Udo Jürgens: Die PRINZ-Blogger erinnern sich

Austria's singer Udo Juergens looks on during the German TV game show Wetten Dass...? in Ausburg

Die Nachricht von Udo Jürgens‘ plötzlichem Tod hat am vergangenen Sonntag Abend die deutschsprachige Welt ziemlich erschüttert. Und viele Menschen haben sicher auch kurz darüber nachgedacht, welche Erinnerungen und Geschichten sie vielleicht persönlich mit diesem Ausnahmekünstler verbinden. Das wollen auch einige Blogger tun und sich mit kurzen Texten und einem Lieblingssong vor diesem großartigen Musiker verneigen.

Blogger JanPrinzBlogger Jan: Ich fange dann gleich mal an. Gestern sagte jemand zu mir: „Wenn jemand wie Udo Jürgens stirbt, ist das, als wäre eine Comicfigur tot“. Erst habe ich das gar nicht verstanden, aber bei näherem Nachdenken wird das sofort klar. Comicfiguren sind immer da. Weder Asterix noch Mickey Mouse sind in der Lage, zu sterben. Und so ist das ja eigentlich auch mit Menschen wie Udo Jürgens. Seit ich denken konnte – und das kann ich schon lange – gab es ihn. Immer wieder tauchte er im Fernsehen auf und hatte dort schon immer den Ausnahmestatus des ganz großen und ganz besonderen Stars. Und er war nie weg und verschwunden in der Versenkung.

Erst im Herbst noch, als es auf seinen 80. Geburtstag zuging, habe ich mit Co-Blogger WM darüber gesprochen, dass ich unbedingt bei der nächsten Tournee eine Karte ergattern möchte, ein Udo-Jürgens-Konzert müsse man schließlich doch einmal im Leben besucht haben, sie sollen ja immer ein ganz besonderes Ereignis gewesen sein. Und dass es eine nächste Tournee geben würde, daran habe ich gar nicht gezweifelt, denn eines war ja klar: Udo Jürgens macht das, bis er mal tot umfällt! Dass sich diese leichtfertig dahingesprochenen Worte nur wenige Wochen später bewahrheiten sollten, konnte angesichts seiner Fidelität und seinem Tatendrang nun wirklich niemand ahnen…

Als großer Fußballfan, der ich auch noch bin, möchte ich mich mit dem Song an Udo Jürgens erinnern, den er 1978 zusammen mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft anlässlich der Weltmeisterschaft in Argentinien aufgenommen hat und der einer seiner größten kommerziellen Erfolge war. Leider gibt es diesen Song nicht zum direkt anklicken, sondern lediglich als Link:

Bildschirmfoto 2014-12-24 um 00.23.58

Buenos Dias Argentina

In diesem Sinne: Adios, Udo!

 

WM und die ESC-KöniginnenPrinzBlogger WM: Ja, es ist erst ein paar Wochen her, da haben Jan und ich über die Notwendigkeit gesprochen, ein Livekonzert des Sängers besuchen zu wollen. Seit vielen Jahren liegt mir mein Freund Harald schon in den Ohren: „Lass uns doch mal zu einem Udo-Jürgens-Konzert gehen.“ Nachdem ich in den letzten Jahren gezögert hatte, habe ich jetzt mitgemacht und vor zwei Monaten haben wir Karten für das Konzert in Hamburg im Februar erstanden. Leider haben wir zu lange gezögert und Harald wird den guten Udo nicht mehr live erleben.

Ich selbst hatte aber das Glück und zwar vor satten vier Dekaden! Damals, noch recht jung an Jahren, überredete ich meine Mutter, mit mir zu einem Konzert der Udo75-Tour in die Halle Münsterland in Münster zu fahren. Sie gab nach und mein Bruder musste auch noch mit. Und obwohl Udo Jürgens vielleicht nicht mein absoluter Lieblingssänger war, mochte ich seine damals aktuellen Hits, vor allem die flotteren. Außerdem hatte ich im Gefühl, dass er auf der Bühne Großes abliefern würde. Ich behielt recht: am Ende waren alle beeindruckt von der Präsenz und dem Können des Meisters (so haben mein Bruder und ich das damals natürlich nicht formuliert). Seinerzeit wusste ich übrigens noch gar nicht, dass Udo mal den Grand Prix gewonnen hatte, aber „Merci Cherie“ kannte ich schon. Das kam im Zugabenfinale – noch ohne Bademantel.

Ein Song des damaligen Konzertprogramm gefiel mir, trotz des nicht gerade kindgerechten Themas sehr gut: „Geschieden“, seine deutsche Version eines Michel-Delpech-Titels:

Udo Jürgens: Geschieden

 

Malta 2014, Matthias in der HallePrinzBlogger Matthias: Als Kind der 80er Jahre (im Jahr der ersten Ölkrise geboren) bin ich mit Udo Jürgens aufgewachsen. Klar, als Kind sah man im ZDF „Tom und Jerry“ und kam somit an „Vielen Dank für die Blumen“ gar nicht vorbei. Meine Mutter war sowieso Udo-Fan und darum kenne ich seine Musik, seit ich denken kann.

Wie meine Vorredner dachte ich auch – im Umfeld von Udos 80. Geburtstag – jetzt darüber nach, doch mal im nächsten Jahr eine Karte für ein Udo-Konzert zu kaufen. Schon des weißen Bademantels wegen. Zu spät. So bleibt mir wenigstens die Erinnerung, zusammen mit Co-Blogger Peter noch vor wenigen Tagen bei der Aufzeichnung von Helene Fischers Weihnachtsshow im Berliner Velodrom gewesen zu sein und dort einen agilen Udo Jürgens erlebt zu haben, der sich noch einmal an Helenes Version von „Merci Chérie“ erfreute und selbst noch zwei Lieder zum besten gab. Neues Material, keine Evergreens, von denen er uns jetzt so viele hinterlassen hat.

Einer, der mir immer im Herzen bleiben wird, ist ein Lied aus meinen Kindertagen: 1984 sang Udo gemeinsam mit seiner damals im Teenager steckenden Tochter Jenny das anrührende „Liebe ohne Leiden“. „Dein Leuchtturm steht nun anderswo“, singt Udo, und Jenny antwortet:  „… und nicht mehr hier bei dir“ – ein Lied darüber, dass Kinder irgendwann flügge werden und das elterliche Nest verlassen. Darüber denke ich bis heute viel nach, mehrere hundert Kilometer von meinen eigenen Eltern entfernt wohnend. Ein wunderbares Beispiel dafür, dass Udo keine schlichten Herz-Schmerz-Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Lieder geschrieben hat. Sondern Chansons mit tiefer Bedeutung. Jetzt steht auch Udos Leuchtturm anderswo. Das Licht seiner Lieder strahlt weiter.

Udo & Jenny Jürgens: Liebe ohne Leiden

 

Blogger PeterPrinzBlogger Peter: Es ist ein Allgemeinplatz, aber es ist echt schwer, aus den vielen großartigen Titeln von Udo Jürgens einen hervorzugeben, der mir besonders am Herzen liegt. Die Nachricht vom Abschied von Udo Jürgens von dieser Welt hat mich doppelt kalt erwischt und noch heute weiß ich nicht, wie ich meine Gefühle in Worte fassen soll, ohne künstlich oder pathetisch zu klingen.

Denn ich habe seinen beiden letzten beiden Liveauftritte bei der Aufzeichnung der Helene Fischer X-Mas-Show im Berlin erlebt, einmal mit Chrissi, einmal mit Co-Blogger Matthias. Und spontan hatte ich nach den Shows hier aufgeschrieben, dass sein Auftritt „der emotionale Höhepunkt der Show“ gewesen ist. Und dann keine zwei Wochen später und kurz vor Weihnachten, der Feier der Geburt Jesu Christi, die traurigste vollstellbare Nachricht.

BILD Titel 23.12.14 Udo Jürgens Helene Fischer

Udo Jürgens war irgendwie immer da, seit ich angefangen habe, Musik zu hören. Und ich habe Udo immer als Verbündeten empfunden, schon in den frühen IMMER WIEDER GEHT DIE SONNE AUF Zeiten. Zuletzt hat mich beeindruckt, wie er zum Phänomen Conchita Wurst eine reflektierte Position entwickelt hat.

Hier in Hamburg habe ich mehrfach das Udo-Jürgens-Musical ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK gesehen und dort auch meinen Top-Song-Favoriten wiederentdeckt, und zwar ICH WEISS WAS ICH WILL. Wie bei MAMMA MIA ist es auch beim Udo-Jürgen-Musical: Die Storyline ist eher schlicht und pseudohip, aber das Feuerwerk genialer Songs, die intelligent mit der Inszenierung verwoben sind, macht jedes Musicalbesuch zu einem Feel-Good-Erlebnis. Und Udos Musik wird immer bleiben.

Udo Jürgens mit einer mitreißenden Live-Version von ICH WEISS WAS ICH WILL in einem Konzert anläßlich seines 70sten Geburtstag

 

Eurovision Dance Nite V DJ Douze Points spielt ATEMLOSPrinzBlogger Douze Points: Abgesehen von „Vielen Dank für die Blumen“, das ich aber lange Zeit nicht Udo Jürgens zugeordnet hatte, bin ich weitgehend ohne seine Musik aufgewachsen. Umso größer war dann aber der Hallo-Effekt, als ich mit den Best-of-CDs „Aber bitte mit Sahne“ 1 und 2 Udo in meine Musiksammlung ließ. Die meisten Schmonzetten oder Nischenfavoriten haben mich so bis heute nicht erreicht. Umso mehr verehre ich Udo Jürgens für seine Gassenhauer mit Tiefgang, die nach wie vor die Generationen verbinden.

Zwar war ich nie auf einem Udo-Konzert. Ich bin aber glücklich, diesen großartigen Künstler zumindest einmal live erlebt zu haben – in vergleichsweise ungewohnter Form. 2005 war Udo Jürgens Stargast bei der Hamburger Mediennacht auf dem Blankeneser Süllberg. Dort trat er am Flügel gegen Mitternacht im Festsaal auf. Leider war die Akustik sehr bescheiden, so dass die Musik und der Gesang nur in den ersten 5-6 Reihen einigermaßen zu hören war. In den Reihen dahinter führte das dazu, dass die Leute immer lauter miteinander redeten. Das blieb auch Udo nicht verborgen, der sich sichtlich mühte, die Pressemeute zu unterhalten. Er zog sogar den weißen Bademantel an. Der Effekt blieb aber überschaubar: Die saturierte Medien-Haute-Volée ignorierte den Künstler geradezu. Weitgehend entnervt verließ Udo dann nach seinem Set die Bühne – ohne Zugabe und ohne ausfallend zu werden, sondern wie sonst auch immer: professionell und mit erhobenem Haupt.

Mein Lied ist weder „17 Jahr, blondes Haar“, das „ehrenwerte Haus“, „Griechischer Wein“ oder „Ich war noch niemals in New York“, sondern eine stille Nummer, in Udo Jürgens den innerlichen Kampf eines fremdgehenden Ehemanns beschreibt, der endlich damit aufhören will. Fantastisch in der Musik, dem Text und der Aussage.

Udo Jürgens – Gaby wartet im Park

Hier ein Clip bei Myvideo in wesentlich besserer Qualität, den wir leider nicht direkt einbetten können.

 

Malmö Impressionen Arena OLIverPrinzBlogger OLiver: Ich war niemals auf einem Udo-Jürgens-Konzert, ich habe auch nie eine Platte von ihm besessen und dennoch hat mich seine Musik, während ich aufwuchs, immer irgendwie begleitet. Ich erinnere mich, dass meine Mutter stets das Radio aufdrehte, wenn „Aber bitte mit Sahne“ oder „Mit 66 Jahren“ gespielt wurde, später hatte ich einen Freund, der sogar nach Udo Jürgens benannt war (auch seine Mutter war dem Charmeur verfallen). Wie viel ich von Udo Jürgens‘ Liedern tatsächlich in meiner Musik-DNA gespeichert hatte, ist mir allerdings erst bewusst geworden, als ich vor einigen Jahren das hier bereits von Peter angesprochene Musical ICH WAR NOCH NIEMALS IN NEW YORK in Hamburg besuchte. Ich fand die Inszenierung und den Plot der Story eher mäßig, aber die Musik war voller aufmunternder und kraftvoller „Happy Pills“, die ich fast alle kannte und bei denen der ganze Saal automatisch mitwippte. Ein sehr beschwingter Abend.

Als ich vergangenen Sonntag seine Todesmeldung bei N24 über den Bildschirm laufen sah, war ich fassungslos. Gerade eben hatte ich doch noch ein Bild von Udo herausgesucht, der bei unserem aktuell laufenden Lesergame (Austrian Open) eine wichtige Rolle spielt, gerade eben noch hatte ich seine Biographie als Preis für den aktuellen Wochengewinner eingepackt. Und ich hatte ein trauriges Deja-vu: keine zwei Wochen zuvor war Mango, einer meiner Lieblingssänger und Komponisten aus Italien, im Alter von 60 Jahren ebenfalls an einem Herzanfall gestorben – mitten während eines Konzertes.

Bildschirmfoto 2014-12-23 um 21.27.03Seitdem habe ich viele von Udo Jürgens‘ Lieder wiederentdeckt, davon hat eines einen besonderen Platz in meinem Herzen: Als ich 11 Jahre alt, lief im TV eine französische Zeichentrickserie, die Geschichte und Wissenschaft auf faszinierende Weise erklärte. Eine der Figuren in „Es war einmal … der Mensch“ war eine Jahreszahlen anzeigende Uhr namens „Memory“ mit Augen und Armen, mit der man durch die Epochen reiste. Als wissensdurstiger, tief in der schwäbischen Provinz steckender Teenie liebte ich diese Serie und insbesondere ihre phänomenale Titelmelodie, die übrigens viele Bestandteile eines ESC-Erfolgs (Drama! Tempowechsel! Grande Finale!) aufweist und einen klugen Text besitzt, mit dem ich mich total identifizieren konnte… „Tausend Jahre sind ein Tag“ wurde von Udo Jürgens gesungen, wohl einer seiner weniger bekannten Titel, den er aber immer wieder gern auf Konzerten präsentiert hat (und der mittlerweile auch eher fragwürdig gecovert wurde).

Es war ein mal der Mensch (Intro)

Hier singt Udo Jürgens eine wirklich famose mehr als 7 Minuten lange Live-Fassung von „Tausend Jahre sind ein Tag“ (ab 5:30!) 

 

Hanse Grand Prix 2014 Tjabe mit Olympia EigengemäldePrinz Blogger Tjabe: Also ich werde immer wissen, wo ich war, als ich von Udo Jürgens Tod erfahren habe. Ich saß gerade auf dem Notsitz einer immens überfüllten Regionalbahn zwischen Bremen und Oldenburg, die dort auch gern von der Deutschen Bahn als IC bezeichnet wird. Zwischen Massen von Menschen und Koffern klingelte plötzlich mein Handy und Co-Blogger OLiver war am Apparat. Er erzählte mir die traurige Neuigkeit, in der Hoffnung, dass ich einen Nachruf verfassen könnte. Aber auf dem Weg in die internetarme ostfriesische Heimat war daran nicht zu denken.

Für mich war Udo Jürgens nie der typische Schlagersänger. Er gehörte für mich stets in die Kategorie Peter Alexander, Mireille Matthieu und Caterina Valente. Trat er in einer für die siebziger Jahre typischen Musikshow auf, dann bildete er grundsätzlich einen der Höhepunkte des Abends mit einem Einzelauftritt. Umso erstaunter war ich, als ich Jahre später herausfand, dass er auch zu Gast in der Sendung 8 x 1 in Noten war, wo sich die einzelnen Künstler dem Gruppendiktat des Showkonzepts unterwarfen.

DVD Trailer – 8 x 1 in Noten

Musikalisch verbinde ich mit Udo Jürgens eher die etwas nachdenklicheren Lieder wie „Tante-Emma-Laden“ (einen unpersönlichen Supermarkt konnte ich mir als Kind damals nicht vorstellen) oder „Aber bitte mit Sahne“ (ich fand das schon sehr grausam, dass die Damen aufgrund durch zu vieles Schlemmen vom Stuhl fielen).

Udo Jürgens – Tante Emma Laden

Heutzutage liebe ich besonders Ein ehrenwertes Haus, da es noch so aktuell wie damals ist.

Udo Jürgens – Ein ehrenwertes Haus

Wie schon die anderen Blogger zuvor geschrieben haben, kann man sich die Musikwelt ohne Udo Jürgens nicht vorstellen, jedoch werden wir uns auf ein anderes Genießen seiner Musik einstellen dürfen. Da wird dann nicht feuchtfröhlich zu einem Medley seiner größten Hits auf dem Alstervergnügen getanzt, sondern stillschweigend an den großen Musiker gedacht.