Songcheck Schweiz (4): “Redlights” von Vanessa Iraci

Wenn man Ralph Siegel vorwirft, dass er sich enthusiastisch Jahr für Jahr daran versucht, für ein Teilnehmerland ins Rennen zu gehen, sollte mal einen Blick auf seine vielen vor allem skandinavischen Nachahmer werfen, die teilweise wie Heuschrecken die nationalen Entscheidungen bevölkern. Eines dieser Teams, das letztes Jahr sich gleich mehrfach mehr oder minder international erfolgreich beteiligte, gehört zu den sechs Auserwählten in der Schweiz und stellt sich mit der sehr attraktiven Sängerin Vanessa Iraci dem Wettbewerb.

Wer singt?

Vanessa Iraci, 32 jährige Halbsizilianerin aus Freiburg, stand schon früh auf der Bühne und begeisterte ihr Publikum. Mit 15 Jahren wurde sie dann entdeckt und 2005 kam ihr erstes Album „Syl“ auf dem Markt. Ab 2009 konzentrierte sie sich voll und ganz auf die Musik. Den Fokus nicht verlierend schaffte sie es, sich in der Musikwelt zu etablieren und stand mit namhaften Künstler wie Eric Conley und David Haynes auf bekannten Bühnen im In- und Ausland.

2012 produzierte sie ihr zweites Album mit dem Titel „Da Famous“, das jedoch nicht veröffentlicht wurde. Im gleichen Jahr gründete sie ihre eigene Band, die sich auf Stadtfesten und Open Air Konzerten einen Namen machte.

„The Voice“ lockte Vanessa 2014 in die Schweiz und alle Coaches drehten sich bei den Blind Auditions um. Mit Stefanie Heinzmann schaffte sie es bis ins Halbfinale. Sie nutzte den Erfolg und brachte die Single „Feel Good“ heraus. Es folgte noch ein Long Player und ein Jahr später „Street Symphony“.

Vanessa Iraci, die sich nicht nur aufs Singen konzentriert, sondern sich auch ihre Lieder selbst schreibt, brachte 2016 ihr viertes Album „Moment“ heraus, dieses Mal in deutscher Sprache. Das ließ die Macher von „The Voice of Germany“ 2016 aufhorchen und sie überzeugte alle Coaches bei den Blind Auditions. Mit Samu Haber schaffte Vanessa Iraci es bis in die Battles, um von dort ins Team von Yvonne Catterfeld zu gelangen. Dieses Mal war jedoch in den Sing Offs Schluss. Jedoch nutzte sie die Popularität und brachte die Single „Sensation“ heraus

 

Der Song

„Redlights“ beschreibt die Zerbrechlichkeit und Unberechenbarkeit der Liebe. Ein Popsong der klassischen Art. Ein sanfter tiefer Beginn, der in einen abgebremsten Uptemporefrain mündet. Die Strophen sind ruhig, während der Refrain die Dynamik reinbringt. Beim ersten Hören fühlte ich mich an Polen 2017 „Flashlight“ zurück erinnert. Und auch Serbien ist deutlich wieder zu erkennen.

Diesen Songstil mag ich sehr gern, da ich die Dynamik ruhig und schnell als abwechslungsreich empfinde. Das war auch der Grund, dass ich mich für dieses Lied im Songcheck entschieden habe. Jedoch merke ich immer wieder beim Hören des Eurovision-Samplers 2017, dass gerade bei solchen Songs mir erst spät auffällt, welches Land ich höre. Ob es sich um Dänemark oder Serbien handelt, fällt meist erst beim Refrain auf. Und ich fürchte, dass auch „Redlights“ zu einem solchen Song werden könnte, wo der Erkennungswert vielleicht ausbleiben könnte.

Zum Glück bringt Vanessa Iraci eine grandiose Stimme mit, die live noch mehr aus dem Song herausholen und damit den Wiedererkennungswert an das Lied steigern könnte.

Das fünfköpfige Team von Symphonix-International steht hinter diesem Song. Angeführt wird die Gruppe von Boris Milanovic, der die beiden bulgarischen Eurovisionsbeiträge „Na inat“ 2011 und „If Love Was A Crime“ 2016 von Poli Genova und den zweiten Platz von Kristian Kostow „Beautiful Mess“ 2017 sowie Serbiens Beitrag „In Too Deep“ 2017 schrieb. Außerhalb der Eurovision arbeitete er unter anderem mit Jennifer Lopez zusammen.

Der zweite im Team Joacim Bo Persson schrieb mit an den bulgarischen Beiträgen von 2016 und 2017 und an Serbien 2017. Zudem stand er im Autorenteam von Mazedonien 2015 „Autumn Leaves“ und 2017 „Dance Alone“. Auch andere Eurovisionskünstler wie Charlotte Perrelli, Carola und Helena Paparizou vertrauen seiner Kunst. Zudem produzierte er mit Kelly Clarkson, Kylie Minogue und Lady Gaga.

2017 war auch der Schwede Johan Alkenäs mit von der Partie. Die Sängerin Jessica Ashley Karpov und der Songwriter Jesse Saint John aus den USA bereichern den Schweizer Vorschlag für Vanessa Iraci. Beide arbeiteten unter anderem mit Britney Spears zusammen.

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 4,5/5 (Eine bildhübsche Frau mit Modelcharakter)
Stimme: 4/5  (Eine starke Stimme, die aber in den Höhen gefährdet ist)
Komposition: 3/5 (Ein klassisch moderner Popsong)
Instant Appeal: 2,5/5 (Durch die gängige Art der Komposition eventuell schnell wieder vergessen)

 

Chancen auf einen Sieg in Zürich?

Der Beitrag von Vanessa Iraci ist ein abwechslungsreicher Song, der einem gleich ins Ohr geht. Der Wechsel zwischen langsam und schneller macht Laune und kann bei einer fantastischen Performance in Erinnerung bleiben. Aber auch Serbien und Mazedonien kamen vor der Entscheidung in Kiew gut an und waren dann im Halbfinale schnell wieder vergessen. Zu einem solch dynamischen Titel gehört eine gute Show, sonst ist auch trotz guter Stimme der Song beim Voting schnell vergessen.

70 % Siegchance

Die klassische Struktur könnte gegen die teilweise jünger wirkende Konkurrenz untergehen, auch wenn Vanessa eine tolle Stimme hat.

 

Chancen auf Finale in Lissabon?

Sollte Vanessa Iraci die Schweiz vertreten, dann zählt auch hier eine gute Show. Nur nicht an Rykka oder Timebelle orientieren, sondern den Fokus auf die Sängerin und die Dynamik des Songs richten.

50 % Final-Quali-Chance

Da mich der Song zu sehr an Serbien und Polen 2017 erinnert, sehe ich nur eine 50/50 Chance. Die Polen kamen grad ins Finale, die Serben grad nicht.

 

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Internet-Präsenz: 

Vanessa Iraci hat eine lesenswerte Homepage und zeigt sich auf Facebook. Auf Instagram und Twitter ist sie ebenso ganz rege unterwegs.

 

Die Schweiz wählt ihren Beitrag für Lissabon in der „Entscheidungsshow“ am 4. Februar 2018 in Zürich. Wir werden selbstverständlich einen Liveblog dazu anbieten.

Bereits im Schweizer Songcheck erschienen:

(1) “Compass” von Alejandro Reyes
(2) „A Thousand Times“ von Angie Ott
(3) „Kiss Me“ von Naeman