Live-Blog Irland: Die Ära der Zwillinge geht weiter – auch 2012 mit Jedward!

Nach Jahren der Dürre gab es im vergangenen Jahr in Düsseldorf endlich wieder einen Achtungserfolg für den siebenmaligen Eurovisionssieger. Jedward waren der letzte Schrei des Festivals und belegten immerhin Platz 8 beim ESC 2011.  Mit „Lipstick“ gelang ihnen im Frühsommer dann auch ein hübscher Hit und die beiden waren Stammgast in der deutschen Jugendpostille BRAVO. Das war anscheinend  Grund genug für die drolligen Twins, es lenalike in 2012 nochmal zu probieren. Der Durchmarsch der Zwillinge kann hier nachgelesen werden. (Alle Fotos RTE)

So, heute sitze ich hier mal ohne Currywurst-Chips (obwohl die heute vielleicht ganz passend wären), dafür mit einem Tässchen Entspannungstee und erwarte das, was da kommen mag. Für irische VEs braucht man Durchhaltevermögen. Obwohl es immer nur fünf Songs gibt, wird gedehnt und geredet, bis die Schwarte kracht. Mal sehen, ob wir heut vor 1 fertig sind.

Es ist vermutlich europaweit einmalig, dass ein Song-Contest-Song in einer Late-Night-Show ermittelt wird, aber das ist seit ein paar Jahren Usus in Eire.

Ryan Tubridy, seit Herbst 2009 Moderator der „Late Late Show“ ist heuer zum zweiten Mal der Host. Das erst Mal war natürlich im letzten Jahr.

„Baku“ klingt ganz toll, wenn Ryan es ausspricht.

Die irischen Heavytones machen das schon ein paar Jahre länger und dürfen als Intro das „Te Deum“ spielen. Ein Auto kann man auch gewinnen. Gibt es auch eine Blitztabelle? fragt der USFB-geschulte Zuseher.

Die Frage zum Preis ist wie immer keine Frage sondern eine Lächerlichkeit mit Fragezeichen. Man muss 18 sein um zu gewinnen (und wohl auch um Auto zu fahren…)

Das Panel marschiert ein: Zunächst Marty Whelan, Kommentator für den internationalen Contest für RTE. War letztes Jahr auch schon dabei und ich glaube vor zwei Jahren auch schon. Man schwelgt in den goldenen Zeiten, als Irland noch gewonnen hat. Wie oft ist eigentlch der Name Johnny Logan schon gefallen in diesen drei Minuten Show?

Man lobt sich für die 7 Siege. Nicht zu loben ist der Stream, der jetzt schon zuckelt. Hoffen wir, dass das nicht so weiter geht, wenn doch, bitte ich um Kürzung der Show auf 20 Minuten oder eine Direktzwillingsnominierung.

The late Noel Kelehan (don’t know, how it is written…) wird natürlich auch geehrt, noch mal ein Grund, in die alten Zeiten zu verfallen…und über die Memory Lane zu spazieren…

Kurze Clips der irischen Siegerlieder und langsam wird klar, worauf es hinausläuft: ein Blick zurück in die Zeit ohne Internet (vielleicht rührt daher der schwächelnde Stream).

Ja, Niamh Kavanagh ist die nächst Paneline. Huch, im kurzen Braunen. Mensch, man glaubt es kaum, man kann mit Niamh über die alten Zeiten reden. Eine Anekdote hat sie auch parat. Das passt ja alles wunderbar zum Thema.

Jetzt darf sie auch noch über 2010 reden, erstaunlich, das gehört doch nicht zur Ireland’s Golden Years, oder? Vielleicht machen sie es, um den Stream zu sichern, der tatsächlich jetzt besser läuft – nee, doch nicht.

Noch eine Panel-Dame im orangefarbenen Mini. Ihren Namen habe ich nicht mitbekommen, aber ich erinnere mich an sie: sie saß letztes Jahr auch schon auf dem Sessel. Sie ist DER FAN. Im wirklichen Leben macht sie wohl in Fernsehen. Sie erzählt auch von alten Zeiten, die bei ihr aber noch nicht so alt sind. 2005 war sie erstmals dabei und fand es toll. Mit 14 war sie auch schon mal im Point und hat ESC-Proben gesehen. Das war dann das Allergrößte.

Das Panel befasst sich lustig miteinander und ist dabei dem Quasselrekord von USFB heftig auf den Fersen.

Jetzt der unvermeidliche Einspieler mit den Teilnehmern, die Weltstars waren oder wurden: Cliff, Julio, Abba und Celine. Ja, die alten Zeiten. Der Stream wackelt.

Jetzt scheint es ernst zu werden. Das Voting wird erklärt: Halbe-Halbe, aber erst anrufen wenn Ryan Bescheid gibt! Nicht vergessen! Und die Reihenfolge wurde ausgelost. Das alles wird abgelesen.

Es geht los:

Song 1: Maria McCool and Celtic Whisper: „Mistaken“

Maria singt normalerweise alte, sehr alte irische Musik und ist mit ihrem Genre in Irland nicht ganz unbekannt. Betreut wird sie von Edele Barret, ehemaliges Mitglied von Bewitched , einer Mädchenband, die Anfang des Jahrtausends ein paar Hits hatte und auch Komponistin des Songs.

Feuerreifen in rauen Mengen auf der Bühne und Maria beginnt quasi acapella. Das Lied nimmt etwas an Fahrt auf, ohne auf eine eindeutige Melodie hinzuweisen. Ich fühle mich an „The Voice“ erinnert (nicht die Show, sondern den irischen ESC-Sieger aus dem Vor-Internet-Zeitalter).

Tja, Maria macht das ja nicht schlecht, aber irgendwie ist alles ein wenig ziellos. Das letzte Mal, als Irland so etwas auf die internationale Bühne schickte, wurde man gnadenlos Letzter (Derwish 2007 in Helsinki). Ich fühle auch bereits 6 Minuten, es ist aber definitv ein Kontrast zu Jedward. Und das muss in diesem Jahr wohl die Parole sein.

Aus. Ich gebe 3 von 10 Punkten.

Das Panel äußert sich. Niamh findet es gut gemacht, Maria sings beautifully. Sie hebt den Faktor der irischen Kultur hervor.

Marty mag das keltische Gefühl, die Stimme und Europa würde das wohl mögen.

DER FAN erinnert an „The Voice“ – stilistische Ähnlichkeiten. Sie weiß nicht so recht, ob das Finale erreicht werden kann.

Über den Song hat übrigens keiner geredet…

Song 2: Donna McCaul: „Mercy“

Bill Hughes, der Mentor, ist TV-Produzent und Popstars-Juror. Mit ein paar Schweden, u.a. Peter Mansson (der u.a. stark in das Lena PH-Orup-Duett-Album involviert war) hat er einen Song kreiert, der die zeitgenössische Popmusik widerspiegeln soll.

Gesungen von Donna McCaul, inzwischen in Irland vor allem durch ihre sexuelle Orientierung bekannt, klingt der Song tatsächlich ein bisschen nach Radio.

Donna McCaul (2005, beim ersten ESC DES FANS, mit Brüderchen Joe im Semifinale gescheitert) wirkt wie Friseuse Dawn Martin beim ihrem VE-Auftritt 1998. Hilfe.

80er Jahre-Leggins, hochhackige Sandalettchen und ein Yana-Gercke-Glitzerjäckchen.  Dazu noch einen praktischen rotgefärbten Kurzhaarschnitt. Das ist nicht zeitgemäß, womit wir wieder beim Thema des Abends wären…

Donna macht es Jedward wirklich leicht, das war – was die Präsentation angeht – nix. Der Song, ja, halt Radiopop.

Aber erinnern wir uns an Dawns ESC-Auftritt, da sah es dann auch besser aus. Das allein ist Donnas Chance.

Niamh spricht diesmal über den Song, kritisiert aber die statische Präsentation. DER FAN stimmt zu.

Punkte: 5/10.

Nach ein bisschen Reklame für das Autorätsel  und ein bisschen richtiger Reklame kommt

Song 3: Andrew Mann „Mistaken“

Bis dahin muss ich mal schauen, was Austria so macht – Wurst oder Popo?

Popo – wie ich finde, die richtige Wahl zwischen diesen beiden – aber nicht so gut für die Irenbubis, oder?

Weiter geht es im überschaubaren Fernsehstudio.

Greg French, Mitglied der Synthie-Band The Brilliant Things schwärmt von Andrew Mann und seiner Stimme. Andrew hat in Irland wohl viel zu tun (was das ist, weiß aber nicht mal Wikipedia)

Der Song ist eine Midtempo-Soft-Rock-Schlager-Pop-Ballade mit diversen Steigerungen.

Andrew trägt Hut und dunkle Kleidung. Am Schlagzeug Heinz Rudolf Kunze. Der Song wirkt wie ein U2-Schlager und ist auch kein Überflieger, wirkt aber als Gesamtpaket bisher am besten. Da kann man auch mal über die verhältnismäßig simple Komposition hinwegsehen. War das ein Key-Change oder hat das nur so gewirkt?

DER FAN bestätigt: Key-Change. Und das in einem Rock-Song. Na, ich würde eher sagen: Midtempo-Soft-Rock-Pop-Schlager. DER FAN mag die Live-Stimme, Marty mag alles und hat in seinen Kommentar 15 mal das Wort „like“ eingebaut.

Niamh zieht auch den Vergleich zu U2. Sie liebt den Song und betont, wie toll es ist, dass in diesem Jahr so tolle Songs dabei sind (Stream weg). Stimme findet sie natürlich auch prima.

Nochmal 5/10 Punkten vom Teetrinker.

Song 4: Una Gilbey and David Shannon: „Language of love“

Der Mentor ist toll. Julian Benson, Choreograph und Showagent trägt ein Peter-Frankenfeld-Jäckchen und redet wie Marlon Brando in „Der Pate“. Er lobt seine Schützlinge über den grünen Klee und möchte eine „universal message“ durch Europa schicken.

Diese Botschaft ist dann klassisches Eurovisionsfutter. Eine aufgebrezelte Blondine im Schleppenmini und ein Versicherungsvertreter mit Schwitzkinn benutzen das komplette Eurovisions-Text-Lexikon: United, guiding light, love etc. sind nur einige der Wörter, die über ihre Lippen kommen. Musikalisch flott-hymnisch, tausendmal gehört. Und es endet leise und die beiden himmeln sich an. So, so.

Marty fand den look incredible, den Song aber quite old fashioned. Da waren wir schon, meint er. Aber ist das nicht das Thema, an dem sich heute alle aufhängen?

Catchy melody meint Niamh, das Thema ist aber wohl nicht so passend insbesondere für Baku. Aber Energie hatte es. Die Zeit von „All kinds of everything“ und „Ein bisschen Frieden“ ist aber wohl vorbei. Damit es jetzt nicht ganz den Bach runtergeht, lobt Niamh einfach mal alle Teilnehmer für ihren Einsatz.

DER FAN äußert sich zum Thema Duett. Klappt gut in diesem Fall, aber der Song ist was für ihre Fünfjährige.

Von mir gibt es 3/10 Punkten.

Noch nicht werten, auf Jedward warten, sagt Ryan.

Linda Martin kommt herbei, sie ist die Mentorin für

Song 5: Jedward: „Waterline“

Auch Linda klingt ein klein wenig wie „der Pate“ – dabei ist sie ja eine Patin… . Sie hat den Song aus über 100 Einsendungen ausgewählt. Es war von vornherein ihr Ziel, einen flotten Song für Jedward zu finden, sie glaubt, es ist ihr gelungen.

Da sind sie wieder, wie wir sie kennen: schwache Vocals, zackige Bewegungen und die Haare. Der Song gewinnt, das ist nach den ersten Tönen klar.

Nach dem ersten Refrain wird es sehr energiegeladen. Aber: das alles ist nichts Neues mehr.

„Waterline“ ist bei weitem nicht so verrückt wie „Lipstick“ und es bleibt abzuwarten, was international daraus wird.

Oh, ein schöner Shot von oben in der „ruhigen Passage“.

Irgendwie warte ich auf einen Key-change. Hatte „Lipstick“ eigentlich einen? Vielleicht habe ich ihn wegen des Stream-Gerappels verpasst.

Großer Applaus der 120 Anwesenden und DER FAN ist ganz hin und weg. „So much energy“. Und den Song mag sie auch.

Niamh findet den „proper pop song“ prima. Sie nimmt sie ansonsten so wie sie sind und kann 100% mitgehen, dass die beiden es nochmal machen.

Marty äußert sich auch allgemeinplatzig-wohlwollend, bevor er von Niamh unterbrochen wird.

Also, der Drops ist gelutscht, würde ich sagen. (7/10 Punkten von mir für die Zwillinge).

Jetzt darf man anrufen.

Während des Schnelldurchlaufs fällt mir auf, dass Donna aussieht wie Hazell Dean aus den 80ern. Die wollte ja auch mal zum Grand Prix, glaube ich – in den 80ern. Korrektur: es waren die 70er, genauer gesagt war es 1976. Das sah sie aber nicht so aus wie Donna, sondern eher wie Maria. Have a look here.

Werbung. Martin Sheen wird angekündigt. Vielleicht darf er das Publikumsresultat verkünden.

Ryan ist wieder da und redet über sein Autoquiz. Um fünf vor halb zwölf irischer Zeit muss man zu Hause sein, wenn man gewinnen will. Wir können uns also noch auf einen hübschen irischen Dialekt per Telefon freuen.

Zwischendurch mein Ranking:

1 Jedward, 2 Andrew, 3 Donna, 4 Maria 5 das gemischte Duo.

Es ist tatsächlich so, dass die Jeddys ein Problem mit den Trackshittaz kriegen werden, ist doch der österreichische Beitrag der deutlich „wildere“. Aber vielleicht klappt es ja trotzdem mit dem Finale – das wäre in diesem Jahr schon ein Erfolg.

So, das Interview mit Martin Sheen wird jetzt aber nicht postend begleitet. Gleich geht es weiter!

Obwohl…

Das Konzept der Sendung macht ein bisschen die Tragik des irischen Verhältnisses zum ESC deutlich. Eingebettet in eine Talkshow, im Mini-Studio, spät am Abend und jedes Jahr die gleichen Nasen: Ex-Gewinner und Menschen die von den „Golden Days“ schwärmen. Die Sängercast: zum größten Teil No- oder Little-Names (o.k., das ist woanders auch so). Alles ein bisschen schade, oder? Kein Wunder, dass sie das Zwillingswunder vom letzten Jahr gern noch einmal wiederholen möchten.

Martin ist durch, jetzt wird ein Overnight stay in einem tollen Hotel an das Studiopublikum verlost (bzw. die Verlosung wird angekündigt), ein finaler (?) Schnelldurchlauf und dann…

Werbung. Angekündigt wird die „exiting voting procedure“ und Brotherhood of Man als Pausenact. Remembering the good old days.

So, die Linien sind geschlossen und das Panel darf noch mal ran.

DER FAN fand die „Range“ des Angebotes sehr, sehr toll. Jedward sind zeitgemäß, könnten im Radio gespielt werden und haben sich höchstens mit Donna zu messen.

Auch Niamh lobt das Gesamtangebot. Sie mag Jedwards Energy. Sie hätte aber noch lieber Andrew Mann. Den Song findet sie besser.

Donna ist die Favoritin von Marty. Der Jedward-Song ist aber der Song, der die Iren nach vorne bringen könnte.

Aber eigentlich: mit allen Songs könnte man gewinnen, meinen Niamh und Marty. Lordi habe es auch geschafft (Lordi wird bestimmt schon zum zwanzigsten Mal herbeizitiert).

Gelaber, Gelaber.

Jetzt ein Blick auf die Konkurenz: Dänemark, Norwegen, Albanien (kurz), Lettland und ein weiteres Land (noch kürzer) werden vorgestellt. Wo ist Roman? Habt ihr Angst?

Jetzt: Brotherhood of Man mit einer dezent veränderten Version ihres 36 Jahre alten Siegertitels. Diesen Sieg habe ich damals nicht live mitbekommen, ich war im Ferienlager.

Der Sound der Begleitmusik klingt synthiebillig, der Gesang klingt live und noch immer ordentlich, die Choreographie sitzt immer noch – auch wenn sie nicht mehr so tief in die Knie gehen. Dennoch – zu retro, zu oft gesehen und gehört. Warten wir lieber auf die „exiting voting procedure“.

Es geht los 5 Jurys in Cork, Galway, Sligo, Limerick und Dublin. Sie voten 4, 6, 8, 10, 12. Jury und Publikum teilen sich den Kuchen gleichwertig. Wer am Ende am meisten Punkte hat, gewinnt und geht „tobacco“. Ach was.

Cork fängt an:

4 für Maria, 6 für „Language of love“, 8 für Donna, 10 für Andrew, 12 für Jedward.

Limerick:

4 für Maria, 6 für „Language of love“, 8 für Donna, 10 für Andrew, 12 für Jedward.

Das war exakt gleich und komischerweise führt Jedward.

Galway:

4 für Maria, 6 für Andrew, 8 für Jedward!!!, 10 für „Language“, 12 für Donna.

Man will auch mal anders.

Sligo:

4 für Maria, Donna kriegt 6 , „Language“ 8, Jedward 10, Andrew 12

Dublin

4 für Maria, 6 für Andrew, „Langugage“ kriegt 8, Donna 10, Jedward 12.

Und das Televoting:

20 Song 4 „Language of Love“

30 Song 1 „Mistaken“

40 Song 2 „Mercy“

50 Song 3 „Here I am“

60 Song 5 „Waterlines“

Das war nicht exiting, das war sehr vorhersehbar. Und sehr hektisch. Stimmt alles?

Gewonnen haben tatsächlich Jedward, wenn auch nicht mit der höchsten aller möglichen Punktzahlen – insgesamt 114, wenn ich mich nicht verzählt habe. Das Wahnsinn geht gleich wieder los. Es wird gekreischt, geschrien, gehüpft und gealbert. Finden wir das immer noch lustig? I don’t know.

Jetzt kommt das Lied nochmal. Noch spannender finde ich aber, wer das Auto gewinnt. Nein, doch noch kein Lied. Wir sind in einer Talk-Show und das Panel muss doch noch den Sieger loben. Auch das passiert abgeklärt. Niemand ist überrascht, alle sind zuversichtlich. Marty freut sich, dass es heute eine „real competition“ gab. Ach so.

Das Auto geht an: Maria Riley, die die Show mit Tochter und Enkel schaut. Wir gratulieren. Geld hat sie auch noch gewonnen?!

So, jetzt nochmal „Waterline“. Viel Spaß in Bacco, Jungs!