC geschrieben. Der Song beginnt sanft: Mirunas Stimme kommt voll zur Geltung und wird vom Piano begleitet. Der Song baut sich langsam auf und der Refrain wirkt kraftvoll durch den einsetzenden Beat und die Background-Sänger. Zum Ende des Songs wird es etwas repetitiv.

Timebelle mit „Apollo“ (Expertencheck Schweiz)

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 4/5 (die Band kommt lässig und sympathisch rüber)
Stimme: 4/5 (Miruna meistert den Song prima und der Support durch die Backgroundsänger gibt dem Refrain mehr Kraft)
Komposition: 3/5 (Solide und gefällig, mit schönem Aufbau)
Instant Appeal: 3/5 (der Song ist zwar keine Rakete, aber hat was)

 

Chancen auf einen Sieg in Zürich?

Es gibt viele Acts, die probieren es immer und immer wieder bei nationalen Vorentscheiden. Manche schaffen es nie und bei manchen stellt sich dann plötzlich irgendwann das Gefühl ein, dass die Zeit nun endlich reif für einen Sieg ist. Genau dieses subjektive Gefühl habe ich 2017 bei Timebelle. Die charismatische Sängerin Miruna hat eine gute Bühnenpräsenz und der Song „Apollo“ kommt gefällig daher. Weiterer Pluspunkt: Timebelle haben die vermeintlich gute letzte Startnummer bei der grossen Entscheidungsshow.

 

Chancen in Kiew auf Finale und TopTen?

Was in Zürich klappen könnte, muss allerdings nicht zwingend auf der internationalen Bühne in Kiew funktionieren. „Apollo“ gehört zu der Sorte von Songs, die zwar vielen gefallen könnte, aber nicht stark genug heraus sticht und daher in einem großen Halbfinale mit vielen Songs auch etwas untergehen kann.  Das Finale wäre wohl kein Selbstläufer, aber möglich, wenn die Band es schafft den Song sympathisch und mit Wiedererkennungswert zu präsentieren … Sebalter hat es ja damals prima vorgemacht, wie so etwas geht.

Timebelle – Apollo (Studio Version)

 

Internet-Präsenz: 

Timebelle haben einen Twitter-Account, einen youtube-Kanal und sind bei Instagram und bei Facebook vertreten.

Die Schweiz wählt ihren Beitrag für Kiew in der „Grossen Entscheidungsshow“ am 5. Februar 2017 in Zürich. Wir werden selbstverständlich einen Liveblog dazu anbieten.

Bereits im Schweizer Songcheck erschienen:

(1) „Exodus“ von Shana Pearson
(2) „The Fire in the Sky“ von Nadya
(3) „Two Faces“ von Michèle
(4) “Gold” von Freschta
(5) „Cet air là“ von Ginta Biku

 

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