Türchen #19 im Eurovision Songkalender: Weihnachten unter Säugetieren auf Gut Aiderbichl

In der seit 2003 alljährlich zum Heiligabend ausgestrahlten Eurovisionssendung „Weihnachten auf Gut Aiderbichl“ geht es um Liebe, Barmherzigkeit und Herbergssuche. Immer wieder begehren auch ehemalige Grand-Prix-Interpreten Einlass an der Pforte des österreichischen Tierasyls. Im letzten Jahr bedankte sich eine Schweizer Sängerin in Begleitung dreier stubenreiner Schoßhunde artig mit einem Lied in einer Sprache, die in 56 Jahren des Eurovision Song Contest erst ein einziges Mal erklang.  

Die Rede ist von Marie-Louise Werth, die 1989 beim Schweizer Heim-Grand-Prix in Lausanne mit der Formation „Furbaz“ für einen unvergesslichen Moment sorgte. „Viver senza tei“, das einzige jemals in Rätoromanisch gesungene ESC-Chanson, klang wie eine ungewöhnliche Mischung aus Volksmusik, Schlager und Bergfolklore.

21 Jahre später stellte Sangeskollegin und Landsmännin Francine Jordi (die bei ihrem ESC-Auftritt 2002 mit einem noch altbackeneren Chanson in französischer Sprache weitaus schlechter abschnitt als das Quartett aus Graubünden) die Gruppe Furbaz in der erwähnten ORF-Weihnachtssendung „Weihnachten auf Gut Aiderbichl“ vor. Warum sie allerdings während der Anmoderation ein (deutlich besser frisiertes) Lama fütterte, entzieht sich unserer Kenntnis.

Wir dürfen dem Videoclip folgendes entnehmen: Der Musikstil von Furbaz passt stimmungsmäßig sehr viel besser in eine Weihnachtsumgebung als auf eine ESC-Bühne und hat sich keinesfalls mordernisiert oder irgendwie anders weiterentwickelt. Gleiches gilt für die beinahe schon erschreckend frische Erscheinung von Marie-Louise, an der die Jahrzehnte scheinbar spurlos vorübergezogen sind (liegts an der klaren Bergluft?), was man von ihren im Vergleich zu 1989 deutlich haarloseren Gespielen mit der nerdigen Ausstrahlung nicht behaupten kann.

Man beachte auch das wunderschöne Setting voller Weihnachtsdevotionalien wie geschmückter Weihnachtsbäume, Goldlamé, trompetender Engel und brennender Kerzenständer sowie die einfühlsame Kameraführung, die bei 1:50 direkt von dem äußerst ergriffenen Lama, dem noch Reste einer Zwischenmahlzeit aus dem Maul hängen, auf Marie-Louise schneidet.

Furbaz 2010 – Messadi da nadal

Das zugehörige Album „Messadi da nadal“ verkaufte sich in der Schweiz mehr als 10.000 Mal. Furbaz erhielten daher aus den Händen von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf eine goldene Auszeichnung, die erste und bislang einzige für eine räroromanische Gruppe.

Zum Vergleich, so sangen Marie-Louise Werth & Furbaz (ohne mampfendes Lama) im Jahr 1989 in Lausanne und erreichten den 13. Rang beim Eurovision Song Contest und Platz 23 in den Schweizer Charts:

Schweiz 1989: Furbaz – Viver senza tei