Trackshittaz im PRINZ-Blog-Interview: „Unser Lied ist nicht sexistisch, wir wollen Gaudi machen“

Lukas Plöchl und Manuel Hoffelner rappen als Trackshittaz nicht nur und wackeln mit ihren ansehnlichen Popos. Trotz ihrer jungen Jahre haben die beiden Oberösterreicher sehr reflektierte Ansichten, die im Interview mit PRINZ-Blogger OLiver im Vorfeld des „Eurovision in Concert“ in Amsterdam deutlich wurden. Die Trackshittaz über Sexismus-Vorwürfe in Österreich, ihren Auftritt in Baku und die aktuelle ESC-Konkurrenz.

PrinzBlog: Warum singt ihr in Mundart?

Lukas: Weil wir glauben, dass wir die Sprache, die wir tagtäglich sprechen, am besten können und so am besten Gefühle vermitteln können. Auch wenn „Woki mit Deim Popo“ ein Partysong ist, muss man dennoch Gefühle, Spaß und Gaudi rüberbringen und das können wir in Mundart am besten. Wir finden auch, dass die Mundart gar nicht so schiach ist (österreichisch für „hässlich“) und phonetisch lustig klingt. Wir wollen ja auch mit der Mundart auffallen. Es hat noch nicht so viele Lieder in Mundart in Österreich und Bayern gegeben. Wir wollen einfach schauen, wie das Publikum auf uns reagiert.

Anmerkung d. Red.: 1971 und 1996 hatte Österreich Titel in Dialekt zum ESC entsandt, mit wenig Erfolg.

PrinzBlog: Wie war die Reaktion der Presse nach eurem eher unerwarteten Sieg in der Vorentscheidung?

Manuel: Die Reaktion in der Presse war gespalten, es sind viele positive aber auch ein paar negative Sachen geschrieben worden. Wir wurden als Sexisten dargestellt, weil wir angeblich die Frauen auf ihre Geschlechtsteile reduziert hätten. Dabei hat jeder eine andere Vorstellung, was Sexismus ist.

Lukas: Sexismus ist ganz klar definiert als Runtermachen des anderen Geschlechtes oder auch manchmal des eigenen, oder auch eines als besser darzustellen als das andere. Und genau das machen wir ja gar nicht. Wir machen uns einen Spaß daraus, beide Geschlechter für – sagen wir – eine Strophe auf ihre Geschlechtsteile zu reduzieren, und das hat etwas mit Sexualität und mit Spaß zu tun. Es geht nicht nur um Frauen. Und wir haben in der Vorentscheidung in Österreich ja auch ordentlich gewackelt mit dem Popo. Wir fordern ja generell auf, den Popo zu shaken und da ist nichts Verwerfliches dabei.

Manuel: Das ist eher sportlich zu sehen.

PrinzBlog: Kurz nach der VE wurdest du, Lukas, zu einer Diskussionsrunde in den ORF eingeladen, wo es eine Stunde zur besten Sendezeit allein um „Woki mit deim Popo“ ging und du den Titel gegen Sexismus-Vorwürfe verteidigen musstest. Wie empfandest Du das?

Lukas: Zuerst denkst du, was geht denn jetzt ab. Bei „Club 2“ wird sonst über Steuerhinterziehung und politische Themen diskutiert, und plötzlich bist du mit deinem Lied in der Sendung Thema. Man denkt einerseits, was ist denn jetzt so schlimm daran. Andererseits denkt man, das ist auch ein Erfolg, denn schaff‘ das erst mal, ohne einen umzubringen oder Steuern zu hinterziehen oder politischen Müll zu machen, zu so einer Sendung eingeladen zu werden.

Manuel: Das war sehr gute Werbung für uns.

PrinzBlog: Zur Präsentation: Warum dürft ihr eure beeindruckende Lichtshow in Baku nicht wiederholen?

Lukas: Aus Sicherheitsgründen darf man die Halle in Baku nicht so weit verdunkeln, daher mussten wir eine gute Alternative für die Lightshow suchen. Die haben wir auch gefunden, aber wir verraten sie nicht. Die Mädels aus der Vorentscheidung nehmen wir aber auf jeden Fall mit, denn auf der Bühne sollen ja nicht nur wir Männer ordentlich mit dem Popo wackeln.

PrinzBlog: War Conchita Wurst, die für die Vorentscheidung favorisiert war, eine gute Verliererin?

Manuel: Doch, sie hat auf jeden Fall gleich geklatscht.

Lukas: Sie hat uns gesagt, sie wünscht uns das Beste, sie meinte, wenn sie nicht gewinnt, dann sollten wir es werden. Wir kennen Conchita auch schon aus dem Studio, ihr Contestbeitrag wurde von den gleichen Produzenten produziert wie unsere ersten beiden Alben. Daher sind wir uns des Öfteren off-stage über den Weg gelaufen. Wir haben uns auch irrsinnig gefreut, dass wir im Finale der beiden Acts mit den meisten Televotingstimmen mit Conchita waren. Das war gut.

PrinzBlog: Österreich war im ESC wenig erfolgreich in den letzten 20 Jahren. Schafft das besonderen Druck?

Lukas: Natürlich ist das für uns auch Druck, weil man in Österreich eines Tages alles schaffen will. Aber es hat auch den Vorteil eines Underdogs. Wir sind in den Wettquoten ja auch nicht besonders weit vorne, ich glaube wir liegen sogar eher im unteren Viertel. Das ist ok, da schauen wir nicht besonders drauf, wir wollen uns auf unsere Show konzentrieren. Ich denke, wir können anders rangehen als ein Land, das laufend sehr erfolgreich ist und sich immer problemlos fürs Finale qualifiziert. Dort sind die Erwartungen viel höher, etwa so, wie man erwartet, dass China immer im Tischtennis triumphiert.

PrinzBlog: Gutes Stichwort, Lukas. Dein Vater kommt aus China und ist Tischtennistrainer der österreichischen Nationalmannschaft. Spielt ihr beide auch?

Manuel: Nein, ich spiele Fußball.

Lukas: Ich habe nur ein halbes Jahr Tischtennis gespielt und bin dann schnell zu Fußball gewechselt. Wenn der Papa Trainer ist, hat er extra besondere Ansprüche.

PrinzBlog: Habt ihr euch über Baku vorab informiert?

Manuel: Wir haben uns schlau gemacht. Er hat geglaubt, das ist gleich bei der Türkei, dabei liegt es eher Richtung Iran. Wir haben uns Bilder von Baku, der Hauptstadt, angeschaut. Und wir müssen sagen: Bei Nacht sieht es schön aus.

PrinzBlog: Nacht wird es auch sein, wenn ihr auf die Bühne geht. Macht euch die Zeitverschiebung Sorgen? Um die gewohnten Anfangszeiten einzuhalten, beginnen die Shows nach Ortszeit erst um Mitternacht und ihr müsst dann wohl so gegen halb zwei singen.

Lukas: Das ist für uns normal, wir finden ja hauptsächlich in Clubs statt, daher sind nächtliche Auftritte kein Problem für uns. Das sind wir gewöhnt.

Manuel: Das ist unsere Zeit, da haben wir einen Vorteil und gewissermaßen ein zeitliches Heimspiel.

PrinzBlog: Was haltet ihr von der Konkurrenz? Welche anderen ESC-Titel gefallen euch denn besonders?

Lukas: Wir sehen die anderen Teilnehmer nicht nur als Konkurrenten, sondern auch als Mitstreiter, wir machen ja alle zusammen eine große Show. Dieses Jahr sind einige mit Partysongs unterwegs, ich denke da an Rumänien, Griechenland, Schweden. Mit einigen, die hier in Amsterdam sind, haben wir auch schon connected. Gut gefällt uns Schweden. Loreen hat eine wahnsinnig mystische Performance. Schade, dass sie nicht hier auf dem Konzert ist.

Manuel: Lustig finden wir auch die russischen Omis. Auch Griechenland (Foto: mit Eleftheria Eleftheriou) und Dänemark gefallen uns gut.

PrinzBlog: Also eher die flotteren Songs. Im ersten Semifinale kommen direkt nach euch Moldawien und Irland mit flotten lauten Titeln und ähnlich aufwändigen Shows.

Manuel: Dann müssen wir eben einfach mehr glänzen, um nachdrücklicher in Erinnerung zu bleiben.

Lukas: Wir müssen alles geben und noch viel mehr, so dass einem die nach uns Kommenden leid tun müssen. So muss das Gefühl sein, das wird sicher lustig.

PrinzBlog: Ihr habt in Österreich drei Alben veröffentlicht, in Deutschland eines. Was ist als nächstes geplant?

Lukas: Wir haben im Februar das dritte Album in Österreich veröffentlicht. Da sind  einige potenzielle Hits darauf, die wir noch als Singles veröffentlichen werden. Im Herbst kommt dann ein Soloalbum von mir.

Manuel: Von „Woki mit deim Popo“ wird es eher keine fremdsprachigen Versionen geben, aber wir denken über Remixes nach.

PrinzBlog: Gute Idee. Eure ungarischen Kollegen von Compact Disco haben schon acht Remixes von den bekanntesten DJ ihres Landes eingesammelt.

Lukas: Alle, die nicht aus Österreich sind, können Gratis-Remixes aus „Woki mit deim Popo“ machen – die Spuren stehen bei der Sony zur Verfügung. Da werden wir auch noch einen Contest aufziehen. Für uns ist es auch lustig zu hören, was die DJs aus unserem Song machen. Je mehr Remixes, desto besser!

PrinzBlog: Vielen Dank Euch beiden und viel Glück für Baku!

> zum Prinz Songcheck Österreich

Österreich 2012: Trackshittaz – Woki mit Deim Popo (Vorentscheidung)

Ergänzung:

Hier übersetzen die Trackshittaz „Woki mit Deim Popo“ in alle möglichen Sprachen: