Songcheck Schweiz (3): “Kiss Me” von Naeman

2011 führte die Straßenmusikerin Anna Rossinelli die Schweiz nach vier Jahren Abstinenz wieder ins ESC-Finale (wo sie dann Letzte wurde). Mit Naeman Meier will es ihr ein ebenfalls erfahrener Straßenmusiker gleichtun (also die Finalqualifikation). Er hat obendrein reichlich Castingshow-Erfahrung. Für den ganz großen Durchbruch hat’s dabei bisher nicht erreicht. Schafft er es mit „Kiss me“?

Wer singt?

Wie alle Künstler in seiner Generation hat auch Naeman auf YouTube bekannte Künstler gecovert. Während der große Durchbruch auf sich warten ließ, versuchte es Naeman bei Deutschland sucht den Superstar und schaffte es dort zumindest in den Recall. Getreu seinem Motto „hard work“ setzte er dann auf die Straßenmusik.

Später versuchte er noch ein weiteres Mal sein Glück bei einer Casting-Show, diesmal bei Die grössten Schweizer Talente. Dort schaffte er es immerhin bis ins Halbfinale. Anschließend tourte er als Straßenmusiker durch 15 Länder. Dabei erarbeitete er sich auch ein anständiges Fan-Polster in den Sozialen Medien. Ende 2016 kam dann endlich seine erste Single, „My Story„, auf den Markt. Von seiner Teilnahme am Schweizer Vorentscheid erwartetet sich der ausgebildete Kaufmann einen weiteren Push für seine Musiker-Karriere – idealerweise durch einen Auftritt in Lissabon.

Der Song

Dass Justin Timberlake das große Vorbild von Naeman ist, ist bei „Kiss Me“ nicht zu überhören. Der rhythmisch-poppige Sound gemischt mit RnB-Einsprengseln sowie einem klaren Refrain würde auch beim US-Amerikaner nicht überraschen. Der Aufbau des Liedes ist dabei durch und durch klassisch und beinhaltet auch eine Brücke. Eine doppelte Herausforderung könnte beim Vorentscheid der Gesang werden: zum einen will Naeman auch choreographiert tanzen, zum anderen wird seine Stimme in der Studioversion des Songs bisweilen verfremdet – und das geht natürlich nicht beim ESC.

„Kiss Me“ ist eine internationale Produktion, die allerdings auf Schweizer Boden, nämlich im Suisa-Songwriting-Camp des Schweizer Fernsehens, entstanden ist. Neben Kate Northrop, einer US-Amerikanischen Songwriterin, die in der Schweiz lebt, Eric Lumiere aus Los Angelas und dem Schweden Ken Berglund war daran auch Alejandro Reyes beteiligt, gegen den Naeman bei der Entscheidungsshow antritt.

Naeman – „Kiss Me“

 

Internet-Präsenz: 

Als junger Künstler verzichtet Naeman auf eine eigene Website und setzt stattdessen voll auf Social Media, wie z. B. Facebook, Instagram, YouTube und Twitter.

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 5/5 (Wurzeln in Indonesien, den Niederlanden und dem Appenzell sowie Fitnesstraining zahlen sich aus)
Stimme: 3/5 (gefällig, aber nicht sehr kräftig oder hervorstechend)
Komposition: 3/5 (aktueller Pop, der nicht langweilt, aber auch nicht aufrüttelt)
Instant Appeal: 4/5 (nicht bei jedem, aber sicher bei der Zielgruppe)

 

Chancen auf einen Sieg in Zürich?

Siegchance: 30 %

Auch wenn Naeman einen aktuellen Song am Start hat und mit das größte Social-Media-Reservoire, so ist es ihm bisher nicht gelungen, überdurchschnittliche Clickzahlen für sein Video zu generieren. Im Gegenteil. Auch die Begeisterung der ESC-Fans hält sich in Grenzen. Andererseits könnte man durchaus auch mal ein positives Zeichen werten. Für mich klar der modernste Song im Schweizer Rennen.

 

Chancen auf Finale in Lissabon?

Final-Quali-Chance: 60%

Aktuelle Popmusik – und das ist „Kiss Me“ – wird mittlerweile beim Eurovision Song Contest goutiert – nicht zuletzt von den Jurys. Wenn sich Naeman mit seinem Vortrag im Schweizer Vorentscheid durchsetzt und Tanz und Gesang vernünftig hinbekommt, dann hat er auch in Lissabon gute Chancen aufs Finale.

 

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Die Schweiz wählt ihren Beitrag für Lissabon in der „Entscheidungsshow“ am 4. Februar 2018 in Zürich. Wir werden selbstverständlich einen Liveblog dazu anbieten.

Bereits im Schweizer Songcheck erschienen:

(1)  “Compass” von Alejandro Reyes
(2) „A Thousand Times“ von Angie Ott