Swedish Show Autumn 2018: Peter Jöback, Pernilla Wahlgren und Abschied von Alcazar

Immer mehr schwedische Künstler entdecken eigene Shows als lohnende Einnahmequelle für sich – optimale Voraussetzungen für Blogger Peter, Blog-Freund Norman und Blogger Douze Points. Sie erlebten bei ihrem vierten schwedischen Show-Herbst einen – nunja – speziellen Peter Jöback, eine selbstironische Pernilla Wahlgren und einen soliden Alcazar-Abschied. Sowie hunderte Kilometer in schwedischen Zügen.

Wieder einmal an einem Wochenende im Halloween-Umfeld machten sich am 1. November die drei Schweden-Enthusiasten auf den Weg in den herbstlichen Norden. Alles begann 2015 mit einem Musical-Wochenende in Stockholm („Livet är en Schlager“ im Cirkus und „Evita“ mit Charlotte Perrelli im Göta Lejon). 2016 folgte dann unsere erste Tour durch Schweden, die wir in drei Teilen auch hier auf dem Blog beschrieben haben: After Dark in Göteborg, Lena Ph in Örebro und Alcazar in Stockholm. Alcazar musste in diesem Jahr aber auf jeden Fall wieder sein, schließlich befinden sie sich gerade auf Abschiedstournee. Im letzten Jahren waren wir in Göteborg (Oscars Revyn u.a. mit Sanna Nielsen) und Malmö zur Mello-Mani aus Anlass von Christer Björkmans 60. Geburtstag.

In Stockholm auf dem Weg zu Peter Jöback: Rechts an der Häuserwand mit Werbung für die Show von Sanna Nielsen, die im Frühjahr in der Hamburger Börs in Stockholm zu sehen ist

Den Auftakt machte in diesem Jahr am Donnerstag, den 1. November die Show von Peter Jöback. Im Stockholmer Cirkus auf der Insel Djurgården, quasi gegenüber vom ABBA-Museum und gleich unterhalb der Allsång-på-Skansen-Bühne, gastiert er im Herbst mit seiner selbstentwickelten Show „Med hjärtat som insats“ (Mit dem Herzen als Einsatz). Jöback war zwar nur zweimal beim Melodifestivalen dabei. Allerdings ist er einer der größten schwedischen Musicalstars, der auch im Ausland Erfolge feierte.

Für diese Show hatten wir das vorausgehende drei Gänge-Menü gebucht und fanden uns bereits um 17:30 Uhr in der historischen Lokalität sein, in der schon diverse schwedische Vorentscheide stattgefunden haben. An einem Vierer-Tisch saß da bereits ein entspannter Pensionär aus Falun: Yngve, den wir unter dem Name Ove/Uwe in unser Herz schlossen.

Der Autor war bisher kein ausgewiesener Jöback-Fan. Das hat sich durch die Show auch nicht geändert. Jöback ist Jöback mit seiner leicht knödligen Stimme – und extrem selbstverliebt. Ohne jegliches Gerede, sondern nur über vor allem schwedischsprachige Songs erzählt er von seinem Leben, seinem zerrütteten Elternhaus, wie er sich daraus befreite, es in die USA schaffte, in der Therapie war – und am Ende zu sich und zu seinen Eltern fand. Wirklich bewegend ist da nichts, auch wenn alles hochprofessionell inszeniert und gesungen ist. Vielleicht waren auch deshalb nicht alle Plätze im Cirkus besetzt.

Der nachgestellte Redekreis, in dem Jöback zu sich fand. Der Star ist mittig mit Trägershirt zu sehen

Fun-Fact: die Hochzeit von Peter Jöback und seinem Mann Oscar Nilsson fand 2010 ebenfalls im Stockholmer Cirkus statt. Und wer wurde im Anschluss von Expressen-TV interviewt (Video unten)? Genau Pernilla Wahlgren und Andreas Lundstedt – beide würden wir an unserem Wochenende noch live erleben.

Anschließend gönnten wir uns die erste Portion Mello-Party und fanden uns auf ein paar Drinks in der Naglo-Wodka-Bar ein. In der bis auf uns leeren Bar gab’s sogar ein Pernilla-Wahlgren-Doppel als perfekte Einstimmung auf den folgenden Tag. So hätte es weitergehen können, wären nicht gefühlte Hundertschaften von anzugtragenden Immobilienmaklern von ihrer Jahrestagung gekommen, die nicht nur zu einem Stimmungs-, sondern leider auch einen Musikwechsel führten (Foto unten). Zeit fürs Bett.

Die Schnellzugverbindung von Stockholm nach Göteborg erwies sich am Folgetag als weitgehend zuverlässig, so dass wir nach einer hektischen Shopping-Stunde auf der Aveny rechtzeitig durch den Nieselregen zum Restaurant Sjöbaren (was viel mehr hermacht als die Website ahnen lässt) laufen und ein sehr gutes Menü genießen konnten.

Im nahe daran gelegenen Lorensbergsteater hatten sich bereits vor allem weibliche Zuschauerinnen eingefunden, als wir dort eintrafen. Später wurde uns auch klar warum: Pernilla Wahlgren, immerhin die Mutter des diesjährigen schwedischen ESC-Teilnehmers Benjamin Ingrosso, hat nicht nur ihre eigene Reality-Serie auf einem rtl2esken TV-Sender Kanal 5. Sie hat auch 415.000 Instagram-Fans. Gegenüber diesen und den 835.000 ihrer Tochter Bianca nehmen sich die 360.000 von Benjamin geradezu lächerlich aus.

Mit der Show „Kort, glad och tacksam“ (kurz bezogen auf ihre Körpergröße, glücklich und dankbar) feiert Pernilla Wahlgren aktuell ihren 50. Geburtstag und ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum in vielen schwedischen Städten. Zusammen mit vier Geburtstagsgästen, u. a. Hanna Hedlund, der Ehefrau von Martin Stenmarck, und dem Bühnen-Comedy erfahrenen Kim Sulocki, wurde keine Schwäche der Hauptperson auslassen, über die man hätte lachen können. Schon gar nicht von ihr selbst.

Da Pernilla Wahlgren per Kaiserschnitt auf die Welt geholt wurde, fehlt ihr die Erfahrung, durch die Vagina ihrer Mutter Christina Schollin gegangen zu sein. Dieses Defizit holte die Sängerin gleich zu Beginn ihrer Show nach (Foto oben)

Die schönsten weiteren Erkenntnisse ihrer im Vergleich zu Peter Jöback so viel unterhaltsameren und persönlicheren Nabelschau:

Pernilla Wahlgren übergibt sich im oscargekrönten Film „Fanny und Alexander“ auf Alexanders Gesicht (im Video bei 2:17)

Am Tag des Mello-Finales 2003, bei dem Pernilla mit Jan Johanson „Let Your Spirit Fly“ sang, stand sie nachmittags noch im Musical als Pippi Langstrumpf auf der Bühne. Da sie es nicht schaffte, sich im Taxi für die Generalprobe umzuziehen, erschien sie zwar im letzten Moment pünktlich zur Probe auf der Bühne – allerdings noch im Pippi-Outfit. Ein überraschender Moment für Jan Johanson und das gesamte Produktionsteam.

Pippi Langstrumpf aka Perniall Wahlgren und Jan Johansen (Generalprobe Melodifestivalen 2003)

Natürlich wurde die Show mit einem 80er-Jahre-Medley und „Piccadilly Circus“ abgerundet, was sie wohl auch noch zu ihrem 80. Bühnenjubliäum singen wird.

Anschließend ging es für uns über die Station Bee Bar traditionsgemäß ins Greta’s, wo nach dem mainstreamigsten Mainstream-Partyhitmix von ca. 1 Stunde Länge dann endlich auch ESC- und Mello-Hits gespielt wurden. Was für ein Fest! Das Highlight für uns und die feierfreudige Meute: „Värsta schlagern“ von Linda Bengtzing und Markoolio.

Blick beim Sonnenaufgang auf das Lorensbergteatern, in dem Pernilla Wahlgren am Vorabend auf der Bühne stand

Am folgenden Mittag ging es dann gleich weiter mit dem Zug (Foto unten) ins småländische Växjö. Das Tolle an schwedischen Städten mit gut 60.000 Einwohnern bzw. 90.000 im „Ballungsraum“ ist ja, dass sie mehr Infrastruktur und Großstadtgefühl bieten als vergleichsweise Städte in Deutschland. Das gilt auch für die Shoppingmall Grand Samarkand am Stadtrand – und der idyllischen Fußgängerzone in der Innenstadt, in der es zwar einen leerstehenden Laden gab, von 1-Euro-Shops war aber keine Spur zu sehen.

Nach einem frühen Abendessen im Restaurant Izakaya Moshi im neuen Kulturkomplex mit dem Glasmuseum als Kernstück fuhren wir in die Fortnox-Arena, einer 2.500 Personen fassenden Sporthalle im westlichen Industriegebiet mit dem Charme einer Schulaula. Dort wurde natürlich kein Alkohol ausgeschenkt, was dem weiteren Abend nicht nur guttat, denn gerade auch Schweden brauchen den ein oder anderen Anstoß zur Fröhlichkeit. Ein – wenn auch guter – Disco-Hits-DJ im Vorprogramm reicht da nicht aus.

Wenn die Beleuchtung nicht mitspielt, muss der Mensch ran 

Anschließend hieß es Bühne frei für „20 Years of Disco – Mission Completed“. Die drei Bandmitglieder Tess Merkel, Lina Hedlund (ihre Schwester Hanna hatten wir ja noch am Vorabend mit Pernilla W. auf der Bühne gesehen) und Andreas Lundstedt wurden dabei auch von sechs Tänzern und zwei weiteren Musikern begleitet – und gaben alles. Trotzdem fühlte es sich nach einem gelungenen Auftakt dennoch so an, als wären sie mit angezogener Handbremse unterwegs.

Gerade die schöne Idee, eher unbekanntere Alcazar-Stücke komplett neu zu interpretieren, war ein Stimmungskiller. Zum Schluss stand das Publikum natürlich wieder und feierte und wäre nach dem Abschiedssong „Stay the Night“ sehr gern noch länger geblieben.

Abbau nach der Show von Alcazar

Stattdessen zog es viele in das durchaus veritable Nachleben in der Växjöer Innenstadt. Wir statteten zunächst dem PM & Vänner Bistro einen Besuch ab, bevor wir im gayfreundlichen Kafé De Luxe Blogger Peter im siebten Himmel erleben durften. Im leicht alternativ angehauchten Club spielte eine DJane ausschließlich ABBA-Songs – und zwar von Vinyl.

Nach Mitternacht hatten wir zwei Optionen für durchaus gut besuchte Partylocations: Wir entschieden uns für das Grace am Stortorget. Gleich drei – überwiegend von Studenten – gut gefüllte Dancefloors erwarteten uns dort. Und auch wenn es uns vorher niemand der befragten Einheimsichen versprechen konnte: Ja, hier gab es ihn, den Mello-Dancefloor!

Begrüßt wurden wir auch gleich noch vom Linda-Bengtsching (sic!)-Klassiker „Jag ljuger så bra“. Im Laufe des Abends folgten gleich noch zwei weitere Mello-Hits der Schwedin. Natürlich spielte der DJ auf Wunsch des Autors auch „Picadilli Circus“ – mit vorheriger Überleitung durch „Fångad av en stormvind“. Kann es überhaupt noch besser werden? Allerdings gab es zwischendurch schon auch ballermannmäßige Tiefen, aber die überbrückten wir mit Getränkenachschub und einem Foto mit Andreas Lundstedt.

Am frühen Sonntagmorgen trennten sich unsere Wege bereits wieder. Peter musste früh in Richtung Berlin aufbrechen. Norman und der Autor konnten sich etwas mehr Zeit lassen, um dann mit dem Zug via Malmö (kurze Gedenkminute in Hyllie an den ESC 2013) nach Kopenhagen zu fahren und dann ebenfalls zurück nach Deutschland zu reisen.