Siegerpressekonferenz Semifinale 1: Salvador Sobral – Flüchtlinge sind keine Immigranten

Wie schon angekündigt folgt hier ein vertiefender Bericht zur Pressekonferenz der zehn erfolgreichen Länder des ersten Semifinals. Es gab wie immer kaum aussagekräftige Statements der Künstler, da sie ihren Erfolg erst einmal verarbeiten mussten. Einzig Polens Kasia Mós und Salvador Sobral aus Portugal sind von ritualisierten Frage-Antwort-Klischees abgewichen..

Beim Einmarsch der zehn Teilnehmer gab es zunächst eine Fotomöglichkeit für die Presse (siehe Bildergalerie am Ende des Beitrags). Frenetischen Beifall gab es für die Künstler aus den verschiedenen Ländern. Erleichterung und Freude machte sich nicht nur bei den Interpreten breit.

Wa gerieten die meisten ersten Kommentierungen der siegreichen 10 zu Platitüden, wozu aber auch meist die beiden Moderatoren beigetragen haben, die zunächst maximal triviale „Eisbrecherfragen“ stellten.

Moldawiens SunStroke Project freuten sich sehr, nach drei Jahren ihr Land wieder ins Finale gebracht zu haben, während DiHaj aus Aserbaidschan sich von den Zusehern begeistert zeigte, die ihre Inszenierung verstanden hätten. Ähnlich äußerte sich Demy aus Griechenland, die sich über den großen Support freute.

Robin Bengtsson aus Schweden wurde wieder auf die Start-Nr. 1 angesprochen, die er nur mit hohem Puls ertrage. Die möchte er im Finale nicht noch einmal haben. (Muss er auch nicht, da er in der zweiten Hälfte startet.)

Salvador Sobral spielt zunächst mit seinem Mikro rum und behauptet, kein Englisch zu können. dann teilt er jedoch ausgiebig mit, dass er über den großen Zuspruch überrascht gewesen sei, da das Lied doch vom portugiesischen Text her kaum jemand verstehen würde. Es sei ein Beweis dafür, dass das Lied universell und keine Plastikmusik sei, wonach es Beifall von allen Seiten gab.

Polens Kasia Mós nannte auf die Frage hin, wen sie in ihrem „Liedschein der Taschenlampe“ am Ende des Finales sehen würde, gleich Salvadors Namen. Zudem erinnerte sie an die tollen Beiträge aus Finnland und Lettland, aber sie freue sich natürlich auch über ihren eigenen Erfolg.

Die einzige, die sich in dieser Pressekonferenz übersetzen liess, war Artsvik aus Armenien. Sie würde im Finale ihr Bestes tun, um weit nach vorn zu fliegen. Australien mit Isaiah Firebrace schloss sich der allgemeinen Freude an und selbst wenn Australien nicht die Eurovision austragen dürfte, wäre er stolz Repräsentant des Landes zu sein.

Zyperns Hovig wurde gefragt, welche Rolle ihm mehr läge – Hero oder Fantasy, wozu Hovig nur sagte, dass er er selbst sei und wenn überhaupt, dann beides in einem verkörpen würde.

Nur Belgiens Blanche tat sich etwas schwer, alle Fragen zu beantworten. Sie fand es natürlich schrecklich erst als letzte aus dem Umschlag gezogen worden zu sein, aber auf ihre Emotionalität angesprochen, blieb sie die Antwort schuldig.

Die zweite Fragerunde wurde dann kurzerhand durch die Moderatoren plötzlich anders gestaltet, wobei die beiden sich auch nicht ganz einig waren. Fragen aus dem Forum wurden zugelassen, die zunächst an Moldawien gerichtet wurden. Natürlich würden die Jungs erst mal ihre Moms anrufen.

Dann sprang man zu Belgien, wo eine sichtlich überforderte Blanche kaum Worte fand. Der ganzen Situation schien die introvertierte Künstlerin nicht so gewachsen zu sein, was sie aber auch sehr sympathisch machte.

Dafür lobte Aserbaidschan die Veränderungen innerhalb der Eurovision. Experimentelle Lieder wie aus Aserbaidschan und Belgien hätten plötzlich Chancen. Vielleicht würde es einen generellen Wechsel weg vom Mainstream-Pop geben.

Hovig zeigte sich beeindruckt von den Fans und meinte, dass dieser Wettbewerb ihnen gehören würde. Demy aus Griechenland musste sich dann nochmals zu ihrem Staging äußern, das in einer Märchenwelt beginnt und wo die beiden Tänzer als Schwäne die ewige Liebe darstellen würden.

Isaiahs Botschaft in seinem Lied sei, dass wenn man hart arbeiten würde, man alles erreichen könnte. In einer späteren Frage an Kasia Mós äußerte die sich ähnlich.

Schwedens Robin Bengtsson wurde dann gefragt, ob Italien unschlagbar sei, wozu er nur meinte, dass es mehr Länder geben würde, die um den Sieg mitkämpfen würden. Für Artsvik aus Armenien war allein die Teilnahme am Songcontest eine Realisierung ihrer Träume.

Den Abschluss der zweiten Fragerunde bildeten zwei Statements, hinter denen die jeweiligen Künstler persönlich stehen. Während die engagierte Tierschützerin Kasia Mós hofft, dass sich die Gesetzeslage in Polen in Bezug auf die Hundehaltung (das In-Ketten-Legen sei auch Gegenstand ihres Songs) im Nachgang zum Song Contest ändert, sprach Salvador Sobral aus Portugal  eine bewegende Sätze zur Flüchtlingskrise in Europa.

Er wurde gebeten, doch bitte sein T-Shirt zu zeigen, auf dem S.O.S. Refugees stand. Mit dieser Botschaft sei er nach Kiew gekommen. es sei ihm äußert wichtig, festzuhalten, dass Flüchtlinge keine Immigranten seien: „Refugees are no immigrants“. Sie würden aus ihrer gewohnten Umgebung flüchten und müssten dann in den sicheren europäischen Ländern einen Bürokratiemarathon über sich ergehen lassen. Salvadors Wunsch sei, dass es eine gesetzliche Regelung geben sollte, die ein einfacheres Einreisen der Flüchtlinge in ihre Zielländer möglich machen würde. Wir alle seien doch Menschen und keine Tiere.

Nach dieser Fragerunde durfte dann querbeet ausgesucht werden, an wen man noch eine Frage stellen wollte. Hovig aus Zypern wurde hierbei gefragt, was die Zukunft bringen würde. Er hätte noch keine Pläne, aber natürlich würde die Musik im Mittelpunkt stehen. Moldawiens Wiederholungstäter konnten dann nur noch den Tipp an die anderen neun geben, das Finale zu geniessen.

Auch Salvador Sobral verspricht sich von der Eurovision viel. Er hofft, dass er dadurch Einladungen zu Konzerten in andere Länder bekommt. Eine Europa-Tour oder besser noch eine World-Tour wären doch was.

Damit war die Fragerunde beendet und das Losglück wurde herausgefordert, was wir hier ja schon gebloggt haben.