Suzy beim Eurovision Weekend in Berlin: „Ich musste mich auf der Post nie anstellen“

Lars, Marc und Armen mit Suzy2

Es hat schon Tradition zur Off-Season nach Berlin zu fahren und ein großartiges Wochenende zu verbringen. Insbesondere war ich auf Suzy neugierig. Die Künstlerin, die in Kopenhagen so viele Herzen gewann und die Journalisten während des Halbfinales zum tanzen brachte. Wie emotional ihre Erfahrungen war, was sie in Dubai gemacht hat und warum sie auf der Post sich nie anstellen musste – erfahren wir hier…

PrinzBlog: Suzy, ich habe dich damals beim Interview im EuroCafe gesehen und ich erinnere mich noch sehr gut an viele schöne Details. Aber heute haben wir auch einige interessante Fragen für dich…

Suzy: Uuuuuuuu….

PrinzBlog: Ich erinnere mich, du hattest ein Bild gezeigt, von deiner Teenie-Band „Onda Shoc“. Das war so lustig, denn du hattest damals noch braunes Haar und warst mit Abstand die größte unter den Mädchen.

Suzy: (mit hoher Stimme) Wie kannst du das alles noch wissen?? (und jetzt ganz tief) jaaaaaah, ich war mit Abstand die größte!

PrinzBlog: Kannst du uns denn bitte erzählen, wie du zu dieser Teenie-Band kamst?

Suzy: Ich war vorher schon in einem Kinderchor gewesen. Und so gut wie jeder hatte mich da in Konzerten für Kinder schon gesehen. Oh, übrigens, eines der anderen Mädchen in diesem Chor war ANABELA – wisst ihr, wer das ist?

PrinzBlog: Aber klar… jaaa, die 1993 beim ESC für Portugal gesungen hat: klasse!

Suzy: Sie ist eine ganz ganz liebe Freundin von mir und wir sind sogar auf dieselbe Schule gegangen. Jedenfalls fragte mich ein Freund aus dem Chor: „Wieso versuchst du nicht mal eine Karriere bei Onda Shoc?“ Die Gruppe hatte sowohl ein Alters- als auch Körpergrößenlimit. Ich war zwar relativ groß für meine 11 Jahre, aber ich dachte, ich lasse es auf einen Versuch ankommen.

Eurovision Weekend Berlin 2014 Interview Suzy
Als ich dann beim Casting war, musste ich natürlich singen und tanzen. Während man jedoch normalerweise zum Re-Call musste, sagte mir der Manager der Band: „Du bist großartig, kannst gleich bleiben. Aber vermutlich nur ein Jahr, denn du bist zu groß!“ Ein wenig traurig war ich dann schon, und wollte nicht mehr wachsen (lacht).

Während des einen Jahres, als ich bei Onda Shoc war, habe ich mich JEDE NACHT ans Bett gekniet und gebetet: „Bitte Gott, ich möchte nicht mehr wachsen!!!“ Und wisst ihr was: Mit reiner Willenskraft bin für dieses eine Jahr nicht gewachsen. Ich weiß das daher so gut, weil mein Vater immer meine Größe am Türrahmen festhielt und in dem Jahr bin ich nicht gewachsen – unglaublich!

PrinzBlog: Wie war das denn so in dieser Band?

Auf den Konzerten sang ich die meisten Songs. Allerdings musste ich immer in der zweiten Reihe stehen, so dass man vom Zuschauerraum nicht so gut erkennen konnte, wie viel größer ich im Vergleich zu den anderen war. Aber es war ok für mich.

Ich hab in einem Jahr über 100 Konzerte gegeben, was sehr viel ist – dabei sind wir durch ganz Portugal getourt. Die Band war super erfolgreich, alle Konzertsäle waren ausverkauft – sämtliche Kinder und Jugendliche standen total auf uns…

PrinzBlog: Hörst du noch die damaligen Songs?

Suzy: Nicht wirklich…

PrinzBlog: Was für Lieder habt ihr denn so gesungen?

Suzy: Vor allem waren das Pop-Songs. Coverversionen von nationalen und internationalen Künstlern. Ich erinnere mich, dass ich „Everything I do“ von Bryan Adams auf Portugiesisch gesungen habe. Als ich das zum letzten Mal sang, gab es für mich 5 Minuten Standing Ovation. Irgendwie wusste ich damals, das ist mein letztes Konzert mit dieser Band. Das Jahr mit Onda Shoc war eine großartige Erfahrung.

PrinzBlog: Was kam nach Onda Shoc?

Suzy: Danach habe ich meine eigenen Coverversionen gesungen. Sogar Fado hab ich gesungen, obwohl das so gar nicht meine Richtung ist. Das hab ich gemacht zwischen 12 und 18. Als ich 19 war hatte ich einen ganz großen Hit  mit “Nesta noite branca” (Anm d. Red.Diese weiße Nacht“). Tatsächlich spielen die das immer noch an Weihnachten und manchmal auch als Rausschmeißer in Bars und Clubs (rollt die Augen und lacht herzlich…)

PrinzBlog: Aber bevor du zum ESC kamst, hast du einige Zeit in Dubai gelebt. Erzähle uns doch, wie es dazu kam und was hast du da gemacht?

Suzy: OMG… Ihr müsst wissen, das nichts in meinem Leben geplant war. Auch das Leben in Dubai nicht. Ich hatte in Portugal ein gutes und stabiles Leben. Ich hatte meine kleinen Shows und sang meine Lieder. Meine Freundin kam zu mir und erzählte: „Ich gehe zum Tag der offenen Tür bei Emirates und werde da Stewardess.“ Ich fragte sie, ob ich mitkommen soll um sie zu unterstützen und anzufeuern.

Eurovision Weekend Berlin 2014 Pressegespräch
Sie sagte dann: „Bewirb dich doch auch, das musst Du auch unbedingt versuchen.“ „Bist du wahnsinnig“, war meine Antwort, „ich habe hier meine Verträge und Auftritte“. Aber sie hat mich irgendwie überzeugt und ich habe dann vor Ort im Hotel ein kleines Vermögen ausgegeben, um meinen Lebenslauf und ein paar Bilder von mir aus dem Internet runterzuladen und auszudrucken. Lange Rede, kurzer Sinn: Obwohl ich den Job nicht haben wollte, wurde ich dann Stewardess bei Emirates – und nicht meine Freundin.

PrinzBlog: Wie war das Leben in Dubai denn so?

Suzy: Super entspannt. Es gab keinen Stress und ich wurde von den Menschen in Dubai sehr sehr gut behandelt. Um ein Beispiel zu nennen: Ich musste mich in der Post nie an der Schlange anstellen, stets wurde ich vom Mitarbeiter nach vorne gebeten. Wir hatten da fast 9 Monate im Jahr immer 26 Grad – nur im Sommer ist es unerträglich heiß.

Eurovision Weekend 2014: Marc im Interview mit Suzy
PrinzBlog: Und wie kam es dann zum Angebot für den ESC-Song?

Suzy: Ich erinnere mich, dass ich gerade entspannt auf dem Bett lag, als mein Bruder anrief. Er hat eine Agentur und kennt viele Künstler. Jedenfalls rief er mich an und meinte: „Ich muss dir was erzählen. Ein Komponist sucht eine Sängerin und die Voraussetzungen treffen 100 Prozent auf dich zu.“

So bin ich also für 24 Stunden nach Lissabon geflogen. Mein Gesang hat wohl Eindruck gemacht, denn 2 Wochen vor dem Festival RTP da Canção 2014 wurde ich wieder angerufen und nach Lissabon eingeladen, um an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Erst dann erfuhr ich von „Quero ser tua“ und mein Herz machte BOOM BOOM BOOM…weil damit natürlich ein Traum wahr wurde – ich kannte dieses Festival schon seit meiner Kindheit.

PrinzBlog: Hattest du denn irgendeinen Einfluss auf den Song?

Suzy: Neeeein, dazu hatten wir absolut keine Zeit, es waren doch nur noch 2 Wochen bis zum Festival. Als ich den Song zum ersten Mal hörte, war er schon fertig.

PrinzBlog: Und was hast du gefühlt, als du ihn zum ersten Mal gehört hast?

Suzy: Ich bevorzuge ja Balladen, weil ich dann besser atmen kann. Aber ich dachte auch, dass es in Europa ganz gut ankommen könnte. In Portugal war ich nicht sicher, denn wir lieben Balladen. Aber wenn ich mich mal entscheide, etwas zu tun, dann bin ich 100 Prozent bei der Sache.

Eurovision Weekend 2014: Marc und Armen interviewen Suzy
PrinzBlog: Hast du denn einige besondere Highlights aus Kopenhagen?
Ein paar besonders schöne Momente?

Suzy: OMG – sooo viele. Die OGAE Party war gigantisch, als ich meinen Song drei Mal wiederholen sollte. Und natürlich die drei Minuten im Semifinale. Das war soooo emotional für mich. Nicht zuletzt das Konzert im ESC Village. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich so viele Fans habe, die für mich an der Bühne stehen und warten. Alles in allem war die ganze ESC Zeit fantastisch, weil die Fans dort schon einzigartig sind.

PrinzBlog: Findest du, dass du dich in der ESC-Zeit weiterentwickeln konntest und wenn ja, wie?

Suzy: Oh ja! Man entwickelt sich immer irgendwie. Ich musste lernen, wie ich mit anderen Meinungen und vor allem auch Kommentaren von anderen umgehen soll. Ich kannte das in der Form noch gar nicht. Auch gesanglich hab ich mich gewaltig verbessert. Außerdem habe ich wieder das Schauspielern angefangen. Ihr seht, es ist alles gut!

PrinzBlog: Würdest du denn wieder am ESC teilnehmen?

Suzy: Auf jeden Fall. Aber nicht über eine Vorentscheidung. Nur wenn ich direkt nominiert würde. Ich könnte mir auch vorstellen, dass ich mehrere Lieder singe und nur der Song von den Zuschauern entschieden wird. Aber das gab es in Portugal nur 2003 und 1976. Vielleicht gehe ich auch einfach in ein anderes Land.

PrinzBlog: Ich glaube, San Marino braucht einen neuen Künstler der jetzt zum ESC geht!? Was sind denn deine Pläne für dieses Jahr?

Suzy: Ich möchte sehr gern meine Arbeit am Album beenden. Aber das wird wohl nicht bis Weihnachten rauskommen, denn dann müsste ich bis September fertig sein. So kommt das wohl erst nächstes Jahr raus. Ich werde einige Shows im TV machen. Da stehen einige Castings an.

Suzy, es war ein großes Vergnügen mit dir zu sprechen. Obrigado! Und alles Gute für die Zukunft!

Hier könnt Ihr unsere anderen Berichte über das ESC Weekend nachlesen:

von Douze Points: Volles ESC-Programm in der Off-Season
von Matthias: Foto-Finish – Highlights des Eurovision Weekends
und das Interview mit Scott Fitzgerald: „Ich dachte, ich sei im Himmel“

Marc wird euch noch mit dem Interview mit Corinna May beglücken!

Und weil es so schön war hier noch mal:

Portugal 2014: Suzy – Quero ser tua