Songcheck Schweiz (5): “Stones” von ZiBBZ

Neben fünf Solisten sind ZiBBZ, wie sie sich selbst schreiben, das einzige Duo im Schweizer Vorentscheid für Lissabon. International erfahren (auch Leonardo di Caprio ist Fan!), ist eine ESC-Teilnahme für die beiden irgendwie nur natürlich. Passt es mit „Stones“?

Wer singt?

ZiBBZ sind in der Schweiz keine Unbekannte. Corinne alias Co und Stefan (Stee) Gfeller sind Geschwister, darauf spielt auch ihr Bandname an (englisch: siblings). Co ist zwei Jahre älter (32) als ihr Bruder. Die beiden kommen aus dem Kanton Aargau westlich von Zürich, wohnen seit 2012 aber auch in Los Angeles und machen schon seit ihrer Kindheit Musik – geprägt von den musikalischen Eltern, die auch schon Schlagzeug und Gitarre spielten und sie vor allem mit Blues und Rock „infizierten“.

Die Liebe zur Musik wurde später professionalisiert: Co absolvierte eine Musicalausbildung, Stee studierte Populärmusik in Winterthur. Die beiden machten mit dem in der Schweiz ziemlich bekannten Mundartrocker Gölä Musik, und beim Jugendsender Joiz hatten sie 2011 eine eigene Reality-Soap, die sie erst recht bekannt gemacht hat. Im April 2013 erschien das Debütalbum „Ready? Go!“, im September 2017 ihr zweites Opus „It takes a village“.

Sie spielten auf Festivals und bringen somit viel Erfahrung mit, natürlich auch mit dem Schreiben von Songs. „Wir leben voll das Musikerleben“, sagt Co. Unseren Kollegen von douzepoints.ch verrieten sie, dass sie schon seit einigen Jahren mit dem Gedanken schwanger gingen, beim Eurovision Song Contest mitzumachen – man habe bisher nur nicht das richtige Lied dafür gehabt. Das sei mit „Stones“ nun der Fall. Dann schauen wir mal…

Der Song

Wie viele andere ZiBBZ-Songs wurde auch „Stones“ von Co und Stee selbst geschrieben, in diesem Fall mit Unterstützung der award-prämierten kanadischen Songwriterin Laurell Barker, die auch am Konkurrenz-Song „Compass“ (Alejandro Reyes) mitgearbeitet hat. Auch „Stones“ entstand in dem dreitägigen Songwriting Camp, das die Suisa (quasi das schweizerische Pendant zur GEMA) im August 2017 ausgerichtet hatte.

„Stones“ ist ein radiokompatibler Soul-Popsong mit einem klassischen Aufbau, wobei die ruhige Bridge zwischen den Strophen und dem Refrain überrascht: Sie bremst den in der ersten Strophe aufgebauten Beat aus, ehe er im Refrain wieder aufgegriffen wird. Der Melodieverlauf ist eingängig, so dass man ziemlich schnell mitsummen kann (vor allem das „mm-hmm“ bzw. „aaa-ha“ in den Strophen). Vom Stil her erinnert „Stones“ ein wenig an „Black Smoke“, der ZiBBZ-Song ist aber etwas rotziger und hat einen stärkeren Beat.

Dabei hat „Stones“ eine ernste Botschaft: Es geht inhaltlich um Bullying/Mobbing, also darum, dass jemand von anderen erniedrigt, schikaniert, fertiggemacht und ausgegrenzt wird (körperlich wie verbal) – etwa in der Schule, aber heutzutage natürlich auch in sozialen Netzwerken im Internet. Die Botschaft des Liedes: aufhören, Steine auf andere zu werfen – „Lasst einander einfach leben. Es ist höchste Zeit, zusammenzuhalten“, wie Co sagt.

Das Lied groovt und passt gut zu Co’s rauchiger Stimme. „Stones“ ist nicht unbedingt innovativ, setzt aber bekannte Elemente clever neu zusammen.

Audio: „Stones“ von ZiBBZ

 

Das PRINZ-Blog-Rating

Optik: 4/5 (sympathisch-natürlich)
Stimme: 4,5/5 (kraftvoll und mit Wiedererkennungswert)
Komposition: 4/5 (solide, aber ohne Überraschungen)
Instant Appeal: 4,5/5 (eingängiger Beat)

 

Chancen auf einen Sieg in Zürich?

Siegchance: 80%

In unserem Voting (siehe unten) führt ZiBBZ bei euch mit deutlichem Vorsprung, und es steht auch zu erwarten, dass Co und Stee den Sieg beim Vorentscheid einfahren. Von den offiziellen sechs Videos im SRF-YouTube-Channel ist „Stones“ das mit den höchsten Zugriffszahlen – auch wenn das nicht unbedingt ein ganz klares Indiz ist. Auch die Likes liegen bei „Stones“ um vieles höher als die Dislikes. ZiBBZ sind erfahrene Livemusiker, hoffen wir also auf eine gute Performance am 4. Februar.

 

Chancen auf Finale in Lissabon?

Final-Quali-Chance: 50%

Seit gestern wissen wir, dass die Schweiz im ersten Semifinale antritt. Doch noch liegen zu wenige Songs für Lissabon vor, um anhand der Konkurrenz ein Urteil bilden zu können. Trotzdem: Ein souliger Titel wie „Stones“ dürfte meiner Einschätzung nach eher Punkte aus West- und Mitteleuropa bekommen, weniger aus dem Osten. Das Big-5-Land Großbritannien, das ebenfalls im ersten Semi seine Punkte vergibt, dürfte auf „Stones“ stehen. Immerhin sind auch Estland, Finnland, Österreich, Irland, Belgien und Island ins gleiche Halbfinale gelost – Länder, die vielleicht eher an dem Song Gefallen finden als etwa Armenien, Zypern oder Weißrussland.

Ob das dann reicht, um unter die besten 10 des Semifinals zu kommen, ist halt die Frage. Könnte reichen. Für ganz vorne aber nicht.

 

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Internet-Präsenz: 

Das Geschwister-Gespann hat eine eigene Website namens zibbz.com sowie einen Facebook-Account. Auch sonst sind ZiBBZ auf allen wichtigen Kanälen unterwegs: Instagram, Twitter und mit einem eigenen YouTube-Channel. Wer mehr von ihnen hören will, kann das außerdem auf Soundcloud hier tun.

 

Die Schweiz wählt ihren Beitrag für Lissabon in der „Entscheidungsshow“ am 4. Februar 2018 in Zürich. Wir werden selbstverständlich einen Liveblog dazu anbieten.

Bereits im Schweizer Songcheck erschienen:

(1) „Compass“ von Alejandro Reyes
(2) „A Thousand Times“ von Angie Ott
(3) „Kiss Me“ von Naeman
(4) „Redlights“ von Vanessa Iraci