ESC-Songcheck (14): „Party for everybody“ von Buranovskiye Babushki

Beim russischen Vorentscheid stachen sie das favorisierte ESC-Veteranen-Duo Yulia Volkova (t.A.T.u.) und Dima Bilan aus. Nun nehmen sie Kurs auf Baku: Die sechs Großmütter aus Buranowo. Mit ihrem Gute-Laune-Hit, deren Refrain sie einer Hessin zu verdanken haben, wird erstmals ein Lied auf Udmurtisch auf der Eurovisions-Bühne präsentiert. Trotzdem oder gerade deswegen fahren die Omas als Favoriten ans Kaspische Meer.

Die Story stimmt: Sechs Großmütter aus der Taiga lassen sich trotz vieler Schicksalsschläge die Stimmung nicht verderben und singen in heimischer Tracht hinreißend liebevoll (wenn auch nicht immer stimm- und textsicher) einen eingängigen Partysong. Damit haben die Omas nicht nur die Russen überzeugt, sondern bereits weit vor dem Eurovision Song Contest international für Schlagzeilen gesorgt.

Russland 2012: Buranovskiye Babushki – Party for everybody

Bereits 2010 hatten es die Großmütter beim russischen Vorentscheid versucht, landeten damals jedoch nur auf einem respektablen dritten Rang. Die Gruppe besteht bereits seit 40 Jahren und möchte mit allem Geld, das sie durch die Auftritte verdient, die Kirche in ihrem Heimatort sanieren.

Eigentlich bestehen die Buranovskiye Babushki aus acht Mitgliedern (siehe Foto unten), von denen aufgrund der ESC-Regeln aber nur sechs auf der Bühne stehen dürfen. Das älteste Mitglied, die 86-jährige Jelisaweta Sarbotwa, hat nur gelegentliche Gastauftritte, so dass abzuwarten bleibt, ob man sie in Baku sehen wird.

Das jüngste Mitglied ist mit 43 Jahren Olga Nikolajewna Tuktarjowa, die gleichzeitig als Chorleiterin fungiert und den udmurtischen Text zu „Party for everybody“ geschrieben hat. Komponist ist Viktor Drobych, aus dessen Feder auch schon der russische Beitrag von 2005 („Nobody Hurt No One“) stammte.

Den Text schrieb damals die Hessin amerikanischer Abstammung Mary Applegate, deren Hilfe auch bei „Party for everybody“ in Anspruch genommen wurde. Sie textete den englischen Teil des Liedes: „Party for everybody – dance. Come on and dance. Come on and dance. Come on and boom boom.“ Der sich im nachfolgenden hr-Bericht aufdrängende Eindruck, Frau Applegate hätte das gesamte Lied verfasst, ist hingegen nicht korrekt.

 

Das Lied hat ein getragenes Intro, in dem von den Vorbereitungen des bevorstehenden Besuchs der Kinder gesungen wird (Tischdecke ausbreiten, Teig zubereiten). Anschließend dreht es in einen rhythmischen und bisweilen stark redundanten Mitklatsch-Partysound der einfachsten, aber doch auch eingängigsten Sorte. Passend dazu der Text: Das Haus ist voller Kinder, sie zieht ein grünes Kleid an, alle tanzen und auch Hund und Katze sind glücklich.

Mit dieser Mischung setzten sich die Omas beim umfangreichsten nationalen Vorentscheid dieses Jahres durch, der an einem einzigen Abend ausgetragen wurde. Insgesamt konkurrierten 25 Beiträge. Der Live-Blog kann hier nachgelesen werden.

So sympathisch die Gruppe und so mitreißend der Auftritt ist, das Lied „Party for everybody“ ist weder besonders originell, noch zeitgemäß. Die Performance mag die Zuschauer am Finalabend erreichen. Ein Leben darüber hinaus wird der Song selbst jedoch kaum haben. Insofern wünsche ich den Omas viel Glück und Erfolg. Den Sieg am 26. Mai gönne ich ihnen jedoch nicht.

Über einen Facebook-Auftritt verfügen die Buranovskiye Babushki nicht, allerdings kann man ihnen auf Twitter folgen.

PRINZ-Blog-Urteil:

Songqualität: 3/10
Interpretation: 10/10
Chancen auf Finaleinzug: 100 Prozent (Platz 1 nach Ansicht der Blogger im ersten Semifinale)