Türchen #21 im Eurovision Songkalender: Es steppt und schneit so sanft

Erst dieser Tage bestätigte das polnische Fernsehen, leider keinen Vertreter zum ESC nach Baku zu schicken – Zeit für uns, eine der ganz großen Polinnen im Wettbewerb aus dem heutigen Türchen schlüpfen zu lassen. Mit einer hübschen, kleinen Winterchoreographie, die unsere adventsgestressten Gemüter langsam auf Heiligabendstimmung runterbringt. Und uns gleichzeitig, ganz uneurovisionär, etwas amerikanischen Kitsch beschert.

Edyta Górniak, deren Pop-Karriere 1994 glanzvoll mit einem sensationellen 2. Platz beim ESC in Dublin startete (der allererste Beitrag Polens übrigens), hat es nicht ganz leicht gehabt. Nach ihrem Song-Contest-Beitrag „To nie ja“ (Ich war es nicht) hatte sie zwar einen großen Erfolg mit ihrem Debüt „Dotyk“ in Polen, und auch ihr erstes internationales Album im Jahr 1996 verkaufte sich recht anständig.

Doch obwohl sie mit den besten Produzenten und Songwritern weltweit arbeitete, blieb der ganz große Wurf aus. Das zweite Album, an dem sie 1999 zu arbeiten begann, wurde letzten Endes nach langem Hickhack 2002 nur in Polen veröffentlicht, nach weiteren Rechtsstreitigkeiten, einem Labelwecshel und leicht aufgepeppt noch in Deutschland – mit nur mäßigem Erfolg.

2008 brachte sie wenige Tage vor Weihnachten in Polen ein Album heraus mit dem Titel „Zakochaj się na święta w kolędach“, das lediglich als Zeitungsbeilage und über einen Onlineshop zu bekommen war – eine nicht besonders originelle Sammlung von zehn weihnachtlichen Songs, darunter fünf amerikanische Standardklassiker wie „Jingle Bells“ und „Let it snow! Let it snow! Let it snow!“.

Letzteres hatte sie nur wenige Tage zuvor mit vier weißbefrackten, steppenden Tänzern und viel Kunstschnee im Pausenprogramm der TV-Show „Jak Oni Śpiewają“ (Wie sie singen) uraufgeführt. Die Show war die polnische Version des britischen „Soapstar Superstar“, bei dem Schauspieler aus Seifenopern vor einer Promi-Jury singen mußten. Das Originalformat in England hatte grade mal zwei Staffeln überstanden, in Polen wurden es immerhin vier.

„Let it snow!“ ist, wie soviele vermeintliche Weihnachtslieder aus den USA, eigentlich nur ein winterlicher Schnulzensong, in dem Weihnachten nicht mal im Text erwähnt wird. Kurioserweise schrieben ihn Autor Sammy Cahn und Komponist Jule Styne im Sommer 1945 in Kalifornien, angeblich an einem der heißesten Tage seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Song wurde seither in unzähligen Fassungen veröffentlicht: frühe Coverversionen stammen von Frank Sinatra, Doris Day, oder Dean Martin, während sich zuletzt auch Mika, Lady Antebellum und auch Kylie Minogue an dem Klassiker versuchten.

Edyta jedenfalls hat daraus einen fast schon broadwayreifen Kitschauftritt gemacht. Hier ist er: