ESC-Songcheck (23): „We are the Heroes“ von Litesound

Wenn eine Band in Weißrussland das Lied schreibt, das später Klingelton des Jahres wird, dann muss diese Gruppe früher oder später zum Eurovision Song Contest. Dafür räumt der „gütige“ Landesvater schon mal persönlich die eigentliche Vorentscheid-Siegerin aus dem Weg und schickt radiotauglichen Rockpop von einer post-sowjetischen Diktatur in die andere – nach Aserbaidschan.

Die Band Litesound wurde bereits vor zehn Jahren von den Brüdern Dimitry und Wladimir Kariakin gegründet. Zwei Jahre später kamen zwei weitere Mitglieder hinzu, 2006 ging außerdem der Italiener Jacopo Massa an Bord. Irgendwann kamen die zwei 2004 hinzugewonnen Bandmitglieder abhanden. Mittlerweile ist man aber mit dem russischen Gitarristen Alex Kolchin und dem weißrussischen Schlagzeuger Ignat Jakovitsch wieder zu fünft unterwegs.

Insgesamt fünfmal versuchte sich die Gruppe beim weißrussischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest. In diesem Jahr (hier unser Bericht vom Vorentscheid) schafften sie es wieder mal auf den zweiten Platz. Allerdings wurde die Gewinnerin Alena Lanskaja wenige Tage nach ihrem Sieg disqualifiziert. Niemand geringeres als der diktatorische Staatschef Alexander Lukaschenko schickte sie ausgerechnet wegen eines angeblichen Televotingbetrugs aus dem Rennen. So kamen dann doch noch Litesound, die Favoriten des Saalpublikums beim Vorentscheid, zu ihrem Ticket nach Baku.

Weißrussland 2012: Litesound – We are the heroes

Zwischenzeitlich wurde an ihrem Beitrag We are the Heroes noch fleißig rumgeschraubt. Hierfür ließ man den griechischen Produzenten Dimtiris Kontopoulos einfliegen, der schon Helena Paparizous My Number One, Dima Kolduns Work Your Magic, Ani Loraks Shady Lady und Sakis Rouvas This is our Night auf Erfolg trimmte. Das Ergebnis ist ein Intro, das etwas an Celebrate, den kroatischen Beitrag von 2011 erinnert, und auch sonst leicht elektronischer daher kommt. Das entsprechende Video ist noch nicht fertig; bisher gibt’s dafür nur einen Trailer.

Litesound hat an gefühlt 10.000 Wettbewerben teilgenommen und mindestens genauso viele Gigs gespielt. Für ihr Video See You In Vegas erhielten Sie den Nationalen Pop Music Award für das beste Musikvideo (Weißrusslands). Zweimal bekamen sie den „Lied des Jahres“-Preis, wobei ein Titel davon, The Life, vom TV-Sender CTV auch noch als bester Klingelton des Jahres augezeichnet wurde. Vor diesem Hintergrund überrascht es schon, dass Litesound in ihrer zehnjährigen Bandgeschichte mit dem Album Going to Hollywood nur eine einzige CD veröffentlicht haben.

We are the Heroes, das laut berufener Seite auch als Nickelback-Song durchgehen könnte, ist zwar mittlerweile etwas überproduziert, geht aber nach wie vor als glaubwürdiger Poprock durch. Die im gleichen Genre wildernden Schweizer von Sinplus, die ebenfalls recht ansehnlich und auch mit einem deutlichen Akzent geschlagen sind, starten im anderen Semi. Die im gleichen Halbfinale antretende Mazedonierin Kaliopi singt zwar eine Rockballade, spricht damit aber doch eine andere Klientel an.

Problematischer ist da schon, dass Litesound mit dem Slowaken Max Jason Mai konkurrieren, der richtigen Hardrock auf die Bühne bringt und dann auch noch eine günstigere Startnummer hat. Entsprechend skeptisch sehen die PRINZ-Blogger die Chancen auf einen Finaleinzug der Weißrussen.

Litesound sind recht kommunikativ. Man kann ihnen bei Facebook, Reverbnation und Twitter folgen.

PRINZ-Blog-Urteil

Songqualität: 6/10
Interpretation: 7/10
Chancen auf Finaleinzug: 41% (und damit Platz 13 im zweiten Semifinale nach Ansicht der Blogger)