Song ist endlich da: Hausmannskost aus Montenegro

Knez ESC Montenegro 2015
Lucky 40! Oder auch: Was lange währt, wird endlich gut. Nach einen fulminanten ESC Endspurt mit einigen Top-Ten-verdächtigen Hitsongs aus Schweden, Norwegen, Russland und Aserbaidschan legt mit Montenegro auch das letzte und vierzigste Land seinen Titel für Wien vor. Und zwar – man traut es sich kaum zu schreiben – eine Ballade. Exakter: sogar einen typische Ethno-Schmalz Balkanballade aus der Feder von Željko Joksimović, die auch sehr nach Željko Joksimović klingt.

„Adio“ heißt der Titel und vorgetragen wird er in Wien von Nenad Knežević mit dem griffigen Künstlernamen Knez. Eine gewisse Ironie hat die Songveröffentlichung, denn nachdem Knez der allererste Künstler überhaupt war, der für den LineUp des diesjährigen ESC bekanntgegeben wurde, wird der zugehörige Song aus Montenegro als allerletzter bekanntgegeben, sogar einen Tag nach dem offiziellen „Einsendeschluss“ zum HoD-Meeting in Wien rund um den 16. März 2015.

Knez aus Montenegro und zwei furchtbare Designerlampen
Das Bildmaterial, das das montenegrische Fernsehen RTCG veröffentlicht, suggeriert es bereits: Hier wird mit viel Pathos Balkandrama pur im Oberschichtenchic abgeliefert. Knez trägt Smoking oder posiert in der Ledergarnitur mit zwei ungewöhnlich hässlichen Designerlampen (kennt jemand den Hersteller?).

Der Wahl-Belgrader Knez ist auf dem Balkan seit 20 Jahre ein etablierter Künstler, aber der große ESC-Name ist logischerweise der Songwriter dahinter: Željko Joksimović hat so viele ESC-Berührungen, die dreimal reichen, um ihn zu einer Song-Contest-Ikone zu machen. 2004 wurde er für seine Heimat Serbien mit dem grandiosen „Lane Moje“ zweiter in Istanbul hinter dem furchtbaren „Wild Dances“. Zwei Jahre später wurde er mit „Lejla“ (als Komponist) dritter in Athen (für Bosnien-Herzegowina).

Zwei Jahre später in Belgrad war er nicht nur erneut als Songwriter dabei (mit „Oro“ für den Gastgeber), sondern co-moderierte den Contest auch gleich noch. Für Serbien durfte er dann auch noch mal nach Baku fahren und holte mit „Nije ljubav stvar“ wie schon in Athen einen exzellenten dritten Platz.

1. Probe Serbien1. Probe SerbienMusic meets Art: Ein Livebild und ein künstlerisches Bild von PRINZ Fotograf Volli von Željko Joksimović in Baku.

Entsprechend hoch dürften die Erwartungen Montenegros sein (Montenegro ist übrigens ein ESC-Lieblingsland des Autors dieser Zeilen, was maßgeblich an dieser Preziose liegt). Der Joksimović-Style ist eine bewährte Erfolgsformel, wir werden sehen, ob sie bei diesem balladentriefenden Jahrgang 2015 ein weiteres Mal funktioniert.

Montenegro: Knez – Adio

Nach dem ersten zwei, drei, viermal Durchhören klingt’s erstmal sehr nach Hausmannskost ohne große neue Impulse. Aber heimelig melancholisch isses natürlich. Die Landessprache ist auch ein Plus. Schmachtend singt Knez von langsam verblühenden weißen Lilien und blühendem Rosmarin (sofern mich google translate nicht überlistet hat). Man darf gespannt sein, ob Knez mit „Adio“ eine ähnliche authentische Balkanmagie auf die Bühne zaubert wie sein Übervater Joksimović.

Knez RTCG Präsentation
Vielleicht kriegt Montenegro durch die Performance ja auch zusätzlichen Drive für das Punktekonto zustande. Wir empfehlen unbedingt, die Rambo Amadeus in 2012 flankierenden Tänzer auch in Wien wieder zu aktivieren. Wir haben die „Euro Neuro Boyz“ – wie wir sie damals liebevoll nannten – jedenfalls in bester Erinnerung.

Euro Neuro BBOYThe Euro Neuro Bad Boyz 2Euro Neuro Dancer 3Seventeen Euro Neuro Boyz
Die Euro Neuro Boyz promoteten sympathisch einen der am meist unterschätzten ESC Songs des neuen Jahrtausends, der Montenegro ganz groß auf die Avantgarde-Agenda gehoben hat.

 

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