Songcheck Schweiz (3): “Time to shine″ von Mélanie René

Melanie Rene 1

Den Namen hätte sich eine genderüberschreitende Künstlerin in einem Etablissement wie dem Hamburger Pulverfass nicht besser ausdenken können: Mélanie René. Doch der Name ist genauso real wie die Tatsache, dass die 24-jährige Schweizerin mit dem selbstgeschriebenen Song „Time to Shine“ für Die Grosse Entscheidungsshow ausgewählt wurde und nun am 31. Januar um das Ticket für Wien singt.

Wer singt?

Die am 1. September 1990 in Genf geborene Mélanie René entsammt einer Familie mit Wurzeln auf Mauritius. Nicht zuletzt aufgrund der ohnehin musikalisch geprägten Familie entdeckte Mélanie auch die Liebe zur Musik und stand im zarten Alter von 7 Jahren erstmals auf der Bühne. Zwei Jahre später spielte sie bereits Klavier und schrieb die ersten eigenen Lieder.

Als 14-Jährige beginnt sie eine Ausbildung an der Musikschule in Nyon (Ateliers du Funambule), wo sie unter anderem Unterricht in Gesang, Tanz, Theater, Klavier und Songwriting erhält. Ab 2008 folgen mehrere erfolgreiche Einsätze in Rumänien, wo sie 2009 die Schweiz beim Georges Gregoriu International Festival in Braila vertritt und mit dem selbstverfassten Titel “Il chante aves les anges” den ersten Platz belegt.

Ab 2010 setzt Mélanie ihre künstlerische Ausbildung in Großbritannien fort. Zunächst studiert sie zwei Jahre an der Academy of Contemporary Music in Guildford, wo sie auch mit ihrer ersten Band French Konnection regelmäßig auftritt. Nach zwei weiteren Jahren schließt sie ihr Studium am Brighton Institute of Modern Music mit dem Bachelor ab. Dort tritt sie häufiger mit der Band Project Lumière auf.

Melanie Rene Schweiz 2015

Neben ihren Bands tritt Mélanie in all den Jahren auch als Backgroundsängerin und Solo-Künstlerin in Erscheinung. Für das Frühjahr 2015 – passend zum ESC – plant sie die Veröffentlichung einer EP mit eigenen Titeln. Im Schweizer Vorentscheid ist sie eine von zwei Künstlerinnen aus der französischsprachigen Westschweiz.

Der Song

Time to Shine“ hat Mélanie selbst geschrieben – und zwar in einer Phase ihres Lebens, in der sie begriff, wer sie ist und wo sie hin will. Das wird am Liedtext auch sehr deutlich, der gerade in der ersten Strophe davon handelt, wie unauffällig und ängstlich sie ist. Der Refrain dreht das dann inhaltlich um: Jetzt ist sie dran, jetzt ist ihre Zeit zu strahlen.

Leider wird diese Aussage musikalisch nicht so deutlich gezeigt. Nach einem düsteren Einstieg, der zum Text passt, müsste der Refrain positiver, selbstbewusster und kraftvoller sein. Davon ist aber kaum etwas zu spüren, was möglichweise am gewählten R’n’B-Stil liegt. Dieser lässt einfach zu wenig Spielraum, um rhythmisch zu drehen und wahre Freude auszustrahlen.

Es ist ja nicht das erste Lied, das vom (hässlichen) Entlein handelt, das sich zum Schwan entwickelt. Das hat man sowohl beim ESC in unterschiedlicher Form (dramatische Ballade oder Popsong) als auch in der sonstigen Musikwelt (unter anderem Homo-Befreiungssongs) schon viel eindringlicher und mitreißender erlebt.


Mélanie beim Expertencheck des Schweizer Fernsehens

Das PRINZ-Blog-Rating: Im Live-Blog zum Expertencheck war Matthias mehr von Mélanies Optik und ihrer Stimme angetan, als von dem Lied. Dem kann ich mich weitgehend anschließen:

Optik: 4/5 (sympathische, attraktive Frau, ein bisschen zu verschüchtert)
Stimme: 4/5 (sehr gute Stimme, wobei das Besondere fehlt)
Komposition: 3/5 (interessanter Einstieg, danach etwas dünn)
Instant Appeal: 2,5/5 (die Hookline bleibt nicht hängen)

Melanie Rene
Internet-Präsenz:
Es gibt eine offizielle Website, die hier zu finden ist. In den sozialen Medien ist Mélanie René derzeit nicht vertreten.

Chancen auf einen Sieg in Kreuzlingen?

Mélanie ist bisher keine bekannte Künstlerin, auch nicht in der Schweiz. Eine wirkliche Fanbasis ist bei ihr Fehlanzeige. Das Lied ist nicht besonders stark. Die Frage ist, ob die Sängerin das durch ihre Ausstrahlung und Stimme ausgleichen kann. Ich sehe sie jedoch eher im Mittelfeld, Siegchancen vielleicht 20 Prozent. Unsere Leser sind anderer Meinung und haben sie in der Umfrage derzeit auf Rang 2 hinter Timebelle.

Chance in Wien auf Finale und TopTen?

Ja, ja, es kommt immer auf die Konkurrenz an und unter den Blinden ist der Einäugige König. Die Schweiz ist – genauso wie Deutschland und Österreich – kein Selbstgänger beim Eurovision Song Contest. Das Lied ist einfach kein „Satellite“ oder ein „Euphoria“, nicht einmal ein „Rise like a Phoenix“. Bei entsprechendem Pimping des Auftritts wie bei Sebalter im letzten Jahr ist das Finale möglich, die Top Ten aber vermutlich unerreichbar.

 

Bisherige Folgen in der Reihe Songcheck Schweiz:

(1) „Take Me Back to 23“ von Deborah Bough
(2) „Hey now“ von Andy McSean

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