Scott Fitzgerald beim Eurovision Weekend Berlin: „Als ich beim ESC sang, dachte ich, ich wäre im Himmel“

Lars, Marc und Armen mit Scott Fitzgerald2

Als ich hörte, Scott Fitzgerald käme nach Berlin, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Lebt er überhaupt noch?! Jetzt bin ich so froh, ihn getroffen zu haben. Was für ein Schelm: Scott Fitzgerald hatte ständig einen witzigen Spruch auf den Lippen, lachte und erzählte viel und verstand sich mit jedem!! Er hatte sichtlich Spaß am Wochenende. Im Interview mit dem PRINZ-Blog erinnert er sich an den ESC 1988 und was danach passierte.

Das Eurovision Weekend (Bericht hier) begann am Freitagabend mit der Party im Schurkenkeller und so war ich froh, dass das Pressemeeting am Samstag erst am frühen Nachmittag terminiert war. Kurz vor diesem Meeting hatten wir Möglichkeit ein Interview mit Scott zu führen.

PrinzBlog: Scott, was war deine Intention, als Du Dich entschieden hast, beim ESC anzutreten?

Scott Fitzgerald: Ich wollte eigentlich gar nicht zum ESC. Ich dachte einfach nur „Go“ ist ein richtig guter Song und alles was ich wollte, war ihn aufzunehmen. Ich hoffte auf einen Chart-Erfolg. Aber Julie Forsythe (Anm d. Red: die Komponistin und eine Freundin Scotts) sagte mir: Scott, ich habe ein echt gutes Gefühl und ich möchte es für „Song for Europe“ einreichen (Anm d. Red: Song for Europe war viele Jahre lang die Vorentscheidung im Vereinigten Königreich). Ich musste total lachen, weil ich der Meinung war, dass wir bei den vielen hundert Songs, nie eine Chance hätten uns durchzusetzen. Aber wir haben dann doch das Ticket nach Dublin gewonnen.

UK 1988: Scott Fitzgerald – Go

 

PrinzBlog: Wer war denn deiner damaligen Meinung nach dein größter Konkurrent?

Scott: Oooh… da gabs einige. Zum Beispiel, der schwedische Sänger Tommy Körberg. Der war so populär in Skandinavien und ein großartiger Sänger. Aber auch Lara Fabian. Als ich jedoch Celine Dion singen sah, dachte ich noch: Dieses Mädchen hat etwas. In den Proben gab sie noch nicht mal 100 Prozent. Man hört das ja, wenn sich ein Sänger noch ein wenig zurückhält. Und sie war schon bei 50 Prozent großartig. Aber dann, als es drauf ankam: WOOOOOOOOOWWW… Großartig, wie eine Rakete schoss sie davon. Ich bin ein großer Fan von Celine.

Eurovisioin Weekend Berlin 2014 Interview Scott Fitzgerald
Ich erinnere mich, als der große Abend begann, saß ich hinten im Backstage-Bereich und hörte die Lieder der anderen und dachte: Oh, der war gut… und dann wieder, oooh… der war auch gut! So dass ich mich erstmal in der Toilette eingesperrt habe, weil ich einfach mal nur Ruhe brauchte. Ich wollte die anderen großartigen Sänger nicht hören (lacht…) Meine Aufregung war riesig. Aber dann hab ich mich beruhigt und als ich auf der Bühne war dachte ich: Oh mein Gott – ich bin im Himmel. Hinter mir habe ich ein 70-Mann-Orchester und stehe auf der großartigsten Bühne und ich habe einen WIRKLICH tollen Song. Und ja, ich hatte das Gefühl, als wäre ich im Himmel: JA!!!

Gegen Ende der Wertung, lag ich ziemlich deutlich in Führung. Dennoch gab es noch zwei Jurys und ich sagte, dem irischen Stage Manager, er solle sich beruhigen, ich habe noch nicht gewonnen. Alle TV-Kameras standen vor mir. Gefühlte 100 Kameras mit Journalisten aus der ganzen Welt und als dann die letzte Wertung reinkam – waren die alle weg! Es war ein wenig so, als hätte ich einen kleinen Vogel in der Hand gehalten, der auf einmal davon geflogen war. Genauso fühlte mich in diesem Moment.

PrinzBlog: Was hat dir denn der ESC gebracht, hatte der ESC Einfluss auf deine Karriere?

Scott: Ja schon – ich hatte ja schon vor dem ESC großen Erfolg. Ich nahm schon lange vorher Alben auf und hatte auch mit „If I had words“ einen großen Hit in UK und auch in Australien.

Scott Fitzgerald & Yvonne Keeley: If I had words

Dieser Song war 1995 im Soundtrack im Film „Babe“  und dieser Song hat im Internet etwa eine Million Klicks.

Der Famer singt dem Schweinchen Babe: If I had words

Ich hatte auch schon viele Auftritte in Musicals, unter anderem in Hair… (singt plötzlich): wheeeen the mooooon ist he 7th house….

Aber dennoch hat mir der ESC sehr geholfen. Er ebnete mir den Weg in den skandinavischen Musikmarkt. Damals war das gar nicht so einfach, es war ein relativ geschlossener Markt – aber der ESC hat mir die Türen geöffnet. Etwa 15 Jahre lang habe ich in Skandinavien gearbeitet.

Wir kamen dann ein wenig vom Thema ab und Scott erzählte uns von seinen Reisen, und lud uns ein, auf jeden Fall mal nach Schottland zu kommen… 

Scott: Schottland wird ja bald über seine Unabhängigkeit abstimmen. Vor ein paar Wochen sagte ich in einem Interview: Es war toll Großbritannien beim ESC zu vertreten, aber es wäre SUUUPER mal für mein Heimatland singen: Schottland.

PrinzBlog: Dann würdest du also noch mal teilnehmen, wenn sich die Chance ergebe?

Scott: Ja klar! Ihr müsst wissen, mein Sohn schreibt Songs – er arbeitet auch mit Pitbull, RedOne und JLo. Wenn mein Sohn mir einen Song schreibt, dann singe ich noch mal beim ESC für Schottland (lacht …)

PrinzBlog: Was bedeutet für dich “Go” heute noch – singst du es noch oft?

Scott: Nein …(lacht)…nein, ich bin ehrlich. Vor 3 Jahren habe ich es seit 1988 zum ersten Mal wieder gesungen. Der Anlass war ein ESC-Konzert in Newcastle. Da waren auch Brotherhood of Man dabei und auch Johnny Logan. Wir haben Spenden gesammelt für die Krebsforschung. Insgesamt hab ich den Song vielleicht 5 Mal gesungen.

PrinzBlog: Wie hast du dich dann dabei gefühlt, es wieder zu singen?

Scott: Es war großartig. Ich konnte die Reaktionen gar nicht glauben und fühlte mich wie ein Superstar. Die Menschen  sprangen auf und sangen mit.

PrinzBlog: Scott, wir kommen so langsam zum Schluss – eine Frage habe ich noch, wie siehst du denn die Entwicklung des ESC, so in den letzten 10 Jahren? Gefällt dir das oder hast du Kritikpunkte?

Scott: Eine Sache missfällt mir tatsächlich, dass die Musik nicht mehr live ist. Ein Künstler sollte ein Orchester haben und es sollte live sein – weil das macht doch die ganze Sache, die ganze Aufregung aus. Aber der ESC ist auch viel größer geworden – sehr viel größer. Und wieso? Weil Ihr da seid! Die Fans! Das ist großartig.

PrinzBlog: Vielen Dank für das Gespräch, Scott. Es hat uns viel Spaß gemacht und wir wünschen Dir alles Gute!

Douze Points hat für Euch die Ereignisse des letzten Wochenendes unterhaltsam zusammen gefasst und Ihr könnt das HIER nachlesen.