Türchen #10 im Eurovision Songkalender: Weihnachten im Sitzen

Der Auftritt beim Eurovision Song Contest und das Singen eines Weihnachtsliedes scheint für manche Menschen eine besondere Bürde zu sein – Grund genug sich dabei hinzusetzen und zwar sowohl hier als auch dort. Wen wir dabei erwischt haben?…

 


Es geht auch ohne Stuhl!

Die Eurovisionssiegerin des Jahres 1970 stellt in der Historie des Festivals eine Besonderheit dar: Dana aus Irland war die einzige Siegerin, die scheinbar völlig ohne Grund während ihres Auftritts auf einem Höckerchen saß. Gewiss, andere nutzten ebenfalls dieses Möbelstück, Nicole im Jahre 1982, Udo Jürgens 1966 und Charlie McGettigan und Paul Harrington im Jahre 1994 taten dies allerdings, um dabei ein Instrument zu betätigen, respektive Gitarren und Pianos.

Dana war aber die Einzige, der es anscheinend zu anstrengend war, beim Singen auf der Bühne zu STEHEN. Möglicherweise war der vom Kollegen Feddersen so oft zitierte „Hunger auf den Sieg“ so stark, dass die Gute ein wenig unterzuckert war und Platz nehmen musste, vielleicht war ihr der inhaltliche Gehalt ihres Liedes, bei dem es immerhin um „Alle Dinge von allem“ ging, zu heavy für eine Standing performance, vielleicht war es aber auch einfach nur ein Versuch, möglichst viele Punkte einzuheimsen, wie späterhin mit Hilfe von Trickkleidern, Eisläufern oder Möbelstücken. Wir wissen es nicht. (Foto: Araldo di Crollalanza/Rex Features)

Was wir aber wissen ist, dass Dana im Anschluss an ihren ESC-Sieg zunächt eine hübsche Musikkarriere startete, bei der sie bis in die späten 70er Jahre  immer wieder kleine bis mittlere Hits hatte, an die man sich heute allerdings kaum noch erinnert.

Eine Ausnahme bildet ihre Weihnachtssingle aus dem Jahre 1975, „Cold, Cold Christmas“. Dieser Song wurde nach „All kinds of everything“ ihr größter Hit im Vereinigten Königreich und ist heute auf jedem von deutschen Privat-TV-Sendern protegierten Christmas-Sampler zu finden. „C0ld Cold Christmas“ spielt sicher nicht in der „Last Christmas“-Liga, ist aber hinsichtlich seines Bekanntheitsgrades durchaus mit „Thank God, It’s Christmas“ von Queen oder Paul McCartneys „Wonderful Christmastime“ zu vergleichen.

Begeben wir uns also auf die Suche nach einem Video zu diesem zuckersüßen Song. Und was müssen wir feststellen? Auch für Fernsehpräsentationen von „Cold, Cold, Christmas“ war Dana sehr hockeraffin.

Hier der Beweis, ein Auftritt aus „Top of the Pops“:

Und damit man sieht, dass dies kein Zufall ist –  hier gleich ein zweiter TV-Auftritt, heller ausgeleuchtet und somit noch besser zu erkennen:

Obwohl Dana bei letzterem Auftritt tatsächlich nach der ersten Hälfte ihr Höckerchen verlässt und sich schreitend durch den Raum bewegt, muss doch ein Muster festgestellt werden. Dana liebt es, beim Singen zu sitzen, das belegen andere TV-Auftritte, u.a. in der deutschen Starparade.

Dana sitzt am Tisch und präsentiert WeihnachtskartenEs wundert daher nicht, dass sie auch nach Beendigung ihrer Sangeskarriere ihren beruflichen Werdegang vor allem auf sitzende Tätigkeiten ausrichtete. Neben ihrer Juroren- und Paneltätigkeit bei diversen irischen ESC-Vorentscheidungen und Talentshows ist hier vor allem ihr „Sitz“ im Europäischen Parlament zu nennen, den sie von 1999 bis 2004 inne hatte. Auch die Vorbereitungen zu ihrer Kanditatur für das irische Präsidentenamt führte sie vorwiegend an ihrem Schreibtisch aus – sitzend. (Foto: www.galwayhospice.com – Dana (2. von rechts) präsentiert Weihnachtskarten zugunsten des Galway Hospice).

Sei es, wie es ist – im Hinblick auf das Weihnachtsfest ist das Sitzen ja tatsächlich eine angemessene und vielfach angewandte Körperhaltung. Man sitzt beim Gänsebraten, unterm Tannenbaum, in der Kirchenbank oder vor dem Fernseher. Von daher hat Dana sowohl beim ESC als auch mit ihrem Weihnachtssong alles richtig gemacht.