Slowakei im Mai mit Mai

Erneut haben die Slowaken ohne Vorentscheid ein Lied für den Eurovision Song Contest ausgewählt. Ein Rocksänger tritt in die Fußstapfen der Zwillinge TWiiNS. Gelingt dem Jüngling mit dem blondgewellten Haar jetzt endlich mal der Finaleinzug für seine Heimat?

Wie Kai aus der Kiste verkündete RTVS, der slowakische Fernsehsender, am Mittwoch Vormittag plötzlich, wen man für die Slowakei nach Baku schickt: Es ist Miroslav Šmajda alias Max Jason Mai

Wie passend – denn der Grand Prix findet ja Ende… Mai… statt. 😉 Sein Name war zuvor schon mal als der slowakische Kandidat für Baku durchgesickert, war dann aber wieder dementiert worden. Jetzt ist er es also doch.

Zugleich füllt Max Jason Mai eine Lücke, die es beim diesjährigen Song Contest noch gibt: Hardrock. In den letzten Jahren wurde diese Musikrichtung gern von Balkanländern bedient, etwa von Mazedonien 2009 und 2010, oder von Vukašin Brajić (2010) für Bosnien. In diesem Jahr ist bisher nur Sinplus aus der Schweiz auf rockigen Pfaden unterwegs.

Nun gesellt sich also Miro/Max dazu. Er wird in seinem Semifinale (das zweite am 24. Mai) auch nicht auf Sinplus treffen – das würde frühestens im Finale am 26. Mai passieren, falls beide Songs sich für die Endrunde qualifizieren.

Max Jason Mai singt in Baku den Titel „Don’t Close Your Eyes“, den er selbst geschrieben hat. Der Song ist deutlich härter als die oben genannten Nummern – am ehesten kommt Miros Song in Sachen Heftigkeit noch an Georgiens Rockstück vom vorigen Jahr („One More Day“) ran.

Sehr gitarrenlastige, energetische drei Minuten mit harten Riffs, die an Judas Priest und Iron Maiden erinnern. Man muss schon Rockfan sein, um das zu mögen (und dazu zählen ESC-Fans ja nicht unbedingt…) Der Refrain ist allerdings – trotz der Gitarren – recht melodiös.

Mai wurde 1988 in der Slowakei geboren und wurde 2009 in seiner Heimat bekannt durch eine TV-Castingshow (die slowakische Version von Deutschland sucht den Superstar). Er nennt unter anderem die Rockband Led Zeppelin als Vorbild und hat bei der Castingshow auch Songs von Led Zeppelin gecovert. Er wurde damals Zweiter und begann dann eine Karriere, die ihn nun also zur Eurovision bringt. Mit hübsch gewelltem blondem Haar… 2009 sah er als 21-Jähriger beim slowakischen DSDS erst recht süß aus mit seiner Benny-1976-Gedächtnisfrisur:

Für die jüngeren Leser: Benny (Schnier) war ein junger blonder Sänger, der 1976 als 19-Jähriger mit „Amigo Charly Brown“ in Deutschland einen Hit hatte:

Aber zurück zu Max. Seine Liste von Vorbildern – neben Led Zep auch Metallica, Judas Priest, Ozzy Osbourne, 30 Seconds To Mars, aber auch Antonin Dvorak (!) – gibt die Musikrichtung vor. „Don’t Close Your Eyes“ sticht im 2. Semifinale auf jeden Fall hervor. Ob das aber auch ein Pluspunkt für eine Finalqualifizierung ist, bleibt abzuwarten.

Die Slowaken hatten seit ihrer Rückkehr zum ESC im Jahr 2009 kein Glück und blieben stets im Semifinale stecken, selbst mit der großen Fan-Hoffnung „Horehronie“ 2010. Insofern ist es vielleicht der Mut der Verzweiflung, der RTVS jetzt etwas Ungewöhnliches wagen lässt. Vielleicht werden sie dafür ja belohnt.