Sommer-Special 2014: Ferien daheim – Teil 16: Willkommen in Moldawien

Ferien daheimWir kommen langsam ans Ziel unserer kleinen Reisereklamereise durch Europa. Nach den etwas verunglückten Touristenwerbungen aus Frankreich und Irland, fand die Teilnehmerin aus der Republik Moldau, im Deutschen auch Moldawien genannt, im Jahre 2009 wieder einen stimmigeren Weg, ihr Land beim ESC ins rechte Licht zu rücken: schwungvolle Folkloreklänge und ein Trachtenkleid waren der Schlüssel.

Moldau - MapMoldawien ist ein kleiner Staat in Südosteuropa und war wie so viele andere Länder in dieser Region im 20. Jahrhundert sehr durch die politische Großwetterlage geprägt. Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde Moldawien unabhängig und erbte wie auch andere Ex-Sowjetregionen einen ethnischen Konflikt. Die russischsprachigen Einwohner der östlichen Region Transnistrien spalteten sich in einem Bürgerkrieg von Moldawien ab, weil sie nicht zu Rumänien gehören wollten. Die rumänischsprachige Mehrheit hatte nämlich in den 90ern eine starke Wiedervereinigungstendenz zum westlichen Nachbarland, zu dem man vor dem Zweiten Weltkrieg auch schon einmal gehörte.

Mittlerweile ist davon nicht mehr die Rede. ChișinăuMoldawien orientiert sich in Richtung EU, während man in den abtrünnigen Gebieten östlich des Dnjestr in einer Art Sowjet-Freilichtmuseum lebt. Kulturell besitzt Moldawien viele Parallelen zu Rumänien und zu anderen Ländern der Region – unter anderem den schwungvollen Rundtanz namens Hora. Dieses kulturelle Puzzlesteinchen wurde zum Thema des moldawischen ESC-Beitrages 2009 und in Moskau als „Hora din Moldova“ präsentiert.

Mit viel Hey, hey und viel Spaß an der Sache arbeitete Nelly Ciobanu die besondere Energie dieses Tanzes und ihres Landes heraus:

All die Berge, all die Seen,
all die Winde tanzen die Hora.
Es ist ein Tanz, den du noch nie gesehen hast,
aus meinem Land namens Moldawien.

Sha lai lai la, und der Flug
Sha lai lai la, bringt Traurigkeit
Der Tanz des Feuers, das Spiel der Liebe
Ist der Tanz Moldawiens

Ra, he hey, he hey
Komm zum Tanz, Komm zum Tanz aus Moldawien
Ra, he hey, he hey
Der Tanz ist schnell, der Tanz aus Moldawien ist schnell.

Nelly Ciobanu - AuftrittDer Text gibt bereits die musikalische Marschrichtung vor: schnell muss es sein und schnell ist es. Der ganze Song wird im Turbotempo dargeboten, nur Nellys Anfangsheuler, mit dem sie zum Tanz aufzurufen scheint (und bei dem sie Zeit hat, ihre Handinnenfläche mit den Namen ihrer Tochter in die Kamera zu halten), sowie eine ruhigere Gesangsphase gegen Ende stehen dazu im Kontrast. Es gibt Balkan-Blasmusik und eine Art Rap in der Mitte. Generell trumpft das Lied nicht mit den großen Meldebögen auf, alles geht recht staccatohaft zu, aber so kriegt man Tanzen und Singen auch besser unter einen Hut.

Mindestens genauso wie durch Lied und Liedtitel werben die Moldauer durch die Bühnendarbietung für ihr Land. Natürlich wird bei einem Tanzlied getanzt. Und dafür sind vier Tänzer verantwortlich, die die drei Minuten ohne Pause über die Bühne wirbeln und auch vor akrobatischen Einlagen nicht zurückschrecken. Nelly, als Mittelpunkt der Nummer hat sich eine Art Dirndl angezogen, das in der oberen Region der Oberschenkel endet. Das macht das Tanzen einfacher und die Schublade „Sex sells“ wird auch noch bedient. Der Hilfssänger zur Linken demonstriert zudem, dass man in Moldawien wirklich nicht davor zurückschreckt, bei der Arbeit alles zu geben.


„Hora din Moldova“ war ein dynamischer, landestypischer Ansatz der in Moskau mit einem anständigen 14. Platz im Finale belohnt wurde. Dabei waren vorm ESC-Auftritt Sorgen berechtigt, lieferten die Moldauer ein Preview-Video ab, bei dem es einen Zusammenschnitt aus unterschiedlichsten Quellen mit viel Moldau, viel Tänzer, hin und wieder ein Nelly-Close Up, hin und wieder ein Vorentscheidungsschnipsel, aber nur wenig Struktur gab. Wie gesagt, in Moskau lief dann aber alles wie am Schnürchen.

Nelly_Ciobanu_-_Hora_din_MoldovaIn Moldawien hat sich „Hora din Moldova“ bereits jetzt, fünf Jahre nach dem ESC-Auftritt zu einem kleinen Evergreen entwickelt. Gerne werden Song und Tanz bei Hochzeitsfeiern oder anderswo aufgeführt, auch in Castingshows kam das Lied schon vor.

Das wird Nelly Ciobanu freuen, angewiesen ist sie jedoch nicht darauf. Bereits seit Beginn der 90er Jahre ist sie in ihrem kleinen Land groß im Geschäft, zunächst im Duett mit ihrem Bruder, später allein. Bei der ESC-Premiere ihres Landes im Jahre 2005 belegte sie bereits den zweiten Rang in der Vorentscheidung mit dem Titel „One more time“. Zuvor hatte sie schon Erfahrung auf anderen Festivals gesammelt. 2012 war sie auch noch einmal im Gespräch für den ESC. Mit der etwas konventionellen Midtempo-Powerballade „Turn on the light“ kam sie aber nicht ins Fernsehfinale. Aber ihrem fabelhaften Auftritt als moldawische Hostess hätte sie damit vermutlich sowieso nicht das Wasser reichen können.

Nelly Ciobanur

 

Bisher erschienen im ESC Sommer-Special 2014 – Ferien daheim:

Teil 1: Willkommen in Holland
Teil 2: Willkommen in Wien
Teil 3: Willkommen in Stockholm
Teil 4: Willkommen in Portugal
Teil 5: Willkommen auf Malta
Teil 6: Willkommen in der Schweiz
Teil 7: Willkommen in Lappland
Teil 8: Willkommen in Monaco
Teil 9: Willkommen in Amsterdam
Teil 10: Willkommen in Spanien
Teil 11: Willkommen in Griechenland
Teil 12: Willkommen auf Korsika
Teil 13: Willkommen in Mols und Skagen
Teil 14: Willkommen in Frankreich
Teil 15: Willkommen in Irland