ESC 2016: Türkei wieder dabei

Hadise Turkey 2009

In Ankara ist man offenbar zur Besinnung gekommen. Inmitten sich anhäufender News zum ESC in Wien rückt auf einmal türkischer Bauchtanz beim ESC wieder in den Bereich des Möglichen (im Bild Hadise 2009) – allerdings erst nächstes Jahr. Nach drei Jahren Abstinenz vom Eurovision Song Contest will die Türkei 2016 zum 61. Festival zurückkehren. Das berichten übereinstimmend diverse türkische Gazetten und TV-Sender.

05 türkei Yüksek Sadakat proben

Die besonders spannende Frage dürfte sein, zu welchen Konditionen TRT sich bereit erklärt hat, wieder teilzunehmen. Mit lautem Getöse hatte man sich nämlich nach dem ESC 2012 in Baku unter Hinweis auf ein ungerechtes Regelwerk zurückgezogen. Eigentlich wollte man das bereits nach dem ESC 2011 in Düsseldorf und der erstmaligen Halbfinalniederlage mit Yüksek Sadakat (Foto oben) tun. Allerdings hätte man damit den verbrüderten Nachbarstaat und Gastgeber 2012 Aserbaidschan schwer beleidigt. Seitdem soll es jedenfalls hinter den Kulissen immer wieder zu Gesprächen mit der EBU bezüglich einer Rückkehr gegeben haben.

Man wird abwarten müssen, ob die EBU den Türken irgendwelche Zugeständnisse gemacht hat, sofern es darüber ohnehin jemals eine Information geben wird. Hinsichtlich des Regelwerks ist ein Zugeständnis eigentlich auch nur schwer vorstellbar. Selbst, wenn es immer mal wieder kritische Anmerkungen aus schlechtplatzierten Nationen am Wertungssystem gibt, scheint sich das 50/50-System aus Jurywertung und Televoting doch irgendwie bewährt zu haben.

Probe Türkei Can BonomoCan Bonomo 2012 – bisher letzter ESC-Beitrag der Türkei

Wie jetzt bekannt wurde, gab es in der Vergangenheit seitens TRT auch verstärkt „moralische“ Bedenken gegen eine Teilnahme. Konkretisiert wurde diese jetzt erneut getätigte Aussage der TRT-Führung jedoch nicht. Insofern kann man da nur im Trüben fischen, wie dieses Statement wohl gemeint sein könnte. Angesichts der politischen Verhältnisse in der Türkei wäre aber durchaus vorstellbar, dass man eventuell bereits dieses Jahr wieder dabei gewesen wäre, hätte da nicht eine gewisse junge Dame mit Bart eine ganz tragende Rolle erhalten. Aber wie gesagt, das ist reine Spekulation. Und außerdem: Türken und Wien – das ist sowieso keine so gute Kombination, wie die Geschichte zeigt…

Ein ganz anderes Problem, das jetzt noch einmal genannt wurde, ist offenbar der Umgang der EBU mit den Geldern der Mitgliedsstaaten. Ein Punkt, der zwischenzeitlich angeblich auch in Italien, Rumänien und Bulgarien sauer aufgestoßen sein soll. Aber auch dieses Problem scheint in den zahlreichen Gesprächen zur türkischen Zufriedenheit gelöst worden zu sein. Möglicherweise hat die EBU ja an den Teilnahmegebühren für den ESC etwas herumgeschraubt.

Letztlich klingt es aber versöhnlich, was der Generaldirektor von TRT, Senol Göka, zu Protokoll gibt. Wenn man sich nämlich, wie zum Beispiel beim Fußball, durch eine Schiedsrichterentscheidung ungerecht behandelt fühle und eine Niederlage erleide, träte man irgendwann aber doch wieder zum nächsten Spiel an. Recht hat der Mann. Ein bisschen mehr Sportsgeist und weniger Verbissenheit kann einer türkischen Teilnahme sicher nur gut tun.

Wir sind jetzt schon gespannt, wie sich die Türkei 2016 beim ESC schlägt und werden interessiert die Reaktionen aus Ankara beobachten, sollte es eine Platzierung jenseits der Einstelligkeit geben. Und die EBU sollte sich schleunigst erklären, in welchen Punkten man der Türkei entgegengekommen ist.