Sommer-Special 2014: Ferien daheim – Teil 14: Willkommen in Frankreich

Ferien daheimNach der kleinen, aber feinen Touristenreklame der Dänen im Jahre 1995 war über ein Jahrzehnt Ruhe mit Flausen dieser Art beim ESC. 2007 ging es aber wieder los und zwar mit Krawumm. Die Franzosen sangen ein Lied über die Liebe auf französische Art und dabei ging es vor allem ums Auffallen. Eine punkähnliche Band versuchte die Zuschauer dazu zu bewegen, für ihr Lied anzurufen und gleich noch eine Reise ins Land der Liebe zu buchen.

Champs Elysees - ParisParis ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch das Zentrum von Frankreich. Andere Städte und Regionen existieren und haben ihre eigene Attraktivität, aber letztendlich läuft immer alles auf Paris hinaus – zumindest wenn es darum geht, Frankreich durch zwei, drei Begriffe zu umschreiben. Da fallen dann „Seine“, „Champs-Elysees“, „Eiffelturm“, und „Moulin Rouge“.

Frankreich - MapGenau diese Schlüsselbegriffe machen den Kern des Beitrages „L’amour à la française“ aus, den Les Fatals Picards für den ESC 2007 schrieben und dann nach knappem Vorentscheidungssieg auch dort vorstellten. Die Band war zu dieser Zeit schon halbwegs etabliert und hatte mit ihren parodistisch-punkigen Liedern, in denen sie oft aktuelle gesellschaftliche Themen satirisch aufarbeiteten, bereits vier Alben bestückt.

Dies war eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Franzosen für ihren ESC-Auftritt die englische Sprache nutzten, genauer gesagt ein skurriles französisch-englisches Sprachgemisch.

I remember hübsches Mädchen
The last summer, wir der Eiffelturm
I remember wie schön du warst
So beautiful with your Handtasche von Chanel

Und ich laufe, laufe, laufe
I’ve lost die Liebe, Liebe, Liebe
Ich bin verloren, here without you

Ich vermisse dich, ohne dich I can’t
Und unter dem Regen I feel sorry
Champs Elysées alone in der Nacht
Das Moulin Rouge, I feel guilty.

Paul LegerMusikalisch war der Song ein flotter Indierocker mit einer allerdings recht überschaubaren Melodie. Zentrum des Auftritts war Paul Léger, der den Hauptgesangspart zu verantworten hatte und mit seinem Dackelblick immer wieder in die Kamera blickte. Aber fast ebenso präsent: Sänger Nummer 2, Ivan Callot, der große Teile des Liedes mit Kopfstimme begleitete und dabei Mimik und Gestik einer überdrehten Chansonette aus dem St. Germain der 50er Jahre an den Tag legte.

Ivan CallotDie Band stand, wie es für eine Band mit Instrumenten üblich ist, etwas statisch auf der Bühne. Pep gab es durch die Kostüme von Jean-Paul Gaultier, der farblich vor allem auf 50 shades of pink setzte. Dazu kamen allerlei kleine Accessoires und Spezialitäten: so trug der Schlagzeuger Engelsflügel am Rücken, Ivan ein Katzenimitat um den Hals und  Paul gefährliche High-Heels an den Füßen. Um die immer wiederkehrende Textzeile „Elle cours, elle cours“ („Sie läuft, sie läuft“) noch deutlcher herauszuheben, präsentierten der Gitarrist und Ivan hochmotiviert einen kleinen Standwettlauf, Ivan umrundete später noch einmal die gesamte Bühne. Alles in allem also ein großes Durcheinander, für das der britische Kommentator Terry Wogan nach Ende des Liedes nur zu einem entsetzten „Wasn’t that awful?“  übrig hatte.


Tatsächlich war Terry wohl nicht der Einzige, der diesen Auftritt ganz furchtbar fand, denn europaweit kam diese Liebe auf französische Art so gar nicht an. Bei 24 Teilnehmern musste man sich mit Rang 22 zufrieden geben. Und auch die touristische Ausbeute war möglicherweise nicht besonders groß: Gewiss, Kernbegriffe waren gefallen, aber die musikalische Umsetzung und die Präsentation ließ die möglicherweise vorhandene Absicht, zahlende Gäste ins Land zu holen, in den Hintergrund treten.

Les Fatals PicardsAber wen wundert es? Les Fatals Picards waren und sind eine ironische Punkband, für die ein Song in der Art von  „Hinter den Kulissen von Paris“ sicherlich nie in Frage käme, auch wenn damit Busladungen von Touristen ins Land der Liebe kommen würden.

Der internationale Flop konnte der Karriere der Gruppe in Frankreich nichts anhaben –  im Gegenteil. Auch wenn Ivan Callot die Band noch 2007 zugunsten eigener Projekte verließ, ging es weiter bergauf. Seit ihrem ESC-Auftritt sind zahlreiche Studio- und Livealben erschienen, die sich alle in den französischen Charts wiederfanden und auf denen sie allerlei, was in Frankreich so passierte, durch den Kakao zogen.

Les Fatals Picards mit ihrer Parodie auf das französische Wohltätigkeitsprojekt „Les Enfoirés“ -un hier eines der Originalvideos.

 

Bisher erschienen im ESC Sommer-Special 2014 – Ferien daheim:

Teil 1: Willkommen in Holland
Teil 2: Willkommen in Wien
Teil 3: Willkommen in Stockholm
Teil 4: Willkommen in Portugal
Teil 5: Willkommen auf Malta
Teil 6: Willkommen in der Schweiz
Teil 7: Willkommen in Lappland
Teil 8: Willkommen in Monaco
Teil 9: Willkommen in Amsterdam
Teil 10: Willkommen in Spanien
Teil 11: Willkommen in Griechenland
Teil 12: Willkommen auf Korsika
Teil 13: Willkommen in Mols und Skagen