Thomas Schreiber: Darum muss es nicht mehr das zweite Semi sein

Über mehrere Jahre hat der NDR für Deutschland den Antrag gestellt, als Big5-Land im zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contest abstimmen zu können. Warum man sich in diesem Jahr einem Semi zulosen lassen will und welche Risiken damit verbunden sind, erläutert ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber im schriftlichen Interview mit dem ESC Prinz-Blog. Dabei gibt er auch bekannt, in welchem ARD-Programm die Semis zu sehen sein werden (kleiner Tipp: das Aufmacherbild gibt einen Hinweis).

Prinz ESC-Blog: Herr Schreiber, in den letzten Jahren hat der NDR immer wieder den Antrag gestellt, im zweiten ESC-Semi abstimmen zu dürfen. Was war der Gedanke dahinter?

Thomas Schreiber: Die Frage haben wir 2011 zum ersten Mal gestellt, weil in diesem Jahr – Sie erinnern sich – ProSieben das erste Semi Finale übertrug. Wir wollten die Abstimmung aber im Ersten Deutschen Fernsehen zu den niedrigeren Preisen ermöglichen (Anruf- und SMS-Kosten dürfen in der ARD nur die technischen Kosten tragen, nicht aber zur Sendungsfinanzierung wie bei dem kommerziellen Wettbewerbern dienen).

In den Jahren danach haben wir versucht, durch die Übertragung des ersten Semi-Finales Aufmerksamkeit für das zweite zu schaffen, um auch außerhalb der Fankreise das Bewusstsein für die Semi-Finale und die jeweilige Abstimmung zu schaffen – das Interesse in Deutschland wurde bestimmt von den Fans der in den jeweiligen Semis antretenden Diaspora. So jedenfalls hatte ich die jeweiligen Analysen von digame mobile verstanden. Das heißt, unsere Bitte an die EBU diente der Steigerung des Interesses und der Anruferzahlen – schließlich kommen auch in den Halbfinalsendungen die mit Abstand meisten Anrufe aus Deutschland.

Für uns gab es in den vergangenen Jahren noch ein weiteres Argument. Bei der Suche nach prominenten Mitgliedern der deutschen Jury war es leichter zu kommunizieren: Ihr stimmt zweimal ab, einmal am Mittwoch, einmal am Freitag. In diesem Jahr sind wir bereits mit Jury-Mitgliedern im Gespräch, denen wir signalisieren, dass wir noch nicht wissen, ob sie am Montag oder am Mittwoch abstimmen. Ich weiß noch nicht, ob das die Suche nach Jury-Mitgliedern beeinflussen wird, da diese Mai-Woche auch wichtig für Tournee-Konzerte, Festivals, etc. ist.

Nun haben Sie in einem Kommentar auf unserem Blog signalisiert, dass es diesen Antrag dieses Jahr nicht gegeben habe. Ist das so korrekt? Und wenn ja, warum ist Ihnen das in diesem Jahr nicht wichtig?

Mit ONE haben wir eine erfolgreiche Plattform für die Semi-Finale des Eurovision Song Contest gefunden, auf der sowohl das erste als auch das zweite Semi-Finale live gezeigt werden. Damit ist gewährleistet, dass beide Semi-Finale den gleichen Zuspruch erhalten. Dies macht eine Festlegung auf das zweite Semi-Finale hinfällig.

Haben denn in diesem Jahr andere Länder den Wunsch geäußert, in einem der beiden Semis antreten zu dürfen?

Diese Frage kann ich leider nicht beantworten, das müssen Sie bitte bei der EBU erfragen. In der Vergangenheit gab es immer wieder – mit Blick auf nationale Feiertage etc. – entsprechende Bitten einzelner Länder, die jeweils von der Reference Group genehmigt wurden.

Haben sich in den letzten Jahren andere Delegationen auch verwundert gezeigt, dass Deutschland immer wieder diese Ausnahmeregelung haben wollte? Wenn ja, wie hat sich das geäußert?

Nein, davon ist mir nichts bekannt. Da die Festlegung auf das zweite Semi-Finale mit der Begründung gekoppelt war, den Eurovision Song Contest in Deutschland noch stärker zur Geltung zu bringen, wurde dieses Ansinnen berücksichtigt. Außerdem wurde unser Antrag immer von der Reference Group des ESC, dem Organisationskomitee, welchem neben den letzten beiden austragenden Ländern auch drei Produzenten aus anderen ESC-Teilnehmerstaaten beiwohnen, genehmigt.

Der ESC-Gastgeber und die Big5 Länder dürfen ja nicht nur in einem der beiden Semis abstimmen, sondern ihr Beitrag ist dort auch zumindest als Ausschnitt zu sehen. Hat hier ein Beitrag, der im zweiten Semi gezeigt wird, womöglich einen Vorteil, weil eventuell die Reichweite höher ist und/oder der zeitliche Abstand zum Finale geringer?

Wir freuen uns, dass es der EBU und der Reference Group gelungen ist, Italien, Großbritannien, Spanien, Frankreich und Deutschland noch besser in die Semi-Finale zu integrieren. Die Künstler der BIG 5 treten bei den Generalproben der Halbfinale live auf und können sich somit besser auf das Finale vorbereiten. Auch eine stärkere Bindung zu den Fans in der Halle ist spürbar. In welchem Semi-Finale unser Beitrag auftritt, ist dabei nebensächlich.

Ein weiterer Aspekt bei den Semis ist auch die Frage der TV-Ausstrahlung. Wissen Sie bereits, auf welchen Kanälen und zu welchen Uhrzeiten die beiden Halbfinale in Deutschland zu sehen sein werden?

Wir übertragen beide Semi Finals live auf ONE sowie im Livestream von ONE, bei www.eurovision.de sowie www. Eurovision.tv.

Letztes Jahr sollte auch mit der Einblendung von Social-Media-Kommentaren während der Sendungen experimentiert werden. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Wird es das in diesem Jahr auch geben?

Die Semi Finals werden 2018 ohne Social-Media-Kommentare gezeigt, so wie 2017 auch.

Linda Zervakis sagte uns im Interview scherzhaft, dass Sie den Abend des 12. Mai, also des ESC-Finals, frisch gebadet und in einem Bademantel vor dem Fernseher verbringen würde. Haben Sie womöglich andere Pläne für sie und Elton, die beiden Moderatoren des deutschen Vorentscheids, an dem Abend?

Das würde ich vermutlich eher mit Linda und Elton besprechen, es sei denn, Sie bieten an, das Interview nicht schriftlich, sondern ebenfalls frisch gebadet und im Bademantel zu führen…