Türchen #5 im Eurovision Songkalender: Gerard wartet ungeduldig auf Sinterklaas

Im Gegensatz zu den meisten anderen westeuropäischen Ländern zählen in den Niederlanden nicht die Weihnachtstage, sondern der 5.12. zu den wichtigsten Festtagen.

Am heutigen Abend, dem sogenannten „Pakjesavond (Bescherung)“ platzieren in allen Landesteilen die Kinder ihre Schuhe am offenen Kamin oder vor dem Hintereingang des Hauses und hoffen, daß ihnen „Sinterklaas“, ähnlich dem deutschen Nikolaus, Nüsse, Marzipan, Süßigkeiten und kleine Geschenke hineinlegt.

Im 15. Jahrhundert stellte man in der Sint Nicolaaskerk von Utrecht Schuhe auf, in denen die reichen Kaufleute der Stadt Geld gaben, welches anschließend an die Armen der Stadt verteilt wurde. Aus dieser Tradition erwuchs ein Kinderfest, an welchem sich auch mittlerweile die Erwachsenen ausgiebig erfreuen. Es werden Geschenke anonym verteilt oder das Los entscheidet, wer das Geschenk erhält.

In den Vorstellungen der Kinder reitet Sinterklaas, dessen Name auf den heiligen Nikolaus von Myra zurückgeht, über die Dächer der Stadt und steigt durch den Schornstein eines jeden Hauses, um die von den Kindern aufgestellten Schuhe zu befüllen. Die Kinder legen als Dank Karotten oder Heu in den Schuh, damit das Pferd von Sinterklaas was zu knabbern hat.

Die entscheidenden Wunder zur Heiligsprechung leistete Nikolaus von Myra an Kindern, weswegen wohl sein Todestag als Datum für das Kinderfest gewählt wurde. Trotz Reformation und immenser Proteste der protestantischen Kirche überlebte der Pakjesavond die Jahrhunderte.

Im 19. Jahrhundert erhielt Sinterklaas einen Helfer, der in den folgenden Jahrzehnten zum „Zwarte Piet“ wurde. Mittlerweile kennt man viele „Pieten“. Die beiden bekanntesten Assistenten sind der „Hoofdpiet“, die rechte Hand des Sinterklaas, und der „Wegwijspiet“, der die Fahrtrichtung des Bootes, mit dem Sinterklaas aus Spanien kommt, überprüft.

Durchs Fernsehen erlebt Sinterklaas, der in einem Bischofsgewand auftritt, eine ungeheure mediale Präsenz. Serien und Dokusoap flimmern über den Bildschirm. Die Ankunft von Sinterklaas und seine Reise durchs Land werden genau verfolgt. Jedes Jahr erhält eine andere Region die besondere Aufmerksamkeit des heiligen Mannes.

Ein solches Fest läßt natürlich auch die niederländische Prominenz nicht kalt. Gerard Joling, der 1988 mit „Shangri-La“ die Niederlande in Dublin vertrat, läßt nichts unversucht, den Zwarten Piet Diego mit Gesang zu bestechen, damit er doch auch mal ein „“Cadeautje (Geschenk)“ erhält. Er kann es kaum erwarten und freut sich wie ein kleiner Junge auf diesen Tag. Ob es ihm gelingt, den Zwarten Piet zu überzeugen, ist nicht überliefert.

Europaweit war sein Gesang anno 1988 nur mittelmäßig erfolgreich: Platz 9 mit 70 Punkten. Seinen größten Erfolg seit seinem Karrierebeginn 1984 als Tänzer bei der Formation Dolly Dots landete er mit dem Lied „No More Boleros“.

Als Mitglied der sehr erfolgreichen Formation „Toppers“ wäre er beinahe noch ein zweites Mal zu eurovisionären Ehren gekommen, aber Streitigkeiten mit Sangeskollege Gordon ließen ihn aus dem Projekt aussteigen. Ihm blieb somit die Schmach von Moskau mit „Shine“ erspart: Halbfinale Platz 17 mit 11 Punkten.

Gerard Joling & Zwarte Piet Diego „Ik kan niet wachten“